Der Bieranstich ging nicht pannenfrei vonstatten – die gute Festlaune danach war ungetrübt! Eine durchwegs positive Bilanz übers Wörgler Stadtfest in neuem Format kann Kulturreferent und „Stadtfest-Neuerfinder“ Sebastian Feiersinger ziehen. Das Fest der Vereine, erstmals organisiert in Zonen ohne Eintrittskontrollen bei gratis Eintritt, ging ohne Zwischenfälle über die Bühne und erfuhr großen Zuspruch. Schätzungen zufolge kamen deutlich mehr Gäste als im Vorjahr und flanierten durch die Innenstadt.
Nachdem das neue Konzept sehr gut angenommen wurde und das Feedback überwiegend sehr positiv ist, soll das „Insel-Stadtfest-Konzept“ auch bei der Neuauflage 2027 umgesetzt werden. „Das einzige Manko war heuer das Unterhaltungsangebot für Jugendliche“, räumt Feiersinger ein und kündigt Änderungen an. An Fahrgeschäfte ist dabei nicht gedacht, mehr an „interaktive Formate.“ Die Kinderzone, gestaltet von den Kinderfreunden, dem Verein komm!unity und dem SV Wörgl mit einer Torschusswand, bot im Kargl-Anger heuer ein wesentlich größeres Kinderprogramm.
Zur Tradition des Wörgler Stadtfestes zählt die Eröffnung mit Einzug der Stadtmusikkapelle und anschließendem Bieranstich bei der Volksmusik-Bühne vor dem Stadtamt. Durchgeführt von Bürgermeister Michael Riedhart und dem Kulturreferenten Sebastian Feiersinger, wobei der Bürgermeister zunächst mangels Treffsicherheit den Zapfhahn verfehlte und stattdessen der von ihm selbst gehaltene Bierkrug zu Bruch ging. Erst nach Auswechseln des Zapfhahns floss der kühle Hopfensaft, geliefert von der Brauerei Zipf, und das sogar ungewollt in Strömen. Doch das Problem war rasch im Griff und damit stand dem üblichen Zuprosten in den Reihen der Ehrengäste nichts mehr im Weg.
Während die Hitze am Nachmittag noch viele vor dem Stadtfestbesuch ins Schwimmbad lockte, bot der laue Sommerabend optimale Festbedingungen. Das Stadtfest als Bühne nützte auch ein Diplomarbeits-Projekt des Aufbaulehrganges der BFWörgl: Die beiden Schülerinnen Lea Beihammer und Zoe Dressler luden in Zusammenarbeit mit dem Bobsportverein zu einer sportlichen Challenge: Es galt die vom Olympiabobfahrer vorgelegte Start-Bestzeit von 3,06 Sekunden beim Anschieben des Schlittens zu unterbieten. Pro Schub landeten 3 Euro in der Spendenkasse, deren Erlös dem Sozial- und Gesundheitssprengel Wörgl zu Gute kommt.
Wir für Wörgl-Anfrage zum Stadtfest
Die Gemeinderatsfraktion Wir für Wörgl – Liste Roland Ponholzer brachte im Gemeinderat am 1. Juli 2026 eine umfangreiche Anfrage zur Videoüberwachung beim Wörgler Stadtfest mit über 50 Fragen betreffend die Videoüberwachung und die Änderung des Jugendschutzkonzeptes ein. „Für die Gemeinderatsfraktion Wir für Wörgl wirft beides erhebliche rechtliche, organisatorische und praktische Fragen auf“, heißt es in der schriftlichen Anfrage
Jede Maßnahme müsse nach ihrem tatsächlichen Nutzen beurteilt werden Eine Videoüberwachung dürfe niemals leichtfertig eingesetzt werden. „Die Wörglerinnen und Wörgler haben ein Recht darauf zu erfahren, auf welcher Rechtsgrundlage eine Videoüberwachung erfolgt, wer für den Datenschutz verantwortlich ist, wer Zugriff auf die Aufzeichnungen erhält und welchen konkreten Sicherheitsgewinn sich die Stadt davon erwartet“, betont GR Patricia Kofler.
STR Astrid Rieser kritisiert, dass durch den Wegfall der Alterskontrollen beim Festzutritt den Vereinen durch die Kontrolle der Jugendschutzvorgaben zusätzliche organisatorische Aufgaben geschultert werden.
„Gerade bei Maßnahmen, die Freiheitsrechte der Besucherinnen und Besucher berühren, öffentliche Mittel binden und zusätzliche Verantwortung auf unsere Vereine übertragen, braucht es größtmögliche Transparenz. Als Gemeinderatsfraktion ist es unsere Aufgabe, diese Fragen im Interesse der Bevölkerung zu stellen und auf eine vollständige Beantwortung zu drängen“, erklärt Gemeinderat Gottfried Schneider.
Obwohl Anfragen im Gemeinderat erst in darauffolgenden Sitzungen des Gremiums behandelt werden, antwortete Wörgls neue Stadtamtsleiterin Christina Geisler am 10. Juli, einem Tag vor dem Stadtfest, und teilte mit, „im Sinne einer transparenten und serviceorientierten Verwaltung eine vorgezogene Beantwortung der wesentlichen Punkte vorzunehmen. Alle rechtlich erforderlichen Aspekte werden berücksichtigt und eingehalten. Es handelt sich um eine unterstützende videobasierte Lagebeobachtung vor den Bühnen. Diese dient ausschließlich dem Zweck, erhöhte Personendichten frühzeitig zu erkennen, und ist Bestandteil des Sicherheitskonzeptes. Die Bildübertragung erfolgt ausschließlich live; eine Speicherung oder Aufzeichnung findet nicht statt. Es werden keine personenbezogenen Daten verarbeitet. Eine Nutzung zu straf- oder ordnungspolizeilichen Zwecken ist ausgeschlossen. Die Bildübertragung wird ausschließlich in der mobilen Leitstelle der Sicherheitsmitarbeiter zur lageabhängigen Beurteilung herangezogen und stellt ein ergänzendes Instrument zur Beobachtung durch Einsatz- und Ordnungskräfte dar. Sie dient ausschließlich der präventiven Besucherlenkung, insbesondere der frühzeitigen Erkennung kritischer Personendichten, der Unterstützung von Entlastungs- und Lenkungsmaßnahmen sowie der Vermeidung von Stau- und Paniksituationen.
Zusätzlich wird auf die Videoüberwachung in der Hausordnung der Veranstaltung hingewiesen. Mit dem Zutritt zum Fest akzeptieren die Besucherinnen und Besucher die Hausordnung des Veranstalters. Die teilnehmenden Vereine wurden über die geltenden Jugendschutzbestimmungen informiert und sind verpflichtet, den Altersnachweis bei der Ausgabe alkoholischer Getränke eigenverantwortlich einzufordern und zu kontrollieren. Die Jugendschutzbestimmungen werden – wie in den vergangenen Jahren – an jedem Stand gut sichtbar ausgehängt. Bereits in den Vorjahren, als noch das Bandsystem verwendet wurde, lag die Verantwortung für die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen bei den jeweiligen Standbetreibern. Insoweit ergibt sich keine Änderung gegenüber der bisherigen Praxis“, schreibt Geisler.
Bildrechte: Veronika Spielbichler






















