Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung präsentierte am Montag, 4. Mai 2026 die Stadtgemeinde Wörgl den aktuellen Stand der Schwimmbad-Planung, die bereits beim Land für die Förderung aus dem Bädertopf eingereicht wurde. Wenn alles planmäßig läuft, rechnet man im März 2027 mit dem Baubeginn des 28 Millionen-Projektes, das aus Frei- und Hallenbad sowie Saunalandschaft besteht.
Der Wörgler Gemeinderat bewilligte am 29. April 2026 mehrheitlich (13 Ja-, 8 Nein-Stimmen) die Eingliederung der Schwimmbad GmbH in die Wergel AG, die kalkulierte Projektkostenhöhe, die Betriebsabgangsdeckung sowie die Haftungsübernahme für einen Kredit bei der Sparkasse in Höhe von 1 Million Euro (15 Ja- und 5 Gegenstimmen, 1 Enthaltung) mit einer Laufzeit bis 31.3.2051.
„Das heute vorgestellte Projekt wurde vor rund eineinhalb Wochen bei der Wirtschaftsförderstelle und beim Bäderbeirat des Landes eingereicht, der Ende Mai tagen wird“, eröffnetet Bgm. Michael Riedhart die Pressekonferenz im Stadtamt mit Wörgls Bäderbeirat-Obmann Ersatzgemeinderat Andreas Schmidt, dessen Stellvertreter Gemeinderat Christopher Lentsch und dem Geschäftsführer der Schwimmbad GmbH Stadtbaumeister DI Juri Nindl.
Ausgehend von einer ganzjährigen Schwimmlösung für die Region arbeitete der Wörgler Bäderbeirat ein modulweise aufgebautes Regionalbad aus. „Wobei wir die Region mit einer Erreichbarkeit von 10 bis 15 Minuten definiert haben – sie reicht bis Söll, Westendorf, Kufstein und im Westen bis Brixlegg und Alpbach“, erklärte Riedhart. Aus dieser Festlegung leitet sich die Planung fürs Schulschwimmen ab, das ebenso wie Vereinssport und öffentlicher Badebetrieb indoor stattfinden soll: „Wir wollen die 120 Volksschulklassen vormittags von 8-13 Uhr unterbringen. Nachmittags von 13-17 Uhr können Mittel- und Bundesschulen sowie Vereine das Hallenbad nützen, das ganzjährig täglich von 10-21:30 Uhr offen hat“, so Riedhart. Anhand der Schüleranzahl wird die Verteilung des jährlichen Betriebskostenzuschusses durch die Gemeinden erfolgen. Riedhart: „Der Betriebsbeitrag der Gemeinden fürs Schulschwimmen ist mit 200.000 Euro pro Jahr, Index-wertgesichert für die Dauer von 20 Jahren festgelegt. Die Gemeinden werden im Laufe dieses Monats dazu Beschlüsse fassen.“
Für die Bundesschulen habe das Bundesministerium für Bildung angefragt, derzeit laufe die Erhebung, wieviele Stunden fürs Schulschwimmen dort benötigt werden. „Die Vorgangsweise wird ähnlich wie in Telfs gehandhabt. Dort sicherte sich der Bund Schwimmstunden für 40 Jahre. Diesen Prokopf-Beitrag wird es auch in Wörgl geben“, so Riedhart. Partner bei der Hallennutzung seien weiters Schwimmvereine und neuerdings auch die Wasserrettung, die das Sprungbecken im Freien aufgrund der Wassertiefe als Tauchbecken für die Tauchscheinausbildung nützen will.
Standort Federer-Straße
„Der Standort ist klar – das neue Regionalbad ist an der Federer Straße geplant und besteht aus drei Teilen“, so Riedhart. Auf einer Grundstücksfläche von rund 20.000 Quadratmetern entsteht die Anlage, das Freibad mit Sportbecken (6 x 25 Meter Bahnen), ein Nichtschwimmerbecken mit 340 m2, ein Sprungbecken mit 140 m2 und 5-m-Turm, ein Kinderbecken mit 140 m2, auf 500 m2 Beachvolleyball, Tischtennis und Spielplatz, auf 8.200 m2 Liegewiese und ein Terrassen Kiosk mit 240 m2 für rund 150 Sitzplätze. Die Becken sind vom Parkhaus für 150 Pkw nordwestlich sowie vom Hallenbad- und Saunagebäude südwestlich umrahmt und werden tiefergelegt, womit Lärmschutz für die Anrainer geschaffen werden soll. Das Freibad soll saisonal von 9-19 Uhr täglich offen sein.
Regional-Baustein Hallenbad
Das nach Osten erweiterbare Hallenbad umfasst ein Sportbecken mit 4 x 25 Meter-Bahnen fürs Schulschwimmen sowie ein Nichtschwimmerbecken, das auch fürs Babyschwimmen, für Kindergärten, Senioren und Therapieangebote genützt werden kann. Zum reibungslosen Ablauf fürs Schulschwimmen zählen vier Umkleideräume mit Duschen. Nach dem Schulschwimmen steht das Hallenbad von 17-21:30 Uhr öffentlich zur Verfügung, während der Ferien und am Wochenende ganztags von 10-21:30 Uhr.
Saunalandschaft touristisch interessant
Die Saunalandschaft im Obergeschoss auf einer Fläche von rund 1.300 m2 ist für 150 Personen ausgelegt, umfasst Dampfbad, Aufgusssauna, Außen- und Niedertemperatursauna auf 160 m2, 600 m2 Liegebereich, 350 m2 Lounge und Terrasse sowie Umkleiden und eine Tauchbecken. „Die Sauna ist vor allem ein touristischer Faktor“, so Riedhart, der sich deshalb Unterstützung von Tourismusverbänden erhofft. Die Sauna soll wochentags von 14-21:30 Uhr geöffnet sein, am Wochenende und in den Ferien von 10-21:30 Uhr.
Die Verkehrserschließung erfolgt von der Federer-Straße aus. Es werden eine eigene Busspur, Moped-und Fahrradabstellplätze eingerichtet. Das Parkhaus wird mit einer Pholovoltaik-Anlage ausgestattet, das Bad ans Fernwärmenetz angeschlossen.
„Unser Standtpunkt war immer, erst nach vollständiger Fertigstellung der Planung das Projekt beim Land einzureichen“, erklärte Andreas Schmidt und dankte den beteiligten Fraktionen „für den ausgezeichneten Team-Spirit und die Zusammenarbeit“, auch Stadtwerke-GF Dr. Kandler und Stadtbaumeister DI Juri Nindl. Mit dem Wörgler Bäderbeirat habe man auch Transparenz für den Gemeinderat sichergestellt. Den Vorwurf der Intransparenz lässt Christopher Lentsch nicht gelten: „Das ist nur Ablenkung. Wer dagegen ist, hat nicht zugehört oder will aus taktischen Gründen blockieren.“ Mit der vorgelegten Regionalbad-Planung übernehme „Wörgl Verantwortung als regionales Zentrum. Ein Schwimmbad ist kein Luxusgut, sondern eine Grundversorgung für die Sicherheit von Kindern, das soziale Grundbedürfnisse von Senioren sichert“, so Lentsch, der nochmals auch jene Gemeinderatsfraktionen zur Teilnahme am Bäderbeirat einlädt, die bisher fern blieben.
Baubeginn 2027
Schwimmbad GbmH-Geschäftsführer DI Juri Nindl präsentierte den Zeitplan: „Wenn wir vom Land im Juni oder Juli Bescheid über die Förderung erhalten, steht fest, ob das ganze 28 Millionen Euro Projekt realisiert wird. Im September 2026 soll die Ausschreibung der Gewerke rausgehen, die Vergabe im Jänner 2027 erfolgen. Wenn alles planmäßig läuft, ist Baubeginn im März 2027.“ Wobei mit einer Bauzeit von 18 bis 24 Monaten gerechnet wird. Die archäologischen Ausgrabungen sollen bis Spätherbst 2026 abgeschlossen sein. Gegraben werde nur dort, wo mehr als 40 cm Aushub entfernt wird und Gebäude errichtet werden – „um Steuergeld zu sparen“.
Förderungen entscheiden, welche Module umgesetzt werden
Was Raumordnung und erforderliche Flächenumwidmung betrifft, habe das Land am 29. April 2026 grünes Licht signalisiert, so Riedhart. Was die Zuteilung von Fördergeld betrifft, ist Riedhart optimistisch: „Kein Bad wurde beim Land bisher mit einem solchen Detailplan vorgestellt. Außerdem gibt es die Bäderbedarfsanalyse, bei der Imst und Wörgl absolute Priorität eingeräumt wurde“, so Riedhart, der die Frage nach der Förderhöhe so beantwortete: „Vor einem Jahr erhielten wir die Zusage, dass 55 % der Projektkosten ohne Kiosk gefördert werden.“ Das schließe auch die Freibaderrichtung ein: „Auch bei Axams werden 55 % vom Gesamtprojekt gefördert.“ Für den Gastrobereich (Kiosk) sind bei den 28 Millionen Euro 2.450.000 Euro Baukosten eingeplant. „Wir rechnen damit, dass bei Fließen der Landesförderung die Kosten für die Stadt Wörgl bei 9 bis 10 Millionen Euro liegen werden. Wenn wir keine Förderungen erhalten und nur das Freibad bauen, kostet es rund 10-12 Millionen Euro“, rechnete Riedhart vor.







