Im Herbst startet in Wörgl ein besonderes Gemeinschaftsprojekt, das den Friedhof als Ort der Begegnung und des Miteinanders neu denkt – respektvoll, behutsam und im Einklang mit seiner ursprünglichen Bedeutung. Der neue Ort der Begegnung mit eigenem Bankerl im alten Friedhof wird am 2. Oktober 2026 um 14 Uhr feierlich eröffnet. Sozialausschuss-Obfrau GR Elisabeth Werlberger und Pfarrprovisor stellen das Projekt vor und Wörgls Büchereileiterin Manuela Atzl trägt mit einer Lesung zur Eröffnungsfeier bei, zu der die Bevölkerung herzlich eingeladen ist.
„Die Idee zum Projekt Begegnungsort Friedhof entstand im Rahmen des Sozialplattformtreffens des soi HUB Kitzbüheler Alpen, bei dem Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher sozialer Organisationen der Region gemeinsam über Möglichkeiten diskutierten, soziale Teilhabe zu stärken und Menschen noch besser miteinander zu verbinden. Aus den vielen Projektideen erhielt die Begegnungszone am Friedhof die größte Zustimmung der Netzwerkpartner“, teilt das Freiwilligenzentrum Kitzbüheler Alpen mit.
„Diesen Impuls griff die Obfrau des Sozialausschusses der Stadt Wörgl, Elisabeth Werlberger, auf. Gemeinsam mit sozialen Einrichtungen der Region und dem soi HUB Kitzbüheler Alpen wurde die Idee weiterentwickelt und in ein konkretes Projekt überführt. Nach intensiver Abstimmung mit zahlreichen Fachorganisationen wird der Begegnungsort am 2. Oktober feierlich eröffnet“, heißt es in der Aussendung.
Getragen werde das Projekt von einem starken Netzwerk regionaler Partner: „Mit dabei sind unter anderem die Pfarre Wörgl, die Seelsorge, der Hospizverein, die Initiative Sternenkinder, das Tagungshaus der Erzdiözese Salzburg, die Seelsorge, die Katholische Jugend, die Servicestelle Demenz, Kommunity Wörgl, das Freiwilligenzentrum Kitzbüheler Alpen, Schulen der Stadt Wörgl sowie weitere soziale Einrichtungen und engagierte Ehrenamtliche. Jede Organisation bringt ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Ideen ein und gestaltet den Begegnungsort auf ihre eigene Weise mit.“
Friedhöfe waren immer Orte des Lebens
„Was heute oft vergessen wird: Friedhöfe lagen früher mitten im Dorf. Rund um die Kirche waren sie selbstverständlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Hier begegneten sich Menschen, tauschten Neuigkeiten aus, erinnerten sich gemeinsam an Verstorbene und stärkten den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft. Erst als Friedhöfe aus hygienischen Gründen an die Ortsränder verlegt wurden, verschwand auch das Thema Sterben und Trauer zunehmend aus dem öffentlichen Leben. Was räumlich an den Rand rückte, geriet mit der Zeit auch gesellschaftlich an den Rand. Über Tod, Abschied und Trauer wird heute oft geschwiegen – obwohl sie untrennbar zum Leben gehören. Genau hier setzt der Begegnungsort Friedhof an. Nicht, um den Friedhof zu verändern, sondern um seine ursprüngliche Rolle als Ort der Menschlichkeit, des Erinnerns und der Begegnung wieder stärker sichtbar zu machen“, teilt das Freiwilligenzentrum mit.
Gemeinschaft spürbar machen
„Sterben, Abschied und Trauer betreffen früher oder später jeden Menschen. Gerade in solchen Lebensphasen tut es gut zu wissen, dass niemand alleine ist. Der Begegnungsort Friedhof möchte dieses Gefühl bewusst in den öffentlichen Raum tragen: Es gibt Menschen, die zuhören. Es gibt ein Netzwerk, das unterstützt. Und es gibt Gemeinschaft – auch dann, wenn das Leben herausfordernd ist. Alle Angebote entstehen mit großem Respekt vor der besonderen Atmosphäre des Friedhofs. Sie sollen sich harmonisch in den Ort einfügen und Menschen dort erreichen, wo sie gerade sind – ohne Verpflichtung, aber mit einer offenen Einladung. Wer den Friedhof wie bisher als stillen Ort des Gedenkens nutzen möchte, kann dies selbstverständlich weiterhin tun. Gleichzeitig entstehen behutsame Möglichkeiten für jene, die sich Begegnung, Austausch oder einfach einen kleinen Impuls wünschen. Damit entsteht eine Balance zwischen Ruhe und Begegnung – zwischen stillem Erinnern und menschlicher Nähe“, formulieren die Initiatoren die Absicht bei der Projektumsetzung.
Geplant seien unter anderem eine „Trostbank“, die zu regelmäßigen Zeiten von geschulten Ehrenamtlichen besetztwird und Raum für Gespräche bietet, kreative Beiträge und Ausstellungen wie beispielsweise Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen oder Lesungen zum Thema Leben, Erinnerung und Hoffnung. Weiters wird ein Briefkasten aufgestellt, in dem Menschen ihre Wünsche für den Friedhof oder Gedenkbriefe an Verstorbene einwerfen können. Angedacht sind auch gemeinsame Gedenkfeiern und weitere behutsame Angebote, die gemeinsam mit den beteiligten Organisationen entwickelt werden.
Der Begegnungsort Friedhof verstehe sich als Zeichen dafür, dass Gemeinschaft auch in schwierigen Lebenssituationen trägt. Er mache sichtbar, dass in der Region ein starkes Netzwerk aus Ehrenamtlichen, sozialen Organisationen, Kirchen, Vereinen und Organisationen besteht. Der Begegnungsort Friedhof lade dazu ein, diese Gemeinschaft sichtbar und erlebbar zu machen – ruhig, würdevoll und mitten im öffentlichen Leben.
„Vereine, Institutionen und engagierte Menschen sind herzlich eingeladen, sich einzubringen und den Ort der Begegnung mit ihren Angeboten mit zu gestalten. Interessierte können sich jederzeit beim soi HUB Kitzbüheler Alpen unter +436504301151 oder fwz.ka@foerderinfo.eu melden“, heißt es abschließend in der Aussendung.
