Gelungene Premiere für den 1. Pinnersdorfer Adventmarkt

Während die Yaks im Kaltstall zu ebener Erd ihre Zeit damit verbrachten, sich ganz gemächlich das Bioheu vom Futtersteg zu holen, herrschte am 19. November 2016 am Tennboden ober ihnen rege Betriebsamkeit: Yak-Bäuerin Gabi Brunner organisierte erstmals am Biohof Pinnersdorf in Wörgl-Boden einen Adventmarkt mit heimischen bäuerlichen und handwerklichen Produkten, der sehr gut angenommen wurde.

Geflochtene Korbwaren, handgemachte Doggln, Trachtenmode von Helene Mayr, Adventkränze  und Bio-Produkte wie Eier, Nudeln oder Schnaps und natürlich Fleischpakete vom Bio-Yak zum Mitnehmen bot die Direktvermarktungs-Initiative ebenso wie den Rahmen für einen geselligen Adventhoagascht bei  bester Verpflegung. Die beiden Bäuerinnen Silvia Gasteiger und Rosi Werlberger verwöhnten gemeinsam mit weiteren Kuchenbäckerinnen die Gäste im „Tennboden-Café“ mit Süßem, Hansi und Gabi Strasser vom Riederbauern schenkten Glühwein und warmen Apfelsaft aus und die tibetische Weihnachtsyaksuppe war mittags bereits aufgegessen! Beim Pinnersdorfer Adventmarkt kehrten auch Wörgler Stadtpolitiker wie Bürgermeisterin Hedi Wechner, Vizebgm. Mario Wiechenthaler sowie die Gemeinderäte Mag. Gabi Madersbacher, Andreas Schmidt oder Dr. Andreas Taxacher ein.

Der 1. Pinnersdorfer Adventmarkt setzte einen Kontrapunkt zu vielen anderen Weihnachtsmärkten landauf, landab. Ausschließlich hochwertige heimische Produkte, keine Berieselung mit Weihnachtsliedern, statt kitschiger Deko natürliche Materialien und Bilder des Rettenschösser Malers Pepi Huber  – und mit den Öffnungszeiten von 10 bis 15 Uhr nicht  geeignet fürs abendliche „Glühwein-Absacken“. Schön, dass der Verkaufserfolg trotz einsetzenden Regens am Nachmittag den Veranstaltern Recht gegeben hat.

Über den guten Absatz freute sich Gabi Brunner, Bio-Yak Nebenerwerbsbäuerin ebenso wie die Biohof-Eigentümer Joachim und Iveth Astl. Mag. DI Joachim Astl war 20 Jahre lang Geschäftsführer bei Bio Austria, bevor er heuer im März das Handtuch warf. „Die Tätigkeit in diesem Job hat sich massiv geändert – der kreative Aspekt ging zulasten überhandnehmender Bürokratie immer mehr verloren – und ein Buchhalter bin ich nicht“, erklärt Astl seinen Schritt,  aus dem bezahlten Job auszusteigen und Biolandwirtschaft daheim im Vollerwerb umzusetzen – etwa mit Ab-Hof-Verkauf von Eiern, Nudeln, Schnaps und Rindfleisch.

Dazu kamen noch weitere Frust-Erlebnisse: Der Verdruss angesichts der „Allmacht des Lebensmitteleinzelhandels“ bei der Preisgestaltung, die für Bauern existenzbedrohend geworden ist. Sowie „die Mutlosigkeit der Landwirtschaftskammer – dort traut sich keiner was zu sagen! Keiner hat eine Vision für die Tiroler Milchwirtschaft“, klagt Astl über die Kammervertretung und sieht den Biolandbau als einzigen Weg für die Tiroler Berglandwirtschaft, um auf Dauer zu überleben.

„Der aktuelle Milchpreis ist der beste Beweis, dass die intensive Landwirtschaft in Tirol keine Zukunft hat“, ist Astl überzeugt und fordert ein radikales Umdenken: „Die Alpen sind unser Alleinstellungsmerkmal am Markt. Wenn wir als Bauern eine Zukunft haben wollen, dann geht das nur mit extensiver Landwirtschaft, Biolandbau und Heumilch.“ Keine Silofütterung – das gehe schon in Richtung Intensivierung – und „das hat ganz Europa“. Die Almbewirtschaftung zählt zu den Qualitätsmerkmalen der Berglandwirtschaft, die auch auf importierte Futtermittel verzichten soll. Besinnung auf die heimischen Lebensgrundlagen – und dabei auch auf Rinderrassen, die mit dem heimischen Futterangebot auskommen. Das sei im Hinblick auf die Ernährungssicherheit ebenso wichtig wie ein fairer Preis für die Produkte – die unter der Prämisse mehr Qualität statt Quantität erzeugt werden sollen.

Solch eine Nische hat Gabi Brunner mit ihren Bio-Yaks gefunden. 2010 kaufte sie die ersten Tiere, die sie seither in zwei Familienverbänden züchtet. Im Sommer weiden die Yaks auf der Hochalm im Langen Grund in der Kelchsau und halten dort den Almboden frei von Verbuschung, den Winter verbringen sie im Kaltstall in Pinnersdorf, den sie sich u.a. mit zwei Bio-Turopolje Schweinen und Ziegen teilen. Yaks wachsen sehr langsam, geschlachtet werden sie meist erst mit vier Jahren, das Fleisch schmeckt ausgezeichnet und ist fast cholesterinfrei. Weitere Info auf http://www.tiroler-bioyak.at/

sowie auf vero-online über Gabi Brunners Bio-Yak-Zucht und ihren ersten Almsommer 2014: http://www.vero-online.info/page.php?id=3281