Der Wörgler Gemeinderat befasste sich am 18. Februar 2026 mit der Neuerlassung der Kurzparkzonenverordnung und lehnte mehrheitlich eine von den Wörgler Grünen beantragte Überarbeitung der Wörgler Rad-Abstellverordnung ab. Eingebracht wurden u.a. Anträge betreffend Erinnerungskultur an das Durchgangslager Wörgl sowie zur Vermarktung der Flächen in Bushaltestellen-Häuschen.
Anlass für die Neuerlassung der Kurzparkzonenverordnung war der Wegfall von Kurzparkzonen-Plätzen durch den Kreisverkehr-Neubau 2025 an der Kreuzung Bahnhof Straße/KR Pichler Straße. Als Neuerung wurde zudem der Wegfall von 12 Kurzparkzonenplätzen in der Tiefgarage Gradl – Brixentaler Straße 3a angeführt.
Im Dezember 2024 brachten die Wörgler Grünen den Antrag ein, die Wörgler Radabstellverordnung aus dem Jahr 2014 zu überarbeiten und mehr Flächen für Radabstellplätze vorzusehen. Demzufolge soll die Stellplatzzahl um 20 % erhöht und für Fahrräder mit Anhänger, fixen Kindersitzen oder Transporträdern breitere Stellflächen vorgesehen werden. Die derzeitige Mindestgröße von 80 cm x 2 Meter sollte in der Breite um mindestens 30 cm erweitert werden. Zudem solle der Anteil überdachter Abstellplätze von 50 auf 75 % gesteigert werden. Begründet wurde der Antrag mit geändertem Mobilitätsverhalten.
Der Antrag landete im Bau- und Raumordnungsausschuss und damit am Tisch von Bürgermeister Michael Riedhart, der empfahl, den Antrag abzulehnen. Mit der Begründung, dass sein Ausschuss „die Arbeitsübertragung“ ablehne – die Antragsteller sollten selbst das Konzept ausarbeiten – es sei ein Nachhaltigkeitsthema. Zudem empfinde er „80 cm mal 2 Meter als überbordend“ und sprach sich „eher für eine Reduzierung der Radabstellflächen“ aus, da bei vielen Wohnanlagen die Radabstellplätze leer seien. Verkehrsreferent Hubert Aufschnaiter kritisierte die Antragsformulierung wie auch das Ansinnen selbst: „Wenn man zusätzliche Fahrradabstellplätze ausweist, würde das immens die Wohnungspreise steigern.“ Eine Neuüberarbeitung der Rad-Abstellverordnung wurde mehrheitlich von 14 MandatarInnen abgelehnt.
Die Wörgler Grünen stellten am 18.2.2026 den Antrag zur Vermarktung der Flächen auf städtischen Bushaltestellen, um Einnahmen für die Stadtkasse zu lukrieren. Unerwünschte Inhalte könnten so auch ausgeschlossen werden.
Sozialstadträtin Elisabeth Werlberger informierte über den Einsatz kolumbianischer Pflegekräfte im Wörgler Seniorenheim. Vier seien als Pflegefachassistentinnen beschäftigt, legen Ende März die Diplomprüfung ab und nehmen an Sprachkursen teil. Die Integration verlaufe sehr positiv und man erwarte weitere vier Mitarbeiterinnen aus Kolumbien. GR Gabi Madersbacher fragte an, wieviele Personen derzeit im Seniorenheim untergebracht sind. Nach einigen Sterbefällen in jüngster Zeit sind es derzeit 99 Personen, wie GR Astrid Rieser als Seniorenheim-Mitarbeiterin mitteilen konnte. „Unser Ziel ist eine höhere Bettenbelegung“, erklärte Werlberger und kündigte eine ausführlichere Berichterstattung für den nächsten Gemeinderat an.
Vizebgm. Roland Ponholzer stellte eine Anfrage zum Bezug von Sitzungsgeldern, die an Aufsichtsräte städtischer Unternehmen bezahlt werden. Seit Jahren würden hier Entschädigungen kassiert, über deren Höhe der Gemeinderat zu entscheiden hätte – dieser sei damit aber nicht beschäftigt worden.
GR Dr. Herbert Pertl vertrat den Standpunkt, dass die bei Auskünften über die Aufsichtsrat-Gagen die Personen bei Veröffentlichung der Zahlen um ihr Einverständnis zu fragen seien. Bezüge und Aufwandsentschädigungen seien keine politischen Entgelte und seien deshalb grundsätzlich nicht Thema im öffentlichen Sitzungsteil, sondern unter „Vertrauliches“. „Zur Verschwiegenheit ist festzustellen, dass sich die Höhe dieser Aufwendungen aus dem öffentlich einsehbaren Firmenbuch entnehmen lassen. Der Vorsitzende erhält jährlich 12.000 Euro, alle anderen 6.000 Euro“, erklärte daraufhin Ponholzer mit Hinweis auf die Landesgesetzgebung.
Anfragen zur Kletterhalle
Sowohl Vizebgm. Roland Ponholzer als auch GR Iris Kahn stellten Anfragen betreffend die Zukunft der Wörgler Kletterhalle, über die ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Für „große Irritation“ habe das Video von Bürgermeister Michael Riedhart vom 11.2.2026 gesorgt, in dem die Weiterführung versprochen wurde. „Gibt es eine Beteiligung der Stadt und Gespräche mit dem Alpenverein?“ wollte Kahn wissen. „Ich habe mit dem Eigentümer gesprochen. Die Kletterhalle bleibt erhalten“, erklärte Riedhart. Wenn nach Schließung durch den Masseverwalter kein neuer Betreiber gefunden wird, würde „der Eigentümer die Kletterhalle selbst betreiben. Der Fortbestand ist gesichert – die Form ist noch nicht klar“, so Riedhart. Begrüßt wurde Riedharts Initiative von GR Andreas Widschwentner sowie von GR Andreas Deutsch, „obwohl die Gemeinde da nicht zuständig ist“, so Deutsch.
Sicherheit & Videoüberwachung
Die Wörgler Grünen thematisierten Riedharts neuerlichen Vorstoß fürs Aufstellen von Überwachungskameras im öffentlichen Raum, was bisher von den Behörden nicht gestattet wurde. Wenn es in der Stadt so gefährlich sei, solle „ein runder Tisch zur Sicherheit“ einberufen werden: „Nur Überwachung ist zu wenig. Da gehören Streetworker, Jugendarbeit und der Verein komm!unity dazu“, so Kahn. Riedhart erklärte, dass „die Kameraüberwachung der Bevölkerung sehr wichtig ist, besonders im Bahnhofsbereich.“ Er versuche das so lange, bis dieses Ziel erreicht sei. Im April finde nun ein Lokalaugenschein unter Mitwirkung der Bundes- und Landespolizei statt. „Alle Ideen für mehr Sicherheit sind willkommen“, lud Bgm. Riedhart die Grünen ein, diese in schriftlicher Form bei ihm einzubringen.
Die Wergel AG im Visier
Eine weitere Anfrage der Grünen betraf die Finanzielles rund um die Wergel AG: „Die Wergel AG Wurde am 27.5.2021 mit der Begründung von Steuereinsparungen beschlossen. In welcher Höhe wurden bisher Steuern vermieden? Laut Beschluss wurde die Wergel AG verpflichtet, den Zuschuss von 900.000 Euro aus den Stadtfinanzen fürs Stammkapital binnen 10 Jahren zurückzuführen. Wieviel wurde bisher zurückgezahlt? In welcher Höhe sind bisher Kosten für die Wergel AG angefallen? Etwa für Personal, Management, externe Beratungen etc.“
„Ich bin kein Komplexitäts-Steuerdompteur“, antwortete Bgm. Riedhart. Steuerliche Vorteile würden sich aus der Gruppenbesteuerung ergeben. Was die Dividendenausschüttung angeht, seit bei der letzten Hauptversammlung der AG angeregt worden, dazu ein Konzept auszuarbeiten.
Noch kein öffentlicher Grillplatz gefunden
Nach dem Grill-Verbot beim Aubachl, das am 25.6.2025 im Gemeinderat beschlossen wurde, erkundigte sich GR Iris Kahn nach der versprochenen Alternative. „Ein Ersatzplatz wurde noch nicht gefunden. Das ist komplizierter als wir uns das vorgestellt haben“, erklärte Vizebgm. Kayahan Kaya. Der Ausschuss werde sich in der nächsten Sitzung damit befassen.
Nochmal Wave-Gutachten
„Die Gemeindeaufsichtsbehörde hat uns empfohlen, das 2022 erstellte Gutachten zum Wert des Wave im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatsitzung zu behandeln“, begründete GR Iris Kahn einen neuerlichen Antrag zur Einsichtnahme in dieses Gutachten. Aufgrund der weitreichenden Entscheidungen seien diese Informationen für den Gemeinderat nötig.
Ein Gedenkstätte fürs Zwangsarbeiter-Durchgangslager
LA STR Christian Kovacevic brachte am 18.2.2026 den selbständigen Antrag im Gemeinderat zur Prüfung von Möglichkeiten zur Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte bzw. eines Denkmals in Erinnerung an das ehemalige Zwangsarbeiter-Durchgangslager im Wörgler Ortsteil Söcking ein, das von 1942-1944 in Betrieb war. Das Lager war Zwischenstation für fast 32.000 Personen, die von hier aus zu Arbeitseinsätzen in Westösterreich und Bayern geschleust wurden. Der Kulturausschuss solle die Möglichkeiten zur Installierung einer Gedenkstätte prüfen und ausarbeiten.
Positive Bilanz vom Sportreferenten
Lob und Dank sprach Sportreferent STR Thomas Embacher für sportliche Leistungen aus: „Alexander Farthofer vom SC Lattella zählt zu den Olympia-Teilnehmern“. Embacher dankte dem Tennisclub Wörgl für das Betreiben des Eislaufplatzes beim Badl, der aufgrund der steigenden Temperaturen nach 66 Eislauftagen am 14.2.2026 eingestellt werden musste, sowie dem Zone-Team für den Kunsteislaufplatz, der noch geöffnet hat. Die Loipe sei angelegt und der Skibus sehr gut angenommen worden, so Embacher.

Wörgls Kurzparkzonen befinden sich in den auf diesem Stadtplan markierten Straßenzügen.
