Der Wörgler Gemeinderat stellte bei seiner Sitzung am 29. April 2026 mit mehrheitlich gefassten Beschlüssen die Weichen für den Schwimmbadbau am Scheiberfeld und die Verwertung des Wave-Areals im Baurechtsweg. Zudem wurden Tarife der Kinderbetreuungseinrichtungen erhöht, die Einführung eines Vitaltaxis diskutiert und mit namentlicher Abstimmung die Änderung der Wohnraumförderungsrichtlinien bei der Mietzinsbeihilfe für Drittstaatsangehörige abgelehnt.
Schwimmbad GmbH in Wergel AG eingegliedert
Seit der Beschlussfassung zur Gründung der WSE Wörgler Schwimmbad Errichtungsgesellschaft samt Eingliederung in die städtische Holding Wergel AG im Februar 2025 wurde die Firma Wörgl Schwimmbad GmbH unter FN 652323 z im Firmenbuch eingetragen und Stadtbaumeister DI Juri Nindl als deren Geschäftsführer bestellt. Die Gesellschaft soll das Schwimmbad nicht nur errichten, sondern dann auch betreiben.
Die Wergel AG hält 100 % der Stammeinlage in Höhe von 100.000 Euro, die aus liquiden Mitteln der Wergel AG finanziert wird. Der bestellte Aufsichtsrat ist deckungsgleich mit dem der Wergel AG.
Die Projektkosten für das Regionalbad Wörgl inklusive Parkhaus werden mit 13. April 2026 mit 27.490.750 Euro angegeben, inklusive in der Bauphase anfallende Kosten für Finanzierung und Baurecht mit voraussichtlich 28 Millionen Euro. Das Finanzierungskonzept sieht vor, dass Mittel, die nicht durch Förderungen von Land und Bund oder Zuschüsse von Gemeinden und Tourismusverbänden aufgebracht werden, in Form von Eigenkapital seitens der Stadtgemeinde Wörgl in das Unternehmen eingebracht werden.
Die benötigten Mittel werden fremdfinanziert. Daraus resultiere eine jährliche Belastung von rund 565.000 Euro. Die Gegenfinanzierung soll aus dem Ertrag aus der Vergabe von Baurechten auf dem ehemaligen WAVE-Areal erfolgen, die mit knapp 700.000 Euro jährlich angenommen werden. Die Umsetzung der Baurechtsvergaben und des Regionalbad-Projektes solle gleichzeitig erfolgen.
Beim laufenden Regionalbadbetrieb wird mit einem Abgang von rund 500.000 Euro und einer jährlichen, nicht liquiditätswirksamen Abschreibung von 900.000 Euro gerechnet. Teil der Kalkulation ist der Betriebsbeitrag durchs Schulschwimmen mit jährlich 200.000 Euro, der aufgrund der Schülerzahlen von Umlandgemeinden sowie der Stadtgemeinde Wörgl aufgebracht wird.
Das Regionalbad, bestehend aus Freibad, Publikumssauna und Hallenbereich samt angeschlossener Einrichtungen wie Parkhaus und Gastro sollen von der Schwimmbad GmbH als kommunale Einrichtung betrieben werden. Bei der Schwimmbad GmbH handle es nicht um ein primär gewinnorientiertes Unternehmen. Deshalb seien sowohl die Einbringung des erforderlichen Kapitals als auch die Abdeckung negativer Jahresergebnisse durch die Stadtgemeinde abzusichern.
Der Gemeinderat stimmte nach ausführlicher, fast zweistündiger Diskussion dieser Vorgangsweise mehrheitlich mit 13 Ja-Stimmen bei 8 Gegenstimmen zu.

Die Diskussion im Gemeinderat
WfW-GR Astrid Rieser erkundigte sich nach den geplanten Eintrittspreisen. Bei der Sauna rechne man mit 35.000 Eintritten, beim Freibad mit 65.000. Die Preise würden gestaffelt, beginnend ab 6 Euro, teilt Nindl dazu mit.
STR LA Christian Kovacevic begrüßte, dass das Projekt bereits beim Land zur Förderung eingereicht sei. „Bislang sind weniger als die Hälfte der Bädertopf-Mittel vergeben, es ist noch genug da“, so Kovacevic. Es gehe dabei auch nicht um das Einreichungsdatum, Priorität hätten unterversorgte Regionen. Als problematisch erachte er, dass „die Stadt alle Kosten übernehmen soll, obwohl noch offen ist, wieviel das sein wird. Es gibt noch keine schriftlichen Förderzusagen, auch nicht von den Umlandgemeinden“, so Kovacevic, der lieber erst die diesbezüglichen Gemeinderatsbeschlüsse abwarten wolle.
„Der Betriebsbeitrag in Höhe von 200.000 Euro ist mit allen Gemeinden besprochen“, erklärte Bgm. Michael Riedhart. Er gehe von weiteren Zuschüssen der Bundesschulen sowie der 55%igen Förderung des Landes aus. „Wenn wir nicht die Abgangsdeckung heute beschließen – warum sollen es dann andere Gemeinden tun?“ gab Riedhart zu bedenken. Die Betriebskostenabdeckung fürs Schulschwimmen werde für einen Zeitraum von 20 Jahren vereinbart, dieser laufe ab der Baderöffnung. Die Region zahle lediglich beim Hallenbad-Abgang mit, das Freibad sei Angelegenheit der Wörgler.
„Die Gastro ist mit 2,426.000 Euro im Projekt einkalkuliert und wird nicht gefördert. Was ist förderbar?“ wollte GR Mag. Gabi Madersbacher (Liste Hedi Wechner) ebenso wissen, wie ob mit Tourismusvertretern wegen der erwarteten 3 Millionen Zuschuss und dem Bund wegen der erwarteten 1,1 Millionen Zuschuss schon geredet wurde. „Förderbar ist das Gesamtvolumen minus dem Kiosk“, erklärte Riedhart. Er habe das Badkonzept bei den umliegenden TVB´s präsentiert, für die vor allem die Sauna und das Hallenbad von Interesse sei. Was den Bund betrifft, sei dieser an die Stadt herangetreten, um eine Vereinbarung zum Schulschwimmen zu treffen. Die Schwimmstunden im Hallenbad für die Bundesschulen würden nachmittags angesetzt.
GR Hubert Werlberger erkundigte sich nach der Kalkulation: 205.000 Euro Jahreseinnahmen würden fürs Parken eingerechnet – wer zahlt? „Wir rechnen mit einem Stundensatz von 1,50 Euro und einer maximalen Tagesparkgebühr von 6 Euro“, informierte Wörgls Finanzabteilungsleiter Mag. Walter Hohenauer. Werlberger hinterfragte die angesetzten Personal- und Stromkosten sowie 16.500 Euro Einnahmen vom WC – „Wieso?“ Wobei letztere Frage nicht beantwortet werden konnte. Hohenauer zu den Personalkosten: „Die Gastro ist extrem schlank kalkuliert, da kommen ev. noch 1-2 Leute dazu.“ Werlberger hält die angesetzten Stromkosten in Höhe von 160.000 Euro im Jahr für zu niedrig. Hohenauer begründete diese mit weniger beheizbarem Raum.
Was die Kalkulation der Einnahmen durch Baurechtsvergaben am Wave-Areal angeht, werden 2,30 Euro/Quadratmeter kalkuliert. Riedhart: „Im Juni-Gemeinderat steht die Beschlussfassung für den ersten Teil des Baurechts für eine Fläche von 6.200 Quadratmeter auf der Tagesordnung.“
„Mir wäre am liebsten, morgen schwimmen zu gehen. Aber das einzige Schriftliche, das vorliegt, ist die Vereinbarung über 6200 Quadratmeter Baurecht. Alles andere ist mündlich vereinbart. Das Risiko bei solchen Summen ist zu groß“, meinte GR Hubert Werlberger. Worauf Bgm. Riedhart erklärte, dass das Gesamtkonzept ohne Landesförderung nicht umsetzbar sei: „Ohne Landesbeteiligung gibt´s nur ein Freibad.“
Bei den Stromkosten hakte auch WfW-GR Patricia Kofler nach. Vergleichswerte anderer Bäder in Tirol würden nahelegen, dass die Stromkosten jährlich bei 600.000 Euro liegen. Weitere Fragen betrafen Instandhaltungskosten-Kalkulation, Personalkosten (Telfs weise inkl. Gastro jährlich 1,2 Mio. aus), die Anzahl der Bademeister und der Berechnung der Schulklassen mit 120: „74 Klassen gibt es allein in Wörgl, 25 in Kirchbichl und 24 in Kundl.“ Kofler wollte weiters wissen, wie die Mittelfristfinanzplanung für 20 Jahr aussehe.
„Die Berechnungen wurden von Professionisten vorgenommen“, erklärte Bgm. Riedhart. Die Gastro solle verpachtet werden. Der Großkunden-Stromtarif sei viel günstiger, außerdem werde eine PV-Anlage auf dem Parkgaragendach montiert. Die Kalkulation des Schulschwimmens sei für die Projektregion ausgelegt worden. „Wir bauen kein Baumhaus, sondern ein Regionalbad“, so Riedhart.
Eine weitere Frage Koflers bezog sich auf die Kapitalverzinsung. „Derzeit liegt der Finanzierungszinssatz bei 3 % p.a., Tendenz leicht steigend, aber das kann sich ändern. Ob fix oder variabel sollte erst nach Bauabschluss fixiert werden“, erklärte dazu Hohenauer. Die Personalkalkulation sei bis auf eine Unschärfe im Gastrobereich „relativ seriös“. Was Instandhaltungskosten angeht, seien diese in den Anfangsjahren noch nicht relevant.
„Gibt es für 55 %ige Förderquote vom Land eine schriftliche Zusage?“ wollte Grün-GR Iris Kahn wissen. Auch, welche Gemeinden mitmachen. Erstaunt zeigte sie sich, dass bislang keine Planungskosten ausgewiesen wurden. Keine Antwort gab es auf ihre Frage, welchen externen Experten da beratend einbezogen wurden. Kahn wies auf den Prüfbericht des Landes Tirol hin, demzufolge „weitere Investitionen in Wörgl abzulehnen“ seien. „Das Freibad kostet uns mindestens 15 Millionen Euro ohne Förderung – das ist nicht tragbar bei der derzeitigen Finanzlage der Stadt“, so Kahn.
„Bisher wurde noch nichts abgerechnet“, erklärte Hohenauer. Auch archäologische Leistungen habe es schon gegeben. Die Kosten bis zum Baustart nehme man mit einer Million Euro an.
Bgm. Riedhart berief sich hinsichtlich der 55 %igen Förderquote auf mündliche Zusagen vom Land, ebenso was die Beteiligung von Nachbargemeinden angehe, bei denen aber erst noch die Gemeinderäte Beschlüsse fassen müssten.
Sportreferent STR Thomas Embacher gratulierte dem Wörgler Bäderbeirat und bezeichnete die vorgesehen Parkgebühr als „sehr gut vertretbar. Soviel wie möglich sollten die öffentlichen Verkehrsmittel und Fahrräder genützt werden.“
WfW-GR Patricia Kofler zweifelte an, ob vom Bädertopf des Landes auch das Freibad und das Parkhaus gefördert werde. Wenn die Stadt ein Kreditvolumen von 14 bis 15 Millionen Euro benötige, resultiere daraus eine jährliche Belastung von 859.000 Euro für die Tilgung. Dem stünden lediglich 696.000 Euro Einnahmen aus dem Baurechtszins vom WAVE-Areal gegenüber. Dazu kämen noch 4,9 Millionen aushaftender Kredit fürs Wave, der von der Stadt zurückzuzahlen ist. „Womit wird das bezahlt?“ so Kofler.
„Die Frage nach der Förderbarkeit solltest du dem Land stellen“, antwortete Riedhart. „Die WAVE-Schulden sind jährlich zu bedienen“, erklärte Hohenauer – und damit von der Stadt unabhängig von einem Badneubau zu zahlen.
„Wann sind die Archäologen fertig?“ wollte WfW-GR Rieser wissen. „Die Grabungen werden im Herbst abgeschlossen. Aufgrund der vorliegenden Planung wissen wir jetzt, wo die Gebäude situiert werden – da wird auch gegraben“, so Riedhart.
Bedenken äußerte Sozialstadträtin Elisabeth Werlberger, die nicht zustimmte. Sie sei zwar Befürworterin des zukunftsweisenden Projektes, aber „eine abgesicherte transparente Grundlage für die Beschlussfassung ist nicht da. Ich sehe grundlegend nicht unerhebliches Risiko, auch wenn nur das Freibad gebaut würde.“
Bgm. Riedhart verwies auf den Aspekt, dass „Ertrinken Todesursache Nr. 1 bei Kindern ist“. Das Projekt sei ausreichend ausgearbeitet, ohne Förderung würde nur das Freibad realisiert: „Wir sind der Bevölkerung verpflichtet, das umzusetzen.“
STR LA Kovacevic fragte nochmals nach, wer die Berechnungen durchgeführt habe – „das Amt oder Externe? Ich bin von einem professionellem Büro mit Erfahrung im Bäderbau ausgegangen.“ Stadtbaumeister DI Nindl erklärte dazu, dass er sich durchaus als Profi sehe und mit bestem Wissen und Gewissen arbeite. „Meine Kostenschätzung von 27.490.000 beruht auf Angeboten von Firmen und liegt nah bei der externen Kostenschätzung von 27.280.000 Euro“, so Nindl.
Bgm. Riedhart räumte bei der Risikobewertung ein: „Axams hat Kommunalsteuereinnahmen von 600.000 Euro jährlich bei 6.000 Einwohnern – wir haben 9 Millionen Kommunalsteuereinnahmen. Die Gemeindeaufsicht hat Axams bewilligt.“
„Jedesmal gibt es ähnliche Debatten. Manche wollen das Schwimmbad nicht. Das ist reine Verzögerungstaktik. Wenn wir dem Konzept nicht zustimmen – warum sollten es dann unsere Nachbarn tun? Wer blockiert, handelt nicht im Sinn der Bevölkerung. Ihr müsst mitarbeiten, wird sind kein Hobbyverein“, meldete sich Vizebgm. Familienreferent Kayahan Kaya zu Wort.
„Was heute vorliegt, haben wir schon vor einem Jahr beschlossen. Heute geht es darum, Änderungen zu beschließen“, erklärte GR Dr. Andreas Widschwentner. Er vertraue auf das Wort von Mattle und Geisler. Was umgesetzt werde, entscheide die Förderung.
„Fragen stellen steht uns zu. Da geht es um einen Blankoscheck und die Auslagerung in die Wergel AG, die Gemeinde darf dann nur zahlen. WfW hat immer ein anderes Projekt präferiert. Die Schwimmbadplanung dauere nun schon vier Jahre. Die letzte Variante stehe „nicht auf soliden Füßen“, es gäbe noch kein Widmungsverfahren. „Es geht auch darum, was sich Wörgl in den nächsten Jahren noch leisten kann. Wir fordern ein transparentes Projekt mit Finanzplan und echter Kontrolle durch den Gemeinderat. Das Risiko liegt jetzt bei der Stadt, die Entscheidungen trifft die Wergel AG“, begründete Kofler ihre ablehnende Haltung.
GR Dr. Herbert Pertl sieht das vorliegende Konzept als realistisch an. Ohne Landesgeld müsse man das Projekt abspecken. „Alle sind für ein Schwimmbad. Wer nicht mitstimmt, will sich eine Hintertür offenlassen mit dem Hintergedanken, wenn´s schiefgeht, dagegen gewesen zu sein“, mutmaßt Pertl parteipolitische Gründe im Stimmverhalten.
Haftungsübernahme beschlossen
Ebenso mehrheitlich genehmigte der Gemeinderat mit 16 Ja-Stimmen (5 Gegenstimmen, 1 Enthaltung) Haftungsübernahme gem. § 1357 für die Wörgl Schwimmbad GmbH für einen Kredit in Höhe von einer Million Euro bei der Sparkasse Kufstein mit einer Laufzeit bis längstens 31.3.2051. Der Zinssatz für die erste Periode beträgt 2,2940 % p.a.
„Warum eine Haftung nach § 1357? Nach § 1346 wäre es eine Bürgschaft als Nachschuldner, die nicht mit dem Hauptschuldner gleichgestellt ist“, wollte STR LA Kovacevic wissen. Riedhart begründete die volle Bürgschaft mit besseren Kreditkonditionen. Grün-GR Kahn hakte nach, wie „die Schwimmbad GmbH ohne Einnahmen den Kredit zurückzahlen soll?“ Und warum nicht gleich die Stadt den Kredit aufnehme. Es handle sich um eine Vorfinanzierung, so Riedhart, der auf die Abwicklung über die Wergel AG hinwies, und Hohenauer konkretisierte: „Diese Million ist Bestandteil der Projektkosten von 28 Millionen Euro.
Raumordnung und Flächenwidmung fürs Wave-Areal
Den Antrag zur Änderung des Örtlichen Raumordnungskonzeptes, die zur Verwertung des WAVE-Areals braucht, verlas der neue Obmann des Raumordnungs- und Bauausschusses Dr. Andreas Widschwentner. Nach eingehender ablehnender Stellungnahme fasste der Gemeinderat einen Beharrungsbeschluss mit 14 Ja-Stimmen bei 6 Gegenstimmen und einer Enthaltung. Festgelegt wird damit eine gewerblich-industrielle Nutzung des rund 30.000 Quadratmeter großen Areals.
Ein Beharrungsbeschluss wurde auch zur Anpassung des Flächenwidmungsplanes gefasst, den 15 Mandatare bei 6 Gegenstimmen befürworteten. Am südlichen Rand wird ein Grünzug vorgesehen.
Weitere Berichte aus dem Gemeinderat folgen.


