Einen Blick hinter die Kulissen des eigenen Kulturvereines geben – das bot die Stadtbühne Wörgl am 5. Oktober 2026 im Volkshaus Wörgl den rund 20 TeilnehmerInnen des Wörgler Kulturstammtisches. Die Laienbühne feiert heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum, die Proben für die Herbstproduktion „Der Ladinergeist“ aus der Feder von Raphael Bolinger laufen bereits auf Hochtouren und bringen erstmals den Theaternachwuchs gemeinsam mit dem Stamm-Ensemble auf die Bühne. Beim vierteljährlichen Treff der Wörgler Kulturszene gab´s zudem eine Nachbesprechung des Guggi Kultur-Sommers und eine Vorschau auf Veranstaltungen der Wörgler Kulturvereine.
Die Gründungsversammlung der Stadtbühne Wörgl fand am 30. November 1986 statt, wie der umfangreichen Jubiläumsbroschüre samt ausführlicher Chronik zu entnehmen ist. „1987 wurde erstmals gespielt. Bekannt wurde die Stadtbühne vor allem durch Komödien – wir sind nicht aufs Drama ausgelegt“, erklärte Obmann Claus Moser, der gemeinsam mit Jugendkoordinator Markus Egger und Evelyn Entleitner Einblicke ins Vereinsleben gab.
„Bis Corona stellte die Stadtbühne jährlich zwei Produktionen auf die Beine. Während der Pandemie war es eine Hauptproduktion – dabei sind wir geblieben“, so Egger. Womit Kapazitäten für die Jugendarbeit frei wurden: „2023 starteten wir mit der ersten Märchenproduktion.“ Mit großem Erfolg, die Aufführungen im Volkshaus sowie für die Schulen im Komma waren alle ausgebucht. „Zum Jubiläum heuer stehen fünf NachwuchsspielerInnen im Alter von 10-16 Jahren mit vier Erwachsenen auf der Bühne. Gespielt wird unter der Regie von Gerhard Müller nach der Premiere am 6. November bis 22. November.“ Wer von der 14-köpfigen Nachwuchsgruppe nicht auf der Bühne steht, hilft „backstage“ hinter der Bühne. Workshops, der Besuch anderer Bühnen mit monatlichen Treffen unterstützen den Zusammenhalt. Zu den Aktivitäten der Stadtbühne zählt weiters die Teilnahme am Christkindlmarkt. 2025 wurde in neue Licht- und Tontechnik investiert.
Wörgls Theaterszene auf Herbergsuche
Theaterspielen hat in Wörgl lange Tradition – zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Vorläufer der Stadtbühne war in den 1980er Jahren die „Wörgler Volksbühne“ (1981-1986), die u.a. 1983 Felix Mitterers Stück Nullbock in der Galerie Perlinger aufführte. Neben der 1986 gegründeten Stadtbühne Wörgl wurde im April 1988 die Gaststubenbühne Wörgl als Verein ins Leben gerufen, die ebenfalls erstmals 1987 mit Sigi Zimmerschieds „Für Frieden und Freiheit“ bereits vor Vereinsgründung eine Produktion auf die Bühne brachte – damals im Gasthof Aufinger.
Beide Bühnen nützten wechselnde Spielorte, darunter Gasthöfe und kurzzeitig das Veranstaltungszentrum Komma, bis die Stadtbühne vor 25 Jahren im Volkshaus Wörgl und die Gaststubenbühne 2006 im Astnersaal ihr Zuhause fand. Nach dessen Abriss kommt die Gaststubenbühne nun vorläufig im Evangelischen Gemeindezentrum in der Bruder Willram-Straße unter, das mit großer Raumhöhe gute Bedingungen für den Theaterverein bietet. Dieser übersiedelte diesen Sommer samt Ausstattung zum neuen Spielort. „Am 27. Februar 2027 gibt es dort die Premiere von Agatha Christies Mausefalle, die wir bis April elf Mal spielen werden“, teilte Gaststubenbühnen-Obmann Stuart Kugler mit. Das dort bestehende Parkplatz-Problem will man mit Anmietung der Parkflächen beim leerstehenden ehemaligen Penny-Markt an der Innsbrucker Straße lösen.
Zuletzt als Corona-Impfzentrum genützt, steht das ehemalige Supermarkt-Gebäude seit Jahren leer und geriet auf der Herbergsuche der Gaststubenbühne ins Visier der Theatermacher: „Das Haus wäre optimal – leider ist es bei einer monatlichen Pacht in der Höhe von 8.000 Euro zu teuer für einen Verein“, stellte Kugler fest.
Die Stadtbühne ist zwar glücklich, mit der Einmietung beim Verein Volkshaus eine sichere Spielstätte zu haben – allerdings bietet der Gasthaussaal nicht optimale Bedingungen: Raumhöhe und Akustik sind nicht auf Theaterbetrieb ausgelegt. Da der Saal vom Wirt auch anderweitig genutzt wird, stehen auch nicht immer alle gewünschten Spieltage zur Verfügung.
Auf Raumsuche war immer wieder auch Wörgls dritter Theaterverein, das Theater unterLand, das mit den letzten Produktionen im Theatron Wörgl zu Gast war – und seit neun Jahren beim Theater auf der Alm in der Kelchsau mitwirkt. 2027 gibt´s davon übrigens die 10. Auflage, wobei es ratsam ist, sich schnell Karten für den Almtheatertag am 2. Samstag im August zu sichern. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes sind die Karten bereits Wochen vorher ausverkauft. Da das Theatron auch anderweitig genutzt wird, muss die Bühne mobil sein, immer wieder auf- und abgebaut werden. Dem Theaterverein fehlt auch Platz zum Proben.
Die Idee, gemeinsam einen Theaterstandort zu nützen, kommt seit längerem bei allen drei Theatervereinen gut an. Zudem entstanden in Wörgl mit dem Verein Wörgler Lichtspiele, der seit über 10 Jahren das Tiroler Kurzfilmfestival ausrichtet, und dem Kabarettisten-Duo Peschta & Heiss weitere Initiativen, die unter dem Dach eines gemeinsam genutzten Theaters Platz finden könnten. Stuart Kugler unterbreitete dafür auch schon Vorschläge – bislang mangels Finanzierung aber ohne Umsetzungschance. Der Wunsch besteht allerdings weiterhin, das kam auch beim Kulturstammtisch einmal mehr zum Ausdruck.
Guggi Kultur Sommer – ein Rückblick und Anmerkungen
Bei der Nachbesprechung des Wörgler Guggi Kultursommers 2026 lobten die beteiligten Kulturvereine einmütig die „super Organisation“ durch den Verein Guggi Kultur, der die gesamte Festinfrastruktur mit Bühne samt Technik, Ausschankwagen und Sitzgelegenheiten zur Verfügung stellt und mit dem Engagement heimischer Gastro-Betriebe für konstant gute Qualität bei der kulinarischen Verpflegung sorgte. Wermutstropfen bleibt die Abhängigkeit vom Wetter: Bei Schlechtwetter bleibt der Open-Air-Veranstaltung nur die Absage. „Leider gibt es in Wörgl keinen überdachten Festplatz“, stellte Manfred Mohn von der Schützenkompanie Wörgl fest. Die sieben Mittwochabende, ausgerichtet von den Kulturvereinen Komma Kultur, Stadtbühne Wörgl, Gaststubenbühne Wörgl & Verein Wörgler Lichtspiele, Stadtmusikkapelle, Sepp Innerkofler Standschützenkompanie, Kulturzone und Guggi Kultur Wörgl, wurden vom Publikum sehr gut angenommen, um in gemütlicher Athmosphäre den Feierabend zu genießen.
Für die Neuauflage 2027 stellte Kulturreferent Sebastian Feiersinger geplante Neuerungen vor: Einerseits will man durchs Auftreiben von Sponsorgeld fürs Bühnenprogramm (samt AKM-Gebühr) hier die Qualität anheben, andererseits gibt´s den Vorschlag, dass sich vermehrt Vereine zusammentun, um sich zu präsentieren. Was den Anspruch an die Veranstaltungsreihe angeht, stellte Wörgls Kulturkoordinator Andy Winderl fest: „Die Teilnahme kann für die Kulturvereine keine Cashcow sein. Hier geht es vielmehr darum, den Verein vorzustellen.“ Und damit auch Mitglieder zu gewinnen und das eigene Angebot bekannt zu machen. Wobei Mohn für die Schützenkompanie feststellte, dass der Verein angesichts der Ausstattungskosten (3.000 Euro für eine Tracht, 300 Euro für einen Hut) auch Interesse an ausreichend Einnahmen habe: „Mit dem Gewinn können wir grade mal zwei Hüte kaufen.“
Einen Einwand gegen die Bezeichnung der gut angenommenen Veranstaltungsreihe brachte Dr. Günther Moschig vor: „Der Kultur-Sommer war wie früher die Sommernächte – das war kein Kulturfest.“ Wobei er mangelnde Qualität bei Karaoke-Darbietungen ankreidete und lieber „Anspruchsvolleres“ sehen würde – auch im Hinblick auf die Außenwirkung. „Die Umsetzung kommt von den Kulturvereinen“, rechtfertigte Feiersinger die Bezeichnung und verwies auf „eine laufende Weiterentwicklung des Guggi Kultur Sommers“.
Als Aufwertung betrachtete Josef Egenbauer von der Straßenmusik Banda die Teilnahme von Kinigadners Galerie Unikat Art & Wine Club, die bei den Sommernächten aufsperrte, und schlug vor, etwa in Kooperation mit dem Stadtarchiv alte Bilder von Wörgl zu zeigen.
Was Wörgls Kulturvereine bewegt
Bei der freien Aussprache nach der Veranstaltungs-Vorschau kamen zwei „Dauerbrenner“ erneut zur Sprache: Claus Moser urgierte hinsichtlich fehlender Plakatflächen in Wörgl und Stuart Kugler brachte einmal mehr den Wunsch vor, dass sich das Stadtmarketing beim Kulturstammtisch vorstellen solle, um u.a. über Unterstützungsmöglichkeiten der Kulturszene zu diskutieren.
Während Kulturkoordinator Andy Winderl angesichts zielsicherer Werbung auf social media-Kanälen keinen Bedarf mehr fürs Plakatieren sieht, um Veranstaltungen zu bewerben, ist man bei der Stadtbühne anderer Meinung: „Seit die Plakatständer weg sind, haben wir einen spürbaren Umsatzeinbruch – trotz Werbung im Internet und in Regionalmedien“, stellte Claus Moser fest. „Unsere Zielgruppe ist vorwiegend älteres Publikum“, pflichtete dem Evelyn Entleitner bei, die den „Wiedererkennungswert der Plakate“ schätzt, die im Stadtraum daran erinnern, „sich Karten zu besorgen.“ Günther Moschig plädierte ebenso für eine Lösung wie Stuart Kugler – es sollte doch möglich sein, im Stadtgebiet an gut frequentierten Stellen 5 bis 6 Plakatiermöglichkeiten zu schaffen, etwa in Form von Litfass-Säulen.
Vereinbart wurde noch der nächste Kulturstammtisch-Termin am 25. Jänner 2027 ab 19 Uhr – der Ort wird noch zeitgerecht mitgeteilt.
Veranstaltungsvorschau der Wörgler Kulturvereine
Der Verein rbms Magazin für Kunst und Kultur präsentiert am 17. Dezember 2026 ab 18:30 Uhr in der Zone KulturLebenWörgl die 17. Auflage der Zeitschrift – samt Auftritt der Anklöpfler und Gemälde-Tombola.
Seit 40 Jahren besteht der Verein CPU – Computerpool Unterland, der seinen „Makerspace“ in der Fritz Atzl-Straße eingerichtet hat und laufend Workshops z.B. zu Themen wie Löten oder Home Assistence durchführt. Interessierte können Mittwoch abends zu den offenen Treffen hinkommen, bei denen Technik-Know-How vermittelt wird.
Die Bundesmusikkapelle Bruckhäusl lädt am Sonntag, 18. Oktober 2026 ab 19 Uhr (Einlass 18:30 Uhr) zum Herbstkonzert in der Bruckhäusler Holzmeister-Kirche und am 20. November 2026 zum Abend der Jugend: um 18:30 Uhr Cäcilienmesse in der Pfarrkirche Bruckhäusl, 19:30 Uhr Konzert im Turnsaal der Volksschule Bruckhäusl mit der Bläserklasse und der JUMU 2000. Zudem gibt die BMK Bruckhäusl am 13. Dezember 2026 ein kammermusikalisches Weihnachtskonzert. Eintritt jeweils freiwillige Spenden.
Das Kabarett-Duo Peschta & Heiss tritt am 6. November 2026 im Kultureck Wildschönau mit dem Programm Superväter auf, moderiert im Advent in Wattens und am 7.12. das Jahreskonzert der Stadtmusikkapelle Wörgl. Für den satirischen Jahresrückblick „Lost in Wörgl 12“ sind vier Termine ab Ende Jänner 2027 geplant.
Die Kulturzone Wörgl führt ihr laufendes Programm fort und lädt weiters am 16.10.2026 zu einem Volksmusikabend ab 20 Uhr mit der Höttinger Tanzmusik, den Tiroler Tanzgeigern und dem Harfinisten Walter Schuh.
Das Museum Wörgl lädt heuer noch zwei Mal zum Museumshoagascht im Komma Wörgl: Am 4. November mit Gerhard Berger und am 1. Dezember zum 75-Jahr-Jubiläum der Stadt Wörgl. Teilnahme mit Anmeldung, Beginn 19 Uhr, Eintritt freiwillige Spenden. Vor Weihnachten wird erneut das Christkindlpostamt im Museum in der Brixentaler Straße 1 eingerichtet.
Die Schützenkompanie rückt wieder bei traditionellen Anlässen wie Allerheiligen und Seelensonntag aus und beteiligt sich an allen Adventwochenenden am Wörgler Christkindlmarkt mit eigenem Standl und Kulinarik.
Der Kulturverein SPUR lädt am Freitag, 9. Oktober ab 20 Uhr in der Zone Kultur.Leben.Wörgl zum Konzert mit Phil Shoenfelt & Southern Cross. 2027 sind Konzerte mit Son of the Velvet Rat und Garish geplant.
Der Verein Polylog präsentiert derzeit in der Galerie am Stadtplatz noch bis 10. Oktober 2026 die Ausstellung „Le geste muet“ von Franz Mölk und kuratiert die nächste Ausstellung von 6.11.-12.12.2026 mit Arbeiten von Linda Bilda unter dem Titel „POPPOPOE“. Weitere Info: https://verein-polylog.at/ Weiters beteilgt sich der Verein Polylog an den Innsbrucker Premierentagen mit einem „Artist Walk“ am Sonntag, 8. November mit Linda Bilda „The Revolution of Everyday Life“ in der Galerie am Stadtplatz mit Beginn um 10 Uhr. 2027 wird das 15-jährige Bestandsjubiläum der Galerie mit Ausstellungen von Patrick Scherer und Sigi Hofer gefeiert, geplant ist auch die Herausgabe eines Buches.
Der Verein ARTirol lädt von 6.-8.11.2026 zum 4. Mal zur Wörgler Kunstmesse in der Messehalle Transgourmet an der Innsbrucker Straße 96 – diesmal mit 49 KünstlerInnen in 45 Kojen. Freitags von 14-21 Uhr, samstags von 10-18 Uhr und sonntags von 10-17 Uhr bei freiem Eintritt.
Die Stadtmusikkapelle Wörgl lädt am 7. Dezember 2027 zum Jahreskonzert im Komma Wörgl.
Das Kammerorchester Wörgl probt bereits fürs nächste Neujahrskonzert – Termin: 10. Jänner 2027, Beginn 11:15 Uhr in der Aula des Bundesschulzentrums.
Der Verein Wörgler Lichtspiele, unterstützt von der Gaststubenbühne Wörgl, richtet am 30. Jänner 2027 im Cineplexx Wörgl das 12. Tiroler Kurzfilmfestival aus.
Das Komma Wörgl feiert heuer sein 30jähriges Bestehen mit einem „Open House“ am 17. Oktober ab 15 Uhr – auf dem Programm stehen Kindertheater, ein Workshop zur Gestaltung von Acrylglas-Anhängern, ab 18 Uhr Sektempfang und Buffet, abends Konzert-Auftritte von „The Smash“ ab 19:30 Uhr, Oyce ab 21:30 Uhr und DJ Ricci ab 23:30 Uhr. Weitere Infos zum Komma-Veranstaltungsprogramm auf www.komma.at
Der Wörgler Faschingsverein feiert den Faschingsbeginn am 11.11. um 11:11 Uhr und lädt am 4. Februar 2027 wieder zur Faschingsparty im Komma Wörgl.
Der Verein Bruckhäusl aktiv lädt am Freitag, 13. November 2026 ab 19 Uhr zum Dorfabend mit Filmvorführung im Kellerhaus Oberluech in Bruckhäusl, Kirchbichl (Römerweg).
Das Unterguggenberger Institut weist auf die laufende Geldausstellung im Foyer der Innsbrucker Nationalbank „Geldgeschichten“ hin, in der auch das Wörgler Freigeld präsentiert wird. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten bis Herbst 2027 zu sehen. Zudem lädt das Unterguggenberger Institut zu den monatlichen Cryptostammtisch-Treffen im Gasthof Lamm, das nächste Mal am 28. Oktober 2026 ab 20 Uhr.
Christkindlmarkt 2026
Der Christkindlmarkt im Seniorenheim-Park findet wieder an allen vier Adventwochenenden mit Öffnungszeiten am Freitag, Samstag und Sonntag von 15-21 Uhr statt, die Anmeldefrist läuft noch. Heuer soll es mehr Kinderprogramm geben, geplant ist auch die Aufstellung einer neuen Freikrippe durch den Wörgler Krippenverein, der im Tagungshaus Wörgl ab 20. November zur dreitägigen Krippenausstellung einlädt.
Der Verein SCW Wörgl kündigt bereits für 2027 die Fortsetzung von Veranstaltungsformaten an: Wörgler Markt am 23.4. von 9-16 Uhr BeZo Bahnhofstraße, Nightshopping am 7.5. von 12-21 Uhr, 6.6. Brezensuppenfest von 10-16 Uhr und Wörgler Markt am 20.8. von 9-16 Uhr, alles in der Bahnhofstraße.
Die Academia Vocalis findet von 10. Juli bis 30. August 2027 zum 39. Mal statt, Kurs- und Konzerttermine werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Infos: www.academia-vocalis.com




