Bürgerprotest gegen neue Aushubdeponie am Riederberg

„Wir sind strikt gegen eine weitere Aushubdeponie am Riederberg“, erklärte am 28. Juli 2026 der Obmann des Vereines Bruckhäusl aktiv Thomas Gasteiger bei einem Lokalaugenschein am Riederberg in Wörgl-Boden, wo das Jenbacher Unternehmen Gubert eine weitere Bodenaushubdeponie auf den Feldern des Grill-Bauern im Ausmaß von rund 86.000 Kubikmetern auf einer Fläche von 15.600 Quadratmetern für die Dauer von 3 bis 10 Jahren errichten will.

Begründet wird die Ablehnung von der Bürgerinitiative wie von betroffenen Nachbarn mit der zu erwartenden Umweltbelastung durch Lärm, Verkehr und vor allem Feinstaub. „Wir fordern die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung unter Einbeziehung der bereits bestehenden Deponieflächen der Strabag-Aushubdeponie, der bestehenden Aushubdeponie der Fa. Gubert in unmittelbarer Nähe des Feriendorfes Riederwies und der ehemaligen Mülldeponie“, führte Gasteiger weiter aus, der sich ebenso wie Betroffene im Umfeld über die Vorgangsweise ärgert, dass hier in „Salamitaktik“ neue Umweltbelastungen auf Jahre hinaus von der Behörde verordnet würden. Bei Kumulierung solcher Deponien könne die Behörde laut geltendem UVP-Gesetz eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorschreiben.

Besonders betroffen von den Gubert-Deponien auf der Riederwies ist das unmittelbar daneben liegende Feriendorf. Zur in den 1970er Jahren errichteten Ferienanlage gehören 12 Chalets, die zehn Eigentümern gehören. „Wir wurden schon bei der ersten Deponie nicht informiert. Auf das neue Projekt bin ich zufällig gestoßen“, erklärte Josef Stöger, einer der Eigentümer, die mittels Rechtsanwalt im Behördenverfahren jetzt Gehör finden wollen. Das Feriendorf verzeichnet jetzt schon Einbußen im fünfstelligen Euro-Bereich – und da ist die Absage eines Bergdoktor-Drehtermins aufgrund der Deponie noch garnicht eingerechnet – Buchungen werden storniert, Gäste reisen vorzeitig ab. Besonderes Ärgernis ist neben Lärm und Staub die prekäre, gefährliche Zufahrtsituation über die einspurige, mittlerweile arg beschädigte steile Straße. Vor allem bei Schnee und Eis im Winter ein enormes Gefahrenpotenzial.

„Durch das vereinfachte Verfahren besteht keine Infopflicht mehr und so erleben Anrainer böse Überraschungen“, sieht Rechtsanwalt Mag. Bernhard Krall-Marschitz grundsätzlich Handlungsbedarf beim Gesetzgeber und erklärt zur aktuellen Sachlage: „Wir können uns zu den Antragsunterlagen äußern. Eine Parteistellung mit Nachbarschaftsrechten gibt es erst ab 100.000 Kubikmeter.“ Was mit beiden Gubert-Deponien am Riederberg erreicht wäre, wenn die bestehende Deponiefläche im Verfahren berücksichtigt würde.

Das geplante Bodenaushubdeponie-Projekt Riederwies-Egger ist auf den Grundparzellen 986, 987, 988, 989 und 993 KG 83020 Wörgl situiert, wobei sich die Deponiefläche vorwiegend auf die Flächen unterhalb des Bauernhofes befindet und die große Grundparzelle 993 nur zu einem kleinen Teil betrifft, wobei hier nach Beendigung der Deponierung auf den eingereichten Flächen eine weitere Ausweitung befürchtet wird.

Gefordert wird, dass die neuerliche Deponie keine Bewilligung erhält. Falls doch, drängt Krall auf „eine korrekte Regelung des Verkehrs mit Ampel und der Errichtung von Ausweichen, eine tägliche Höchstgrenze von 5 Lkw-Fahrten und tourismusfreundliche Betriebszeiten montags bis freitags von 9-17 Uhr“, die im derzeitigen Ansuchen mit der Anlieferung Montag bis Freitag von 7-18 Uhr und samstags von 7-15 Uhr nicht gegeben seien.  Vor allem am Samstag, dem An- und Abreisetag, sollten keine Betriebszeiten genehmigt werden.

Betroffen von der prekären Zufahrtsituation sind bereits jetzt Urlauber, wie Gabi Daschl, zuständig für Gästebetreuung und Feriendorf-Verwaltung weiß. Vor allem Gäste aus den Niederlanden und flachen Gegenden fürchten den Straßenzustand und die Begegnung mit Lkw auf der mittlerweile arg ramponierten Straße, die bis zum Grillbauern Gemeindestraße und ab da Privateigentum mit Fahrrecht für die WEG-Weginteressentschaft ist. Tiefe Schlaglöcher und Spurrillen sowie Steinschlag von Lkw führten bereits zu Beschädigungen an Fahrzeugen. „Was, wenn  die Straße verstopft ist oder Lkw im Winter auf glatter Fahrbahn hängen bleiben und im Feriendorf Rettung oder Feuerwehr zufahren müssen?“  – das sorgt Josef Kröll.

Und der derzeitige Deponiebetrieb stört das Urlaubsvergnügen massiv, wie Anja aus Essen bestätigt: Staub und Lärm verleiden morgens das Frühstück im Freien und nach dem Tagesprogramm ist Entspannung im Freien in eingestaubter Umgebung auch kein Vergnügen. „Viele Gäste reisen vorzeitig ab oder verlangen eine Umbuchung“, erklärt Daschl, die bei Bewilligung der nächsten Deponie eine Schließung des Feriendorfes nicht ausschließt. „Viele Stammgäste haben jetzt schon abgesagt“, so Daschl.

„Beantragt ist eine Dauer von 3 bis 10 Jahren, wobei dabei drei bis vier Lkw pro Tag und fallweise mehr angegeben wird. Das ist eine Augenauswischerei – die lange Dauer dient zum Kleinrechnen der Lkw-Belastung. De facto kann die Fläche viel früher befüllt sein“, so Krall, womit dann mit einem wesentlich höheren Lkw-Aufkommen zu rechnen ist. Schlechte Erfahrungen diesbezüglich gibt´s mit der bestehenden Gubert-Bodenaushubdeponie: „Erst hat es geheißen, im April ist sie voll – jetzt heißt es September oder Oktober“, so Daschl, die mittels Video die wesentlich höhere Frequenz samt Staubbelastung belegen kann. „Angeliefert wurde bereits ab 6:15 Uhr, Absprachen werden nicht eingehalten“, erklärte Daschl.

„Bis 8. August 2026 läuft die Frist, in der sich Nachbarn äußern können. Dann wird von der BH ein Bescheid ausgestellt, der nach 4 Wochen rechtskräftig wird, wenn kein Einspruch kommt“, erläutert Rechtsanwalt Krall und hofft auf politische Unterstützung bei der Interessensvertretung der Bevölkerung.

Betroffen ist nicht nur die Ferienanlage – auch 14 Gebäude der Putz-Siedlung in Sichtweite sowie die Nachbarn im Zufahrtsbereich zu den Deponien, die ab der Kreuzung mit der Umfahrungstunnelzufahrt auch von der STRABAG-Deponie benützt wird. Die Strabag errichtete 2019 eine Bodenaushubdeponie am Riederberg für die Dauer von 20 Jahren auf einer Fläche von 5,5 Hektar mit einer Gesamtkubatur von 1.020.000 Kubikmeter (siehe auch https://vero-online.info/kritik-an-aushubdeponie-am-riederberg/). Der Lkw-Verkehr verursacht zudem vermehrt Probleme im Umfahrungstunnel durch Staub.

Während die Stadtgemeinde die Aushubdeponie Riederwies 1 befürwortete (u.a. für den Aushub des Zentrumsprojektes), hoffen die Bruckhäusler jetzt auf eine ablehnende Haltung beim neuerlichen Deponie-Ansuchen: „Die Gemeinde sollte die Interessen der Bevölkerung vertreten und nicht sagen, das geht uns nichts an“, so Gasteiger, der die Gemeinde auch hinsichtlich des Straßenzustandes und der Verkehrssicherheit auf der Gemeindestraße bis zum Grill-Bauern in der Verantwortung sieht.

Protestieren vor der Kulisse der bestehenden Gubert-Bodenaushubdeponie auf der Riederwies gegen eine weitere Deponie – v.l. Thomas Gasteiger/Obmann Bruckhäusl aktiv, Feriendorf-Gästebetreuerin Gabi Daschl, Arno Kecht/stellvertretender Obmann Bruckhäusl aktiv und Josef Stöger, Miteigentümer der Ferienanlage.
Die Bürgerinitiative Bruckhäusl aktiv lud zum Lokalaugenschein – Obmann Thomas Gasteiger (rechts) und sein Stellvertreter Arno Kecht (links).
Im September 2025 erhielt die Fa. Gubert die Bewilligung für die Bodenaushubdeponie auf der Riederwies – jetzt liegt ein weiteres Ansuchen für die Felder des Grill-Bauern vor.
Der Deponiebetrieb unmittelbar neben dem Feriendorf führt zu Staub- und Lärmbelastungen.
Die Auswirkungen spüren auch die BewohnerInnen der Putz-Siedlung – der Wind verfrachtet Staubwolken, was auch beim neuen Deponiebetrieb befürchtet wird.
Getrübtes Urlaubsvergnügen: Anja aus Essen wollte mit ihrer Familie die Ruhe am Berg genießen – stattdessen finden sie Lärm und Staub von der Aushubdeponie vor.
Schon jetzt problematisch: die einspurige Zufahrtstraße ohne Ausweichen.
Mittlerweile desolat: die Gemeindestraße bis zum Grill-Bauern weist an mehreren Stellen tiefe Fahrbahnbeschädigungen auf.