Ambitionierte Kurzfilme mit Tiefgang

In der Tiroler Kulturszene bestens verankert hat sich der Verein Wörgler Lichtspiele mit der jährlichen Austragung des Tiroler Kurzfilmfestivals, dessen elfte Auflage am 31. Jänner 2026 Film-Fans scharenweise ins Cineplexx Wörgl lockte. Neben dem Jurypreis konnte das Publikum heuer wieder zwei Preise vergeben: für den besten Kurzfilm und nach längerer Pause wieder einen in der Kategorie Newcomer, der in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Take One-Filmfestival durchgeführt wurde.

Mit Unterstützung der Gaststubenbühne Wörgl inszenierte der Verein Wörgler Lichtspiele einmal mehr „Hollywood-Flair“ im Kino-Foyer und rollte den roten Teppich für FilmemacherInnen aus. „Die Einreichungen hatten heuer Top-Niveau! Kreativität ist trotz KI nicht so leicht umzubringen“, stellte Jury-Mitglied Mathias Peschta fest, der gemeinsam mit Cornelia Thurnbauer, Manuela Zemsauer, Helmuth A. Häusler, Elli Juen und Roland Assmann seit Jahren die Jury bildet und die Vorauswahl der auf großer Leinwand gezeigten Filme trifft. Und die sind durchwegs international – so schafften es heuer neun Kurzfilme aus Frankreich, Portugal, den Niederlanden, Deutschland und Österreich ins Programm.

„Was macht einen guten Kurzfilm aus?“ fragte das Moderatoren-Duo Anna Etzelstorfer und Dominic Kainzner, worauf Peschta meinte: „Wenn mich ein Film auf andere Gedanken bringt – über das hinaus, was ich mit den Augen sehe. Dazu gehört noch gutes Handwerk und ein spannendes Drehbuch.“ Für die Jury erfüllte diese Kriterien heuer am besten der Kurzfilm „Ya Hanouni“ von Lyna Tadount und Sofian Chouaib aus Frankreich, der den Genozid in Ghaza thematisiert. Das mit dem Jurypreis verbundene Preisgeld spendierte die Sparkasse.

Bei der Publikumswertung hatte ein anderer Kurzfilm klar die Nase vorn: Die Tiroler Filmproduktion „Wir schwenkten keine Fahnen“ von Mario Dengler durfte sich über die Siegertrophäe in der allgemeinen Kategorie freuen. Mario Dengler kam mit großer Crew nach Wörgl, u.a. reiste Hauptdarsteller Franz Braun aus Südtirol an. „Wir schwenkten keine Fahnen“ behandelt die Schuldfrage in der NS-Zeit und wirft die Frage nach der Realität hinter überlieferten Erzählungen auf. Bei den Newcomern ging der Preis an „Ein Abend wie damals“ von Sonja Aufreiter und Kamerafrau Stefanie Knebel, bei dem ein „Mädelsabend“ eine unerwartete Wendung nimmt.

Sämtliche gezeigten Kurzfilme zeichneten sich durch ambitionierte Botschaften und solides Handwerk aus. Im mystischen Fantasy-Genre angesiedelt war „Hecate“ der aus Russland stammenden Salzburgerin Mascha Deikova. Ein verstörendes Mädchen-Missbrauchs-Drama drehte die aus der Ukraine stammende Regisseurin Anna Demianenko aus den Niederlanden mit dem Film „Rounds“ und das Thema Selbstmord bewegte Yrony aus Wien zum Kurzfilm „With You Tonight“.

Berührend fängt Pierre Gaffié aus Frankreich mit „Stimmenwald“ das Projekt einer jungen Hör-Akustikerin ein, die Stimmen verstorbener Menschen aus Bäumen sprechen lässt und damit Angehörige beschenkt. „Zwischen Linien“ von Jan Schenk aus Hohenems in Vorarlberg zeigt den Weg des 17-jährigen Maximilian Taucher, der Profi-Tennisspieler werden und an den Paralympics teilnehmen will.

Ein Animationsfilm-Meisterwerk gelang Hannes Rall aus Deutschland mit „Dobrina“ zum gleichnamigen Song, komponiert und performed von Michael Rödinger mit Band, der ein feuriges Scherenschnitt-Drama zweier rivalisierender Verehrer um ihre Herzdame auf die Leinwand zaubert. In der Newcomer-Kategorie spielte Florian Lazzari mit seinem heuer produzierten Kurzfilm „Schnee im Kopf“ zum Song „On The Nature Of Things“ von Fjodor ebenso mit schwarz-weiß-Kontrasten.

Nach dem Kurzfilmfestival ist für die engagierten Veranstalter unter der Federführung von Dominik Kainzner und Anna Etzelstorfer übrigens bereits vor dem nächsten Kurzfilmfestival – mit 30. Jänner 2027 steht der Termin dafür auch schon fest!