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Archäologische Ausgrabungen am Gradl-Areal laufen auf Hochtouren

Einen buchstäblich heißen Job hat das Archäologinnen-Team von Talpa ausgefasst, das seit Juni 2013 die historischen Gebäudereste auf dem Areal des ehemaligen Gradl-Parkplatzes freilegt. Hitzefrei gibt´s nicht bei dieser Arbeit – schon gar nicht angesichts des ergiebigen Fundplatzes. „Wir stießen auf viel mehr Material als wir aufgrund der Sondierungsgrabungen angenommen hatten“, freut sich Maria Bader, sieht sich dadurch aber auch mächtig unter Zeitdruck. Bei der Flächengrabung zeigt sich das enorme Ausmaß der Gebäudereste, wobei das größte aus der nachgotischen Zeit stammt und bis in den noch nicht freigelegten Gradlanger reicht.

Das Archäologinnen-Team von Talpa führt die Ausgrabungen am Gradlareal durch. Das Team im Bild Mitte von links: Claudia Haller, Freya Erharter, Steffi Heim, Anja Schneider, Maria Bader, Veronika Wohllaib und Alexandra Fink. Bild rechts: Maria Bader bei der Dokumentation der Grabung im Baucontainer.

„Dass mittelalterliche und neuzeitliche archäologische Ausgrabungen im Stadtbereich dokumentiert werden, ist eher selten“, weist Bader auf die große Chance hin, die im Gradlareal gegeben ist, um wissenschaftlich Befunde über die die Lebensgewohnheiten der Menschen aus dieser Zeit zu sichern. „Das Parkplatz-Areal ist flächig voll, damit hatten wir nicht gerechnet.“

Jetzt werden die Gebäudereste schichtweise freigelegt und dokumentiert – fotografisch, vermessungstechnisch, mit Zeichnungen und ausführlichen schriftlichen Beschreibungen. Das rund 500 Jahre alte Gebäude aus der nachgotischen Zeit hat imponierende Ausmaße. „Es besteht aus drei Räumen, wobei wir aus Pfeilerresten ersehen, dass der Hauptraum und der westlichste Raum ein Gewölbe getragen haben. Es weist eine Breite von 21,30 Metern und eine bisher freigelegte sichtbare Länge in Ost-West-Richtung von 35 Metern auf“, erläutert Bader, die ausschließt, dass es sich dabei um ein rein bäuerliches Anwesen handelte. „Es ist repräsentativ gestaltet und hatte wohl öffentlichen Charakter, vielleicht war es eine Gastwirtschaft oder ein großer Lagerraum, da dessen Besitzer den Zehent einheben durfte.“ Vielleicht schreiben die Grabungsergebnisse nun auch Wörgls Stadtgeschichte in diesem Gebiet neu. Bader schließt nicht aus, dass sich historische Quellen zur Neuen Post, die bereits im 13. Jahrhundert als Gastwirtschaft erwähnt wurde, auf dieses Gebäude beziehen, nicht auf das heutige Gasthaus nebenan. 

Die Archäologinnen dokumentieren alle Funde und vermessen die Mauerreste. Unter dem nachgotischen Gebäude am ehemaligen Gradl-Parkplatz wurde ein weiteres, bisher nicht bekanntes aus der Zeit zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert entdeckt. Auch der Hausstein von J. Spiegl kam zum Vorschein.

Das Mauerwerk weist Spuren von späteren Eingriffen im Zuge des Umbaues zum Viehstall auf. Etwa den Einbau von Kanalrohren, Wasserleitungen oder einer Güllerinne ins Freie. Im westlichen Raum ist das Originalpflaster des nachgotischen Baues erhalten, im Hauptraum nicht mehr. Eventuelle Reste davon dürften mit dem Betonboden des Stalles beim Parkplatzbau entfernt worden sein.

Unter dem Hauptraum brachten die Ausgrabungen ein weiteres, bisher nicht bekanntes L-förmiges, unterkellertes Gebäude zum Vorschein, das zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert entstanden sein dürfte und für das keine historischen Quellen belegt sind. Das älteste Gebäude, anhand von Keramikfunden ins 12. Jahrhundert datiert, liegt noch völlig in der Erde, in der immer wieder Überschwemmungen durch den Wörgler Bach ihre Spuren in Form von Sedimentschichten hinterlassen haben. „So wissen wir, dass das dritte und älteste Gebäude sicher überschwemmt wurde, bevor der L-förmige Bau errichtet wurde“, erklärt Bader. Die Ausmaße des zweiten Hauses sind deutlich kleiner und im Zuge der Überbauung wurden die Kellerräume mit Abbruchmaterial aufgefüllt. „Für den Bau des massiven Mauerwerkes im 16. Jahrhundert wurde Material aus einem Steinbruch aus der Gegend verwendet, für die Pflaster abgerundete Bachsteine“, so Bader. Im Zuge von Umbauten am Gelände das Abbruchmaterial gleich einzuarbeiten wurde auch noch später praktiziert: „Unter der Mistgrube fanden wir den Hausstein der Familie J.Spiegl, datiert mit 1870.“

 

Keramikfunde geben Aufschluss über das Alter der Gebäudereste. Das Archäologinnen-Team versucht, so viel wie möglich freizulegen.

Die Archäologinnen arbeiten sich mit Kellen und Besen Schicht für Schicht tiefer und hoffen, durch weitere Hinterlassenschaften der Siedlungstätigkeit wie Keramikscherben exaktere Datierungen vornehmen zu können. Eingeplant sind weitere drei Wochen Grabungszeit, in denen sie so viel wie möglich freilegen und dokumentieren wollen.