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Ein Künstler als Friedensbotschafter: Johann Meindl aus Wörgl
vero / 22.03.2008 00:54
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Wörgl  Kunst  Kultur  Sweet-peace  Bird-of-peace  JohannMeindl 


Johann Meindl rettete die alte Bruckhäusler Eisenbrücke 1997 vor der Verschrottung. Über sie wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den besten Zeiten der Zementindustrie in Buggermühl 60.000 Tonnen Zement jährlich zum Abtransport per Bahn verfrachtet. Seine Vision: Sie sollte als "Bird of Peace" als Friedensmonument eine Reise um die Welt antreten.

Kunst und Kinder - das verbindet Johann Meindl, selbst Familienvater, im Alltag ebenso wie in seinem künstlerischen Universum, in dem nicht nur handliche Bilder und Skulpturen, sondern auch Mega-Projekte Raum einnehmen. Mut zum Träumen, Chancen erkennen und dann mit Beharrlichkeit daran arbeiten - das gilt für sein "Bird of Peace"-Projekt ebenso wie für den Riesenfußball, den er als Autobahn-überspannende Monumentalinstallation zur Fußball-Europameisterschaft  einer Reihe von möglichen Sponsoren angeboten hat. Ob das 1,2 Millionen Euro teure Projekt als Werbeträger verwirklicht wird, steht noch in den Sternen. Meindl bleibt optimistisch: "35 Millionen Menschen würden es sehen!" Wer einen Blick auf den Entwurf werfen will - hier anklicken. (PDF 750 KB, Entwurf und Grafik: Johann Meindl)

Johann Meindl greift gern nach den Sternen. Schon von weitem leuchtet die alte "Zehenthof-Brücke" Besuchern des Koch-Hofes entgegen. Wie eine Himmelsleiter steht die weiß lackierte Eisenbrücke aus dem 19. Jahrhundert neben gestapelten, im 21. Jahrhundert gefertigten Eisenteilen. Flügel, Schnabel, Augen - der "Bird of Peace" ist fast fertig. Als die alte Brücke, die bis 1997 als Fußgängerbrücke über die Brixentaler Ache genutzt wurde, aus ihrer Verankerung gehoben wurde und verschrottet werden sollte, war Meindl als "rettender Engel" für das Industrie-Denkmal zur Stelle. "Stell dir vor, ich habe sie sogar geschenkt bekommen!", freut er sich heute noch.

Zunächst stellte er das noch rostige Eisenmonstrum vor seinem Wirtshaus, dem Grieswirt in Itter auf. Mit wenig positiver Resonanz: "Die Gäste hat das mehr verstört als begeistert", erinnert er sich. Was seine Faszination für die Eisenkonstruktion nicht schmälerte, sieht er in der Brücke doch sein künstlerisches Grundthema, den Frieden, symbolisiert: "Eine Brücke verbindet zwei Ufer, knüpft Beziehungen - das ist die Grundlage für Frieden."

Das Glück blieb Johann Meindl hold. Als er dem Hopfgartner Unternehmer Mag. Manfred Pletzer  von seiner Idee, daraus einen Friedensvogel zu bauen, erzählte, hatte er einen großzügigen Unterstützer gefunden. Pletzer bot ihm an, die Werkstatt seines Metallbaubetriebes zu nützen und das Material zur Verfügung zu stellen. Meindl: "Aber ich kann doch nicht schweißen, sagte ich zu ihm. Manfred Pletzer sagte daraufhin nur: Geh, und lass es dir zeigen!"

Was Meindl im Sommer 2000, nachdem er die Gastwirtschaft wieder aufgegeben hatte, auch tat. Drei, vier Monate brachte er in der Werkstatt zu, bis die Geburt seines ersten Sohnes den Arbeitseifer zunächst einbremste. 2001 arbeitete er am "Bird of Peace" weiter, ließ es aber schließlich bleiben und lagerte die fertigen Teile in Hopfgarten ein. Die Suche nach einem Sponsor blieb bis heute ergebnislos. "Ich hatte es Benetton angeboten, aber da war gerade die Hunger-Kampagne im Anlaufen und kein Interesse dafür da", so Meindl.

Bislang schaffte das "Reisekunstwerk" nur die Rückreise nach Wörgl. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja auch hier bestens aufgehoben - hat doch Wörgl für die Welt 1932/33 mit dem Freigeldexperiment auch ein Zeichen für den Frieden und 1951 Ludwig Zamenhof, dem Erfinder der Weltfriedenssprache Esperanto, ein Denkmal gesetzt.

Während die großen Projekte noch auf Realisierung warten, entstanden in Meindls Atelier weiterhin Bilder und Skulpturen. Eine Auswahl davon zeigt er von 4. bis 18. April 2008 in der neuen Galerie Ainberger im Kulmerhaus in Hopfgarten, Bräugassl 1, und setzt dabei sein Kinderbenefiz-Projekt fort. Aus der Gummibärchen-Bilderserie "Sweet Peace" spendete Meindl bereits 4.000 Euro, um Kindern zu helfen. Vernissage ist am 4.4. von 18 bis 22 Uhr. Die Ausstellung ist von 4.4. bis 18. 4. 2008 jeweils am Samstag von 9 bis 12 Uhr und am Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Text und Fotos: Veronika Spielbichler