Der Bericht in „Tirol heute“ vom 21. August 2026 über einen möglichen internationalen Güterbahnhof mit Containerumschlagplatz in Wörgl veranlasste die „Liste Wir für Wörgl“ zu einer Stellungnahme, in der „massives Unverständnis“ zum Ausdruck kommt. Eine Nachfrage bei der ÖBB ergibt, dass an ein solches Projekt in Wörgl nicht gedacht ist.
„Wörgl darf nicht im LKW-Verkehr ersticken. Ein Projekt dieser Größenordnung wäre keine gewöhnliche Betriebsansiedlung. Ein derartiges Vorhaben könnte die räumliche Entwicklung, die Verkehrssituation und die Lebensqualität in Wörgl auf Jahrzehnte hinaus maßgeblich beeinflussen. Darüber darf nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden“, erklärt Fraktionsführerin GR Patricia Kofler und fordert „umfassende Information und Transparenz“.
„Ein solches Projekt könnte Wörgl über Generationen verändern. Bürgermeister Michael Riedhart spricht öffentlich bereits von verfügbaren Flächen – doch dem Gemeinderat liegen weder Unterlagen noch Informationen über das Gesamtprojekt vor. Wenn öffentlich bereits über ein solches Megaprojekt gesprochen wird, müssen alle Karten auf den Tisch“, fordert WfW-Fraktionsführerin GR Patricia Kofler.
Welche Dimensionen ein internationaler Containerumschlagplatz erreichen könne, zeige der Terminal in Wolfurt mit rund 10,6 Hektar beziehungsweise 106.000 Quadratmetern. Das entspricht beinahe 15 Fußballfeldern. „Besonders brisant ist, dass mögliche Flächen laut den Aussagen des Wörgler Bürgermeisters im Tirol heute Bericht in der roten Gefahrenzone liegen. Gleichzeitig fehlen sämtliche Informationen über den Standort, den Flächenverbrauch, das zu erwartende Verkehrsaufkommen, Lärm- und Umweltfolgen für die Stadt“, so Kofler.
„Wörgl ist bereits heute regelmäßig mit erheblichen Verkehrsproblemen konfrontiert. Ein Güterterminal dieser Größenordnung würde nicht nur zusätzlichen Schienenverkehr mit sich bringen, sondern zwangsläufig auch massiven zusätzlichen Lkw- und Zubringerverkehr verursachen. Die mit einem solchen Großprojekt verbundenen Belastungen durch zusätzlichen Verkehr, Lärm und Abgase dürfen nicht zulasten der Wörgler Bevölkerung gehen“, betont Kofler. „Wir sagen ganz klar Nein zu einem Blankoscheck für ein weiteres Megaprojekt, bei dem die Bürgerinnen und Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt werden und weder dessen Dimension noch seine Folgen offengelegt werden.“
Wir für Wörgl richtete an Bürgermeister Riedhart eine schriftliche Anfrage und will „eine umgehende Beantwortung sowie die Übermittlung sämtlicher Unterlagen. Offenzulegen sind insbesondere die vorgesehenen Grundstücke, die Eigentumsverhältnisse, mögliche Projektpartner, Verkehrsprognosen, Umweltfolgen und Kosten, sowie alle bisher geführten Gespräche mit ÖBB, dem Land Tirol, Bund oder privaten Unternehmen.“
Kofler abschließend: „Es geht um die Zukunft aller Wörglerinnen und Wörgler und um die Lebensqualität in unserer Stadt. Deshalb darf ein Megaprojekt dieser Größenordnung nicht über die Köpfe der Wörgler Bevölkerung hinweg geplant werden. Es müssen alle Fakten auf den Tisch – denn die Menschen in Wörgl haben ein Recht auf volle Transparenz und echte Mitsprache.“
ÖBB-Stellungnahme zu Güter- und Containerterminal im Raum Wörgl
„Der Wunsch zur Errichtung eines Güter- und Containerterminals im Raum Wörgl wurde bereits in der Vergangenheit an die ÖBB herangetragen und wird auf fachlicher Ebene bereits umfassend bearbeitet. Unsere Analysen zeigen, dass ein Terminal in Tirol in erster Linie für das regionale Aufkommen in Tirol benötigt würde. Nach Ausbau des Terminals Hall in Tirol stehen auch unter Berücksichtigung der langfristigen Nachfragesteigerung nach Ausbau der Zulaufstrecken zum BBT vorerst ausreichend Umschlagkapazitäten zur Verfügung“, teilt Christoph Gasser-Mair, ÖBB-Pressesprecher für Tirol und Vorarlberg auf Anfrage mit.
„Das Potenzial für eine internationale Drehscheibe in Tirol kann nicht belastend bestätigt werden, da Tirol zwar auf einem internationalen Korridor liegt, die Kreuzungspunkte dieses mit anderen internationalen Korridoren allerdings außerhalb Tirols liegen – wie beispielsweise die bereits bestehenden Standorte Verona oder München“, heißt es weiter in der ÖBB-Stellungnahme.
„Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Abstimmungsprozesse zur weiteren bedarfsgerechten Entwicklung laufend durchgeführt werden. Z.B. im Zuge des geplanten Baus des Stammgleises Kundl, mit dem eine wesentliche Voraussetzung geschaffen wird, um im Raum Wörgl künftig zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten – einschließlich möglicher terminalbezogener Funktionen – flexibel weiterentwickeln zu können. Der Rahmenplan 2027-2032 bildet Baumaßnahmen für das Stammgleis Kundl zu Beginn der 30er Jahre ab“, so Gasser-Mair.

