Am 26. September 1926 erfolgte die Grundsteinlegung für den Bau der Bürgerschule Wörgl samt damals modernster Turnhalle. Fast auf den Tag genau 100 Jahre später, am 25. September 2026, feierte die Schulgemeinschaft ihr Jubiläum mit einem Festakt samt beeindruckendem Show-Programm in der Sporthalle, bei dem die SchülerInnen begeistert ihre Talente demonstrierten. Nebst Präsentation des neuen Schullogos erfolgte dabei zudem die offizielle Umbenennung auf Sportmittelschule Wörgl.
Schwungvoll startete die Schulfeier vor gefüllter Tribüne und zahlreichen Ehrengästen mit einer mitreißenden Eröffnungseinlage der Cheerleader-Gruppe unter der Leitung von Eike Wurm. „Nach 100 Jahren haben wir heute eine gut funktionierende Schulgemeinschaft, in der Teamgeist, Sachlichkeit und hohe fachliche Kompetenz herrschen“, erklärte Direktor Gottfried Schneider einleitend und gab nach Begrüßung der Ehrengäste – darunter Landesrätin Cornelia Hagele, Pfarrprovisor Christian Hauser, Schulqualitätsmanagerin Daniela Schlechter-Kitzbichler sowie Bgm. Michael Riedhart und Wörgler GemeinderätInnen – einen Einblick in die heute seltsam anmutende Schulordnung von 1927. Wer wäre heute noch mit einer Mindesttemperatur von 12 Grad Celsius in den Klassenzimmern einverstanden?
Zu den sportlichen Schwerpunkten zählt der Ballsport. Dafür wird auch Bewegung und Fitness des ganzen Körpers trainiert. So beeindruckte die 4F-Klasse mit einer rasanten, atemberaubenden Trampolin-Show.
Vier Mädchen der 3s-Klasse mit Lehrerin Alev Harmanci erstellten mit Unterstützung des Wörgler Stadtarchives eine Zeitreise in Wörgls Schulgeschichte bis ins 15. Jahrhundert. Nach Gründung der Wörgler Bürgerschule 2023 machte der enorme Zustrom den Schulneubau erforderlich. In nur 61 Tagen wurde der Rohbau errichtet und das Schuljahr 1927/28 startete bereits im Neubau und der damals größten Sportstätte des Bezirks Kufstein. Geldmangel aufgrund der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre führte dazu, dass der einzigen Hauptschule des Bezirks 1934 die Schließung drohte. Beherzte Eltern stimmten für den Erhalt der Schule, nahmen damals trotz knapper Familienbudgets die Bezahlung von Schulgeld auf sich und sicherten so mit 22 weiteren Gemeinden, die hier ihre Kinder in die Schule schickten und ihren Beitrag verdoppelten, die Fortführung des Unterrichtes. Das starke gesellschaftliche Fundament der Bürgerschule damals trage auch die Sportmittelschule heute – hier wird nicht nur Wissen vermittelt: „Wir finden hier Freunde fürs Leben und lernen Gemeinschaft“, stellten die Schülerinnen fest.
Besonders stolz ist die Sportmittelschule aufs Volleyball-Team, das im vergangenen Jahr die Schülerliga bei der Bundesmeisterschaft gewann. „Wörgl ist auch als Austragungsort wichtig. Im März 2027 finden in der Sporthalle Wörgl die Landesmeisterschaften und im April die Bundesmeisterschaft der Mädchen statt“, informierte Moderator und VS-Dir. Reinhard Angerer vor der tollen Volleyball-Show-Performance, bei der die jungen SportlerInnen mit Ballbeherrschung und Einsatz überzeugten.
Mit Ukulele-Einlage und Sketch der schuleigenen Theater-AG sowie dem Auftritt des Schulchores der zweiten und dritten Klassen unter der Leitung von Klaus Mairhofer zeigten sich die SchülerInnen auch von ihrer musischen Seite. Höhepunkt der Vorführungen war schließlich die spektakuläre Vorstellung der Fußballer unter der Leitung von Sportkoordinator Markus Eberharter, der zuvor sportliche Erfolge der letzten 10 Jahre und seine Gedanken zur Schulphilosophie mitteilte. Mit der Erinnerung an das Finale der Fußball-Bundesmeisterschaft der Schülerliga, bei der die Wörgler den zweiten Platz holten, eröffnete er seine Ansprache an die Schulgemeinschaft. Zur Siegermentalität gehöre, nach Niederlagen nie aufzugeben. Die Sportmittelschule lege zwar die Basis für den Profisport – Erfolg sei aber auch, den Jugendlichen zu vermitteln, dass „Sport cool ist, ein gutes Körpergefühl und Zufriedenheit gibt“.
„Wir erwarten ein respektvolles Miteinander und gegenseitige Unterstützung“, mahnte Eberharter ein und wurde ernst zum Thema Medienkonsum: „Mein Sportlerherz blutet angesichts einer aktuellen Studie, dass Jugendliche auf 7 Stunden Bildschirmzeit täglich kommen“, so Eberharter, der einen Appell an alle richtete: „Startet das Experiment und schaut maximal 2 Stunden auf den Bildschirm, legt das Handy eine Stunde vor dem Schlafengehen weg. Das wirkt Wunder! Haltet euren Körper fit – bewegen ist Leben.“ Damit das wahre Leben nicht auf der Strecke bleibt.
Im Rahmen der Schulfeier erfolgte die offizielle Umbenennung von Mittelschule in Sportmittelschule. „Die Fußballleistungsklasse ist einzigartig in Tirol“, betonte Bürgermeister Michael Riedhart und gratulierte zu den Erfolgen, auch beim Volleyball: „Erstmals den Bundessieg zu holen bei 600 Teams war eine fantastische Leistung!“ Gemeinsam mit Direktor Gottfried Schneider und dem grafischen Schöpfer des neuen Schullogos Werner Neururer enthüllte Bgm. Riedhart das neue Schullogo.
„Gottseidank gehen heute auch Mädels in diese Schule – vor 100 Jahren waren es nur Jungs. Und eine Cheerleader-Vorführung hätte es damals auch nicht gegeben, da hatte der Sport noch nicht diesen Stellenwert“, eröffnete Landesrätin Claudia Hagele ihre Grußworte. Angesichts der Unterrichtsbedingungen damals mit bis zu 80 Kindern in einer Klasse „würden heute dem Qualitätsmanagement die Haare zu Berge stehen!“ Hagele dankte dem Lehrkörper, der das Fundament für eine gute Ausbildung lege. Hagele betonte den hohen Wert der Bildung und verwies darauf, dass „das Land jährlich 1,2 Milliarden Euro für Bildung ausgibt, das sind 20 % des Landesbudgets.“ Bildung sei eine „Investition in die Zukunft“.
Daniela Schlechter-Kitzbichler von der Bildungsdirektion dankte und gratulierte ebenso und strich die herausragenden Eigenschaften des Schulschwerpunktes mit Sport und Bewegung heraus: „Hier wird Fairness, Teamgeist, Ausdauer, Respekt und der Umgang mit Niederlagen und damit fürs Leben gelernt.“ In den Reigen der Gratulanten reihte sich auch Wörgls Pfarrprovisor Christian Hauser ein, der das Haus und alle, die ein und aus gehen, segnete: „Für ein gutes Miteinander, bei dem Nächstenliebe spürbar ist und Frieden wächst.“
Bildnachweis Schulfeier: Veronika Spielbichler




















Heute Unterguggenberger Straße, in den 1930er Jahren noch Jahn-Straße: Der Straßenzug von der Brixentaler Straße zur neuen Bürgerschule wurde nach dem „Turnvater Jahn“ benannt. Rechts im Bild die neu gebaute Bürgerschule. Foto: Stadtarchiv