Museumshoagascht: 125 Jahre Trabrennverein Wörgl

„Geschichten und Bilder aus alten Zeiten“ lautet das Motto beim Wörgler Museumshoagascht, der  am 4. Februar 2026 die 125jährige Geschichte des Trabrennvereines Wörgl Revue passieren ließ. Im voll besetzten Theatron im Komma Wörgl moderierte Lilly Staudigl einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend mit den beiden Zeitzeuginnen Annemarie Duregger und Nicole Wegscheider.

Beim Bild- und Filmmaterial durchstöberten Stadtchronist Toni Scharnagl das Stadtarchiv und Annemarie Duregger das Vereins- und ihr eigenes Archiv, fündig wurde man zudem im Filmarchiv von Astrid und Egon Frühwirth. Und so erfolgte der Einstieg in den nostalgischen Rückblick mit einem Kurzfilm, den Ramon Kohlmann mit Sprecherin Lilly Staudigl erstellt hat.

Der Trabrennverein Wörgl wurde am 23. Jänner 1901 gegründet, hielt 2019 zum letzten Mal Pferderennen auf Schnee ab und zählt rund 150 Mitglieder. Die erste Rennbahn plante 1901 Ferdinand Mayr auf den „Astnergründen“ an der Brixentaler Straße Richtung Winkl. Gleich einem Wanderzirkus wechselten die Bahnstandorte im Laufe der Jahrzehnte – Austragungsstätten waren am Egerndorfer Feld, am Spiegl- und am Trixlfeld  und zuletzt beim Schadlhof.

„Wir hätten auch weitergemacht, wenn es nicht Corona und immer weniger Schnee gegeben hätte“, ließ Annemarie Duregger anklingen, die über 50 Jahre lang als Schriftführerin und – um es mit den Worten der aktuellen Präsidentin Nicole Wegscheider zu sagen –  als „heimliche Präsidentin“ die Zügel fest in der Hand hielt. Der Verein sei nun ruhend gestellt, „die Geselligkeit wollen wir aber mit jährlichen Ausflügen aufrechterhalten“, betonte Nicole Wegscheider, die 2011 ihrem Vater Alois Wegscheider als Präsidentin folgte. Davor waren fünf Männer an der Vereinsspitze – Gründungsobmann Lamm-Wirt Josef Schipflinger bis 1937, nach dem Krieg von 1946 bis 1964 Alois Mayr, nach einer Rennsportpause dann von 1971-1995 Aufingerwirt Hans Schipflinger und danach bis 2007 KR Sepp Wegscheider.

Ausschlaggebend für die Abhaltung von Pferderennen auf Schnee sind die Bahnbedingungen, vorausgesetzt ein gefrorener Boden und die richtige Menge Schnee, um die Tiere nicht einem Verletzungsrisiko auszusetzen. Daran hapert es seit Jahren, was nicht nur in Wörgl zum Rückgang des Pferderennsportes geführt hat. „In den letzten Jahren wurden auch die Rennställe und gemeldeten Rösser weniger“, so Duregger: „Jetzt fehlen auf 512 Metern Seehöhe die Voraussetzungen.“ Da half selbst ein Schneekanonen-Einsatz nichts –  Regen und Plusgrade machten alle Vorbereitungen zu nichte. Und auch zu viel Schnee führte bereits zu Renn-Absagen.

Mit dem Rennbetrieb ging enormer organisatorischer Aufwand einher, der von einem Team ehrenamtlicher HelferInnen geleistet wurde. Für sichere Bahnverhältnisse war etwa Jahrzehnte lang Stanis Jaworek als Rennbahnmeister verantwortlich und Hermann Duregger als „technischer Direktor“ plante die Rennbahn beim Schadlhof und baute den hölzernen Richterturm.

Hochspannung war dann jedesmal angesagt, wenn die Startglocke von Andrä Lenk ertönte und fliegende Hufe über die Piste rasten – nicht nur bei Trabrennen, auch bei Galopprennen. Traber über drei Runden, Galopprennen über zwei Runden und der Pony-Bewerb über eine Runde. Wobei sich im Lauf der Jahrzehnte der Wandel abzeichnete. Das riskante Skijöring, bei dem wagemutige Skifahrer in vollem Galopp über die Runden-Distanz von 700 Metern jagten, blieb eine seltene Rarität. Bei den Galopprennen waren seit über 20 Jahren keine Vollblutpferde mehr am Start – hier bewiesen dann die Haflinger als beliebte Freizeitpferde ihre Sportlichkeit.

Hochblüte der Rennzeit war in den 1970er-Jahren. „Bei 10 bis 11 Rennen waren über 100 Pferde am Start, bis zu 21 gleichzeitig“, erinnert sich Annemarie Duregger. Aus Sicherheitsgründen änderten sich die Rennvorschriften, schließlich durften nur mehr 10 Tiere an den Start – was in den letzten Jahren aufgrund des Rückganges der Rennställe und Nennungen nicht einmal mehr erreicht wurde.

Die Renntage, bei denen regelmäßig auch Teilnehmer der Trabrennvereine von Mittersill, Kitzbühel und Kirchberg präsent waren, boten mit Pferdewetten und Gastronomie vor Ort eine Attraktion fürs Publikum, das scharenweise kam und mitfieberte. „Die meisten Zuschauer waren am Egerndorfer Feld“, zog Duregger Bilanz und viele gute Erinnerungen verbinden die „Rennbahn-Köche“ Volland-Wirtsleute Hubert und Anni Strasser sowie die Sonnblick-Wirtsleute Peter und Helga Hörhager mit ihren Arbeitseinsätzen. Anni Strasser schwärmte: „Es war die schönste Zeit!“

Sicherheit war stets groß geschrieben. Unfälle ließen sich aber nicht immer verhindern. So erinnerte sich Annemarie Duregger an einen Vorfall am Trixfeld, bei dem ein Ross scheute, aus der Bahn und über Autos sprang und eine Frau verletzte. Die Versicherung deckte den Schaden, aber der Vereinsobmann musste vor Gericht erscheinen.

Von den „Backstage“-Arbeiten zur Sponsorensuche berichtete Präsidentin Nicole Wegscheider. Die Preisgelder von 1.500 Euro pro Rennen mussten ebenso aufgebracht werden wie die Kosten für die Bahnpräparierung und Abwicklung der Rennen. „Ohne Sponsoren wäre das nicht möglich gewesen. Wir haben als Traditionsverein nie betteln müssen, auch Unternehmen aus Nachbargemeinden haben uns unterstützt“, blickte Wegscheider dankbar zurück, die sich bei Annemarie Duregger für deren jahrzehntelanges, unermüdliches Engagement mit einem großen Blumenstrauß bedankte.

Museumshoagascht zum Thema Schwimmbad/Schwimmen in Wörgl

Zum Abschluss des nostalgischen Abends, bei dem auch Gäste im Publikum zu Wort kamen, kündigte Museumsvereinsobmann Andy Winderl den nächsten Museumshoagascht an: „Der wird vor dem Sommer stattfinden und das Thema Schwimmbad und Schwimmen früher in Wörgl behandeln.“ Im Herbst lädt der Museumsverein zu einem Filmabend ins Komma zum Thema 75 Jahre Stadt Wörgl. Zunächst ist das Museum aber aufgrund der Umgestaltung nach Abschluss der Ausstellung zur Bahngeschichte in Wörgl bis 1. März 2026 geschlossen.