Erst hochgehoben und gepusht, nach unterschiedlicher Auffassung vor allem beim Thema Schwimmbadneubau „abserviert“ und ausgegrenzt – diese Erfahrung schildern die beiden Wörgler ÖVP-Gemeinderäte Elisabeth und Hubert Werlberger. Nach der Absetzung von politischen Funktionen im Gemeinderat musste Elisabeth Werlberger zur Kenntnis nehmen, in Institutionen im ÖVP-Einflussbereich wie dem Seniorenbund und den Ortsbäuerinnen nicht in Vereinsfunktionen erwünscht zu sein.
Nach dem Rückzug von Seniorenbund-Obmann Rolf Kainzner stand kürzlich die Vorstandsneuwahl an. Wörgls Ehrenbürgerin Maria Steiner hätte Elisabeth Werlberger als Vorstandsmitglied vorgeschlagen. Diese trat aber den Rückzug an, nachdem klar wurde, dass das nicht „im Sinne der Stadtführung“ sei. Aus der Wahl ging Rolf Kainzners bisherige Stellvertreterin Anna Fuchs als neue Obfrau hervor, ihre beiden Stellvertreter sind Herta Bräuer und Kayahan Kaya.
Als „größten Vertrauensbruch“ empfand Elisabeth Werlberger dann die Ortsbäuerinnen-Neuwahl. „Seit März dieses Jahres führte ich unzählige Gespräche mit Bäuerinnen, um einen Wahlvorschlag zusammen zu bringen. Monika Egger lehnte ab, im Ortsausschuss tätig zu sein“, schildert Elisabeth Werlberger die Vorgeschichte. Sie ist seit 24 Jahren bei den Ortsbäuerinnen aktiv, war 6 Jahre stellvertretende Obfrau und 12 Jahre Ortsbäuerin. Erst eine Woche vor dem Wahltermin stand nach vielen Gesprächen (deren Ergebnisse fortlaufend auch in einer WhatsApp-Gruppe kommuniziert wurden) der Wahlvorschlag fest, der von der Landwirtschaftskammer vor der Wahl geprüft wird.
Groß war die Überraschung dann am Wahltag, als die Bezirksbäuerin Christine Lintner ein zweites verschlossenes Kuvert mit einem Wahlvorschlag mitbrachte, das am Tag der Wahl anonym ins Postkastl bei der Landwirtschaftskammer eingeworfen wurde. Als Wahlleiter fungierte Elisabeth Werlbergers Mann Hubert. „Nachdem die Bezirksbäuerin den Wahlvorschlag mitbrachte, ging ich davon aus, dass geprüft wurde, ob er wie statutengemäß erforderlich von einem Mitglied kommt. Erst nach der Wahl erfuhr ich, dass der Vorschlag anonym eingebracht wurde“, erklärt Hubert Werlberger.
Als Wahlleiter ging er nach vorgesehenem Prozedere vor. Präsentierte beide Wahlvorschläge, wobei der neue Monika Egger als Ortsbäuerin vorschlug. Nachdem diese die Frage, ob sie sich dieser Wahl stelle, zustimmte, erfolgte die Abstimmung. Die ging mit 20:9 Stimmen zugunsten von Monika Egger aus.
Im Nachgeschmack blieb nun die Frage offen, ob die Wahl überhaupt gültig ist, wenn der Wahlvorschlag anonym eingebracht wird. Ungewöhnlich, aber Statuten-konform lautet dazu die Auskunft von Bezirksbäuerin Lintner: „Werlbergers Wahlvorschlag wurde am Tag vor der Wahl per Email eingereicht. Der zweite wurde am Tag der Wahl in einem verschlossenen Kuvert ohne Absender abgegeben.“ Zu diesem habe sich „im Nachhinein eine Bäuerin bekannt, die namentlich nicht genannt werden will.“
„Es tut mir persönlich sehr leid und ich bin selber sehr betroffen – aber an und für sich ist die Wahl aus meiner Sicht korrekt abgelaufen“, erklärt Lintner. Von der mit dem Fall betrauten Landesbäuerin habe sie dieselbe Auskunft erhalten. Vorschläge könnten laut Statut sogar noch am Wahlabend selbst erst eingebracht werden.
Und was sagt die neue Ortsbäuerin dazu? „Ich wurde zwar gefragt, im Ausschuss mitzuarbeiten, aber ich wurde nicht gefragt, Ortsbäuerin zu werden“, erklärt Monika Egger ihre Entscheidung, am Wahltag als Obfrau zu kandidieren. Egger ist 18 Jahre bei den Wörgler Bäuerinnen aktiv und hat aktuell die Funktion der Gebietsbäuerin inne. Im Ortsausschuss wollte sie nicht weiter mitwirken, „weil ich nichts zu tun hatte, Elisabeth hat alles allein gemacht.“ Im Übrigen wolle sie keine weitere Stellungnahme dazu abgeben.
Dazu Werlberger, die für weitere Mitarbeit im Bäuerinnenausschuss künftig auch nicht mehr bereit ist: „Im Ausschuss wurde jede gefragt, welche Rolle sie übernehmen würde. Monika Egger hat nie mitgeteilt, selbst als Ortsbäuerin kandidieren zu wollen. Man kann offen kommunizieren und im Vorfeld mitteilen, was man will. So war es nicht fair.“ Von einer vorbereiteten, konzertierten Aktion geht Hubert Werlberger aus, „da schon Stunden vor der Sitzung das Gerücht umlief, heute wird´s bei den Bäuerinnen was geben.“
Im neu gewählten Ortsbäuerinnen-Ausschuss wirken neben Obfrau Monika Egger ihre Stellvertreterin Martina Feiersinger, Sabrina Gwiggner, Isabella Gasteiger und Annemarie Ager mit.
Elisabeth Werlbergers politische Karriere begann als Stadträtin und Sozial- und Bildungsreferentin. Kurzzeitig erhielt sie den Status als zeichnungsberechtigte amtsführende Stadträtin und hatte eine vorübergehende Anstellung bei der Stadt zur Bewältigung des Arbeitspensums, das mit ihrem Engagement einherging. Nach dem Zerwürfnis mit Bgm. Riedhart wurde sie schrittweise „demontiert“ – kein Job mehr, Amtsführungs-Bevollmächtigung weg. Bei der nach Ponholzers Rücktritt erfolgten Viezbürgermeisterwahl wurde ihr ohne vorheriges Gespräch in laufender Gemeinderatsitzung der Stadratsitz entzogen. Weitere „Strafsanktionen“ für „fraktionären Ungehorsam“ ereilten beide Werlbergers: Schriftlich wurde Beiden vom Bürgermeister ihre Referentenstelle entzogen. Zeitgleich zum Fraktionsrauswurf traten Beide aus der Liste Wörgl Bewegen – Team Michael Riedhart – Wörgler Volkspartei aus.
Seit der Abberufung Hubert Werlbergers im Juli gibt es keinen Landwirtschaftsreferenten mehr. Elisabeth Werlbergers Referentenstelle teilen sich jetzt Bürgermeister Riedhart selbst für Wohnen und Senioren sowie MFG-Gemeinderätin Novela Steinlechner als Referentin für Gesundheit, Bildung und Soziales. Elisabeth und Hubert Werlberger sind weiterhin durch Wahl im Gemeinderat Ausschussobleute. Elisabeth Werlberger ist Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Bildung, Hubert Werlberger leitet den Ausschuss für Landwirtschaft und ist Ortsvorsteher des Bruckhäusler Ortsausschusses. Beide denken übrigens derzeit nicht daran, ihre Gemeinderatsmandate abzugeben – sie wollen bis zum Ende der Funktionsperiode mit der Neuwahl des Gemeinderates im Februar 2028 als freie Mandatare im Wörgler Gemeinderat ihre Stimme einbringen.
