Abbruch oder nachträglich bewilligen – vor dieser Entscheidung stand der Wörgler Gemeinderat am 19. Februar 2025 in der Causa Stawa-Ärztehaus in der Wörgler Bahnhofstraße. Der Nordteil des Gebäudes entspricht teilweise nicht den im Bebauungsplan verankerten Festlegungen: „Im Plan steht ein Geschoss, durch das Einziehen einer Decke sind es jetzt zwei“, erklärte Bgm. Michael Riedhart die wesentlichste Abweichung.
Riedhart räumte ein, dass das neue Gebäude selbst „sehr umstritten ist, kein anderes polarisiert mehr. Damals wurde das vom Gemeinderat mit knapper Mehrheit (11:10) beschlossen.“ Er halte grundsätzlich nichts von einer nachträglichen Bereinigung, aber in diesem Fall würde das Gebäude vor einem allfälligen Abriss schöner aussehen.
„Hat Stawa damit einen Raumgewinn?“ wollte LHW-Ersatzgemeinderat Andreas Schmidt wissen, worauf Stadtbaumeisterin Melanie Partoll die Fakten erläuterte. Durch den Einzug der Zwischendecke sei die Höhe gleich geblieben, allerdings ein Geschoß dazu gekommen. „Diese Fläche wird aber nicht genützt, dadurch ergibt sich also kein zusätzlicher Nutzraum“, ergänzte Riedhart. Weitere Abweichungen vom bewilligten Projekt betreffen die Tiefgarageneinfahrt.
„Das Sanktionieren hätte eine fatale Vorbildwirkung“, meldete sich Grün-Ersatz-GR DI Catarina Becherstorfer zu Wort. Man habe das Gefühl, dass „es sich da wieder einer richtet“. Sie wollte zudem wissen, wieso die Abweichung erst jetzt bemerkt wurde. „Das ist im Zuge einer baupolizeilichen Überprüfung aufgefallen“, teilte Riedhart mit.
„Es gibt eine privatrechtliche Vereinbarung mit Stawa, dass im Erdgeschoss ein Gastronomiebetrieb untergebracht wird. Wie ist da die Sachlage und der Stand der Dinge?“ wollte Schmidt wissen, der in der letzten Gemeinderatsperiode unter Bgm. Wechner als zuständiger Referent mit der Abwicklung des Projektes betraut war. „Es waren mehrere Interessenten da, mit drei bis vier wurden Gespräche geführt“, berichtete Riedhart. Er habe den Eindruck, dass sich „Stawa an die Abmachung hält“.
Becherstorfer erkundigte sich nach dem Grund, weshalb das Gebäude seit zwei Jahren leer steht: „Gibt es noch keine Benützungsbewilligung?“ „Das Gebäude ist laut dem Bauherrn Stawa noch nicht fertiggestellt“, so Riedhart. Eine Benützungsbewilligung könne erst nach der Meldung der Baufertigstellung erteilt werden.
„Nein! Jeder kleine Häuslbauer wir her gezwiebelt“, begründete FWL-GR Christopher Lentsch die Haltung der FWL. Bei der Abstimmung waren 14 Mandatare für die nachträgliche Bewilligung und damit Abänderung des Bebauungsplanes. Vier stimmten dagegen und drei enthielten sich der Stimme.
- Polarisiert: der Stawa-Neubau in der Bahnhofstraße. Die Goldelemente an der Fassade wurden vom Gemeinderat mehrheitlich bewilligt.
- Bebauungsplanänderung zur nachträglichen Bewilligung von Projektänderungen beim Stawa-Ärztehaus in der Bahnhofstraße – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
- Abstimmung im Gemeinderat zum Stawa-Bauprojekt.
- Die Benützungsbewilligung für den Stawa-Neubau wurde noch nicht erteilt, da die Baufertigstellungs-Meldung bei der Stadt noch nicht eingetroffen ist.
- Projektänderungen betreffen vor allem den nördlichen Neubau-Teil.
- Fantasievolle Beschriftung – das „Palais Stawa“ in der „Inneren Stadt Bahnhofstraße“….
Bauprojekt am Osl-Areal an der Innsbrucker Straße
Anstelle des ehemaligen Möbelhauses Osl an der Innsbrucker Straße sowie einer angrenzenden Fläche soll ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden. Nach einem Architekturwettbewerb ging in Abstimmung mit der Gemeinde ein Bebauungsvorschlag hervor, zu dessen Realisierung eine Änderung der Flächenwidmung sowie die Erlassung eines neuen Bebauungsplanes notwendig ist.
Die Alpenländische Heimstätte will auf dem abfallenden Gelände ein Projekt mit Gewerbe- und Wohnflächen verwirklichen, wobei die Wohneinheiten aufgrund von Lärmschutzvorgaben nicht direkt an der Innsbrucker Straße situiert werden, wie Stadtbaumeisterin DI Partoll mitteilte. Das Vergaberecht für die 36 Wohneinheiten erhält die Stadt.
„Im Erdgeschoss wäre ein Selbstbedienungsladen mit regionalen Produkten möglich, dafür wird die ehemalige Einkaufszentrums-Sonderwidmung aufgehoben“, erklärte Riedhart. LA STR Christian Kovacevic erkundigte sich nach der ehemals dort eingeplanten Kinderbetreuungseinrichtung. Da sich in der Nähe das Kinderhaus Miteinander befindet, das erweitert wird, habe man davon Abstand genommen. Stattdessen könne „leises Gewerbe wie eine Arztpraxis“ untergebracht werden, wie Riedhart erklärte.
Aufgrund der Hochwasserproblematik im angrenzenden nördlichen Stadtgebiet erkundigte sich GR Walter Altmann danach, wie mit dem Oberflächenwasser verfahren wird. „Es darf nicht in den Mischkanal der Stadt eingeleitet und muss auf eigenem Grund versickert werden“, erklärte Riedhart.
Der Gemeinderat gab für Flächenwidmung und Bebauungsplan einstimmig grünes Licht. Die Verkehrserschließung erfolgt ausgehend von der B171 Tiroler Straße über den Unteren Aubachweg und die Ferdinand-Exl-Straße.
- Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat – Ansicht des Bauprojektes der Alpenländischen Heimstätte am ehemaligen Osl-Areal.
- Die Wohnbaugesellschaft Alpenländische Heimstätte will an der Innsbrucker Straße am ehemaligen Osl-Gelände ein Wohn- und Geschäftshaus errichten.
- Präsentationsfolie aus de Gemeinderat – Ansicht des Bauprojektes am Osl-Gelände.
- Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat – Ansicht des Bauprojektes der Alpenländischen Heimstätte.
Waldkindergarten Neubau in der Hagleitner Straße
Am 19. Februar 2025 befasste sich der Wörgler Gemeinderat neuerlich mit dem Kindergarten-Neubau an der Hagleitner Straße. Ab diesen Herbst reichen die zur Verfügung stehenden Kindergartenplätze in Wörgl nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Grund für die Stadt, möglichst rasch mit dem Kindergarten-Neubau zu beginnen. Die neue Kinderbetreuungseinrichtung soll auf eigenem Grund in mehreren Umsetzungsstufen realisiert werden. Dabei will man einen möglichst großen Teil des dort befindlichen Stadtwaldes erhalten. Die Einbettung des Kindergartens in einen naturnahen Garten sei Bestandteil der Projektidee.
In einer ersten Umsetzungsstufe soll kurzfristig ein zwei Gruppen umfassender Kindergarten in Holzbauweise entstehen. Das Gebäude kann für die Unterbringung von zwei weiteren Gruppen und einer 2 bis 4 Gruppen umfassenden Kinderkrippe aufgestockt werden.
Da der Bauplatz im örtlichen Raumordnungskonzept als Erholungsraum festgelegt ist, musste der Gemeinderat als ersten Schritt eine Änderung für die 5000 Quadratmeter große Fläche beschließen, was mehrheitlich mit 17 Ja- bei zwei Gegenstimmen der Wörgler Grünen erfolgte.
Ebenso mit 17:2 beschloss der Gemeinderat die Flächenwidmungsplanänderung. Grün-GR DI Catarina Becherstorfer erkundigte sich nach dem Ergebnis der am Grundstück sowie gegenüber vorgenommenen Lärmmessungen sowie die Situierung der Mess-Instrumente mitten im Wald. „Die Messungen wurden von einem objektiven Sachverständigen vorgenommen. Es wurde dort gemessen, wo die Kinder dann auch spielen“, erklärte Bgm. Riedhart. Straßenseitig sind die Parkplätze vorgesehen, der Erdwall bleibt bestehen. In der Nähe befindet sich auch eine Citybus-Haltestelle. Becherstorfer wollte zudem wissen, ob eine naturschutzrechtliche Bewilligung vorliege. „Die braucht es nicht“, stellte Bgm. Riedhart dazu fest. Der Bebauungsplan wurde vom Gemeinderat mit 18 Ja- bei einer Gegenstimme und einer Stimmenthaltung (Wörgler Grüne) beschlossen. Ebenso mit 18 Ja-Stimmen wurde auf Empfehlung des Landes Tirol eine Bereinigung des Flächenwidmungsplanes für angrenzende gewerblich genutzte Flächen vorgenommen.
- Fürs Kindergarten-Projekt an der Hagleitner Straße wurden Lärmmessungen vorgenommen – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
- Bebauungsplan Darstellung für den Kindergarten an der Hagleitner Straße – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
- Flächenwidmungsplan-Bereinigung südlich vom Waldkindergarten-Areal – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
- Am Zauberwinklweg soll ein Wohnhaus mit Kinderbetreuungseinrichtung entstehen – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
- Vor dem Neubau wird eine Parkbucht eingerichtet – Präsentationsfolie aus dem Gemeinderat.
Bauprojekt am Zauberwinklweg mit Kinderbetreuungseinrichtung
Angrenzend ans bestehende Kinderhaus Miteinander ist die Errichtung eines Wohnhauses mit Kinderbetreuungseinrichtung in Erdgeschoss geplant. Das Kinderhaus Miteinander wird um eine Gruppe erweitert. Vor dem Neubau wird eine Haltebucht eingerichtet, 115 Quadratmeter Grund für die Verkehrsfläche an die Stadt abgetreten. Der Gemeinderat stimmte mit 19 Ja-Stimmen bei einer Stimmenthaltung sowohl der Flächenwidmungsplanänderung als auch dem Bebauungsplan zu.