Aus dem Wörgler Gemeinderat

Ein Geschäfts-, Büro- und Wohngebäude anstatt eines neuen Stadtamtes auf dem von der Gemeinde angekauften Areal im Projekt Wörgl Mitte – dazu stellte der Gemeinderat am 2. September 2026 mehrheitlich die Weichen mit einer Flächenumwidmung zu Kerngebiet. Nach ausführlicher Diskussion endete die Abstimmung mit 18 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen.

Nach dem Abriss der Gebäude gegenüber der Kirche laufen die Bauarbeiten bereits auf Hochtouren. Auf einer gemeinsamen Tiefgarage entstehen mehrere Neubauten. „Im Bereich des gegenständlichen Baufeldes hat sich die konzipierte Errichtung eines Stadtamtsgebäudes aus wirtschaftlichen Gründen als nicht umsetzbar erwiesen“, heißt es im neuerlichen Umwidmungsantrag zur Ausweisung der Sonderflächen Stadtamt als Kerngebiet: Nun soll der aus einem Architekturwettbewerb resultierende Neubau ein Geschäfts-, Büro- und Wohngebäude werden – drei Etagen für Gewerbenutzung, fünf Etagen für Wohnungen.

WfW-GR Patricia Kofler kritisierte fehlende Infos zum Projekt, das nun offenbar unter dem Namen Nexus firmiere, und eine Offenlegung aller projektbezogenen Daten: „Wer ist wirtschaftlicher Träger? Welche Rolle spielt die Wergel AG? Wer ist mit der Projektentwicklung beauftragt worden? Welche Kosten sind seit 2024 entstanden und wer zahlt diese? Welche Arbeiten werden derzeit durchgeführt und wer zahlt diese? Wer ist Vermieter? Werden die Wohnungen verkauft?“

„Diese Fragen sind dem Bauwerber zu stellen. Wir werden nie ein Bürgerhaus bauen. Die Widmung ist vor dem Kauf passiert. Heute geht es darum, die Flächenwidmung zu ändern. Alle Fragen zum Projekt kommen später“, erklärte Bgm. Michael Riedhart. GR Gabi Madersbacher argumentierte gleich: „Diese Fragen können heute nicht beantwortet werden. Wir brauchen für die Projektentwicklung eine andere Widmung als Amtsgebäude. Es gibt kein Projekt der Stadt.“

„Es gibt ein lärmtechnisches Gutachten der Firma Fiby ZT zum Wörgler Projekt Nexus betreffend dieses Gebäude“, warf GR Patricia Kofler ein, die Bgm. Riedhart um Beantwortung der Fragen ersuchte. Bei Riedharts Antwort, nicht er, sondern der ehemalige Stadtamtsleiter sei Fan des Amtshaus-Neubaus gewesen, war das Publikum hörbar anderer Meinung, worauf Bgm. Riedhart ankündigte: „Wenn nochmal jemand vom Publikum rausschreit, wird die Sitzung unterbrochen“, die betreffende Person werde des Saales verwiesen.

GR Ing. Emil Dander warf der Fragestellerin vor, KI und ChatGPT für die Ausarbeitung der Fragen verwendet zu haben, da diese nichts mit der Flächenwidmung zu tun hätten. Er habe bei der letzten Sitzungsvorbereitung das auch ausprobiert. Kofler wies die Anschuldigung „aufs Schärfste zurück“ und forderte Dander auf, die Unterstellung zurück zu nehmen: „Alle Fragen haben einen Kausalzusammenhang.“

„Es gibt Unterlagen mit Grundrissen – wir haben berechtigte Fragen“, unterstützte GR Iris Kahn die Forderung nach Informationen. Nach Durchsicht der Unterlagen habe sie sich die gleichen Fragen wie GR Kofler gestellt – „ohne KI“. Kahn kritisierte zudem, dass Unterlagen zu kurzfristig zur Verfügung gestellt würden: „Es wäre gut, zur Beurteilung die Infos früher zu erhalten. Das Projekt Nexus interessiert uns alle. Wir entscheiden über das Geld der Bürgereinnen.“

Bgm. Riedhart meinte dazu: „Heute geht es nur um die Flächenwidmung, nicht um das Projekt Nexus“, wobei es die Flächenwidmungsplanänderung unbedingt brauche: „Sie ist eine Aufwertung, sonst kann man mit dem Grundstück nichts anfangen.“ Bei der Beschlussfassung stimmten 18 Mandatare für die Rückwidmung zu Kerngebiet, drei enthielten sich der Stimme.

Allfälliges, Anfragen & Anträge

Bürgermeister Riedhart informierte, dass beim Verkauf der stadteigenen Anteile des ehemaligen Vereinshauses in der Fritz Atzl-Straße an die Immowest „null Euro zu zahlen sind. Der gesamte Verkaufserlös bleibt der Stadt.“

WfW-GR Patricia Kofler erkundigte sich nach der seit Mitte 2025 offenen Anfrage betreffend die Aufsichtsratvergütungen der Stadteigenen Betriebe: „Wo liegt das? Noch beim Land?“ Bgm. Riedhart teilte mit, dass das Feedback vom Land nun vorliege und der Gemeinderat einmalig dazu einen Beschluss fassen müsse: „Diesen Formalbeschluss wird es noch geben.“

E-Scooter überprüfen

Für die Liste Wir für Wörgl beantragen GR Patricia Kofler und Ersatzgemeinderat Horst Moser die technische Kontrolle von E-Scootern durch die Stadtpolizei: „Es soll geprüft werden, ob die Stadtpolizei berechtigt ist, bei E-Scootern Kontrollen der erreichbaren Geschwindigkeit mittels eines dafür geeigneten und den gesetzlichen bzw. behördlichen Anforderungen entsprechenden mobilen Rollenprüfstandes durchzuführen.“ Kofler begründete den Antrag mit der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer: „Diese Geräte fahren mehr als 50 km/h.“ Bgm. Riedhart wies den ausführlichen schriftlichen Antrag dem Sicherhaeitsausschuss zu und teilte mit, dass die Stadtpolizei bereits Kontrollen durchführe und abstrafe. GR Novela Steinlechner berichtete, dass „sich viele Jugendliche der Polizeikontrolle durch Flucht entziehen und dabei auch andere gefährden.“ Vizebgm. Kayahan Kaya wies auf eine laufende Aufklärungskampagne hinsichtlich der E-Scooter-Gefahren hin, mit der man möglichst viele Jugendliche ansprechen wolle.

Kindergarten Mitterhoferweg: längere Öffnungszeiten

Vizebgm. Familienreferent Kayahan Kaya informierte über längere Öffnungszeiten des städtischen Kindergartens am Mitterhoferweg: „Kinder können von 6:30 bis 17:30 Uhr betreut werden, was vor allem Berufstätigen hilft. Wenn das Modell ein Erfolg ist, erweitern wir die längeren Öffnungszeiten auch auf andere Kindergärten.“

Abstimmung im Wörgler Gemeinderat zur Flächenumwidmung fürs gemeindeeigene Areal im Projekt Wörgl-Mitte. Foto: Spielbichler