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Kufsteiner FM-Gespräche: „Strategien der öffentlichen Hand
vero / 03.02.2007 20:58
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Kufstein  Fachhochschule  Gemeinden  Facility  Management 

„Strategien der öffentlichen Hand – in Facility Management und Immobilienwirtschaft“ – das war zwei Tage lang Thema der diesjährigen FM-Gespräche an der Fachhochschule KufsteinTirol, wo Experten aus Österreich, Deutschland, Ungarn und der Schweiz vor über 170 Teilnehmern referierten und diskutierten.

„Die öffentliche Hand hat einen wesentlichen Bestand an Immobilien, aber nur sehr begrenzte finanzielle Ressourcen“, erläutert Ing. Mag. (FH) Thomas Madritsch, MRICS, Leiter des Studienganges Facility Management & Immobilienwirtschaft an der FH KufsteinTirol. Hier setzen die Überlegungen an, mit professionellem Facility Management diesen Besitz wertbeständig zu erhalten und vorhandene Mittel effizient einzusetzen. „Denn die bisherige Betrachtung der Gebäudebewirtschaftung reicht nicht mehr aus, um der Verantwortung für den öffentlichen Immobilienbesitz gerecht zu werden“, hielt auch FH-Obmann KommR Prof. Walter J. Mayr in seinem Eröffnungsstatement fest.

 

Wiener Vorzeige-Projekte

Wie es geht, hat die Stadt Wien an zwei Beispielen vorexerziert. Dort führte ein tiefgreifender Reformprozess 2003 zur Gründung der Magistratsabteilung 34, Bau und Gebäudemanagement. „Ein interner FM-Komplettanbieter, der mit 1.400 MitarbeiterInnen derzeit 3 Millionen Quadratmeter Fläche in 1.800 Objekten betreut“, wie Ing. Josef Neumayr und DI Klaus Zimmel als Leiter der MA 34 in Kufstein berichteten. Und mit „Wiener Wohnen“ ist in der Bundeshauptstadt eines der größten Sozialwohnungsunternehmen Europas entstanden (220.000 Wohnungen, 9 Milliarden Euro Anlagevermögen). „Mit dieser neuen Struktur konnte der Sozialauftag erstmals rechenbar gemacht werden“, weiß Mag. Peter Prischl, Geschäftsführer der Reality Consult GmbH, die das Vorzeigeprojekt in Wien umgesetzt hat.

 

Zusammenarbeit von Gemeinden

Stichwort Sozialauftrag: So einfach lässt sich die öffentliche Hand freilich nicht mit reinen Wirtschaftsunternehmen vergleichen, „schließlich haben Kommunen auch Sozialaufgaben zu erfüllen“, erinnerte HR Dr. Robert Hink, Generalsekretär des Gemeindebundes Österreich. Dennoch ließ auch er keinen Zweifel: „Der Weg zu professionellem Facility Management für Gemeinden ist lang – aber es führt keiner daran vorbei!“ Hink scheute sich auch nicht ein besonders heikles Thema offen anzusprechen: Die interkommunale Zusammenarbeit. „Ich bin ein Verfechter solcher Kooperationen“, bekannte Hink, der den Gemeindevertretern ans Herz legte, öfter darüber nachzudenken, ob man gewisse Probleme nicht gemeinsam angehen könnte.

 

In einer lebhaften Podiumsdiskussion – moderiert von Ronald Barazon – gingen u.a. auch der renommierte Immobilien-Bewerter Komm.-Rat Alfons Metzger, Prok. Johann Newerkla von der Stadt Innsbruck und Ing. Franz Huemer von der Stadt Salzburg auf die Problematik rund um den Betrieb und die Nutzung von Immobilien ein.

 

Private Partner

Große Beachtung fand am Abschlusstag schließlich auch die Key Note von Dr. Reinhard Platzer. Der Generaldirektor und Vorstandsvorsitzende der Kommunalkredit Austria AG befasste sich mit den Auswirkungen von Public Private Partnerships. Platzer: „Die Einbeziehung privater Partner ermöglicht die finanzielle Entlastung öffentlicher Haushalte, erhöht die Kosteneffizienz und führt zu mehr Kundenorientierung!“ Wesentlicher Vorteil: Mit geeigneten Finanzierungsmodellen kann man von der hohen Bonität der öffentlichen Hand profitieren und so die Finanzierungskosten deutlich senken!

 

Immer mehr Jobanfragen

Nach zwei spannenden Tagen zog Studiengangsleiter Ing. Mag. (FH) Thomas Madritsch am Ende der FM-Gespräche eine positive Bilanz. Der Hochschullehrer sieht mit den Kommunen und ihren neuen Bedürfnissen ein weites Feld vor sich: „Der öffentliche Bereich hat den Nutzen von Facility Management erkannt und beginnt jetzt auch die Dinge nach und nach umzusetzen. Das zeigen uns auch die Jobanfragen aus den Gemeinden, die an unserer Hochschule immer mehr werden!“

 
INFO:
 
Warum Facility Management?
 

Aufgrund des immer härter werdenden Wettbewerbes sind Unternehmen gezwungen, die für das Kerngeschäft erforderliche Basis möglichst effizient zu planen und zu betreiben. Facilities sind Gebäude, Anlagen und Einrichtungen, Facility Management ist die Gesamtheit aller Leistungen zur optimalen Nutzung der betrieblichen Infrastruktur.

Zentraler Ansatzpunkt sind die Lebenszykluskosten. Den wenigsten Betreibern von Immobilien ist bekannt, dass bei einer Lebensdauer von 50 Jahren bereits nach 10 Jahren die Kosten für Nutzung- und Betrieb die Investitionskosten übersteigen. 

Die Fachhochschule KufsteinTirol bietet exklusiv die erste FM-Hochschulausbildung im deutschsprachigen Raum an und hat theoretisches Wissen auch bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt. So wurde zum Beispiel im Jahr 2003 ein neues Raumkonzept für die Bezirkshauptmannschaft Kufstein erstellt, momentan arbeitet man in Kufstein an einer integrativen Fallstudie zur Implementierung eines professionellen Facility Managements in den Städten Feldkirch und Dornbirn sowie in den Marktgemeinden Lauterach und Wolfurt.

Text: Hermann Nageler