Mit dem Neubau der Rendl-Brücke ab 2024 und Bauarbeiten entlang des Ufers in Söcking im Herbst 2025 startete bereits die Realisierung des Hochwasserschutzes entlang der Brixentaler Ache. Am 9. Jänner 2026 fand nun der offizielle Spatenstich zum 21 km langen Großprojekt statt, das sich in zwei Teilprojekte gliedert. Insgesamt sollen damit 184 Wohngebäude, 40 Nicht-Wohngebäude und 14 öffentliche Einrichtungen im Gefahrenbereich geschützt werden.
In frisch verschneiter Kulisse wurden nahe der Rendlbrücke am Freitag Vormittag die Schaufeln am extra aufgeschütteten Sandhaufen vor bereits fertiggestellten Ufermauern an VertreterInnen beteiligter Gemeinden und Institutionen für den symbolträchtigen Spatenstich verteilt. Christian Sandbichler, Obmann des Hochwasserschutzverbandes Brixentaler Ache, dankte für die „fast reibungslose Zusammenarbeit“ aller Beteiligten – darunter sind sieben Mitgliedsgemeinden und die vier Infrastruktur-Bauträger Landesstraßenverwaltung, TIWAG, ÖBB sowie die Stadtwerke Wörgl. Die Finanzierung erfolgt durch den Bund, das Land und den Hochwasserschutzverband.
Die technischen Daten des ersten Bauabschnittes des Teilprojektes B stellte DI Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft beim Land Tirol, vor. Das Teilprojekt A betrifft den Oberlauf in Brixen und Westendorf, das nun begonnene Teilprojekt B den Unterlauf und damit die fünf Gemeinden von der Mündung der Brixentaler Ache in den Inn bis nach Hopfgarten: „Mit dem ersten Bauabschnitt werden gefährdete Bereiche in den Gemeinden Angath, Wörgl, Kirchbichl, Itter und Hopfgarten vor einem 100jährigen Bemessungsereignis geschützt. Das umfasst 80 Hektar bebaute Fläche und Infrastruktureinrichtungen wie Bahn und Straßen in zwei Bezirken.“
Von Flusskilometer 0 bis 12,8 werden Flussaufweitungen vorgenommen, Dämme und Mauern zum Schutz von 67 Gebäuden sowie auf Itterer Gemeindegebiet ein Rückhaltebecken mit rund 66.000 Kubikmeter Fassungsvermögen um 12,2 Millionen Euro errichtet. Grundlage für die Planung waren die 2016 erstellten Gefahrenzonenpläne samt Einarbeitung der Erfahrungen aus dem Hochwasser der Kelchsauer und Brixentaler Ache 2021, die eine weitere Erhöhung der Abflusswerte um 20 % bewirkten, so Federspiel.
Der Maßnahmen-Mix umfasst linearen Uferschutz mit 3.100 Metern Dämmen und 4.300 Metern Mauern, zudem werden Ufersicherungen erneuert bzw. in Stand gesetzt und Flussaufweitungen geschaffen. Mit dem Hochwasserrückehaltebecken solle die Verschärfung durch die Linearmaßnahmen kompensiert und damit die Hochwasserwelle gekappt werden, so Federspiel. Das Retentionsbecken in Itter dient als zusätzlicher Rückhalteraum, welcher ab einem 50-jährigem Hochwasser Wasser dosiert ableitet, das nach dem Abklingen der Hochwasserwelle kontrolliert zurück in den Fluss geleitet wird.
Mit der Fertigstellung der Arbeiten im ersten Teilbereich rechnet man bis 2027, mit dem gesamten ersten Bauabschnitt bis Hopfgarten bis 2029. Der abgeschlossene Neubau der Rendlbrücke kostete 1,1 Millionen Euro. Der Bauabschnitt 1 von der Mündung in den Inn bis zur Grattenbrücke inklusive Rückhaltebecken Itter kosten 12,2 Millionen Euro, der Bauabschnitt 2 – Bruckhäusl beginnend auf Höhe Fa. Innotec bis Itter 5,1 Millionen Euro und der dritte Abschnitt in Hopfgarten 10,4 Millionen Euro.
Tirol vorbildlich beim Wasserbau
Vom Bundesministerium reiste DI Dr. Heinz Stiefelmeyer an, der lobende Worte für den Wasserbau in Tirol fand und sich dabei auf einen Rechnungshofbericht bezog, der als besonders positiv die Gefahrenzonenplanung sowie die Wirksamkeit des Hochwasserschutzes hervorhob. „In Österreich gehen jährlich 200 Millionen Euro in rund 600 Maßnahmen, wobei zwei Drittel davon Baumaßnahmen sind. Der Bund stellt 50 % der Mittel, insgesamt bearbeiten 600 Mitarbeiter 3.500 laufende Projekte“, so Stiefelmeyer. In Tirol gäbe es nicht viele, aber kostenintensive: „20 % der Bundesmittel erhält Tirol.“ Stiefelmeyer wies auf den multifunktionellen Mehrfachnutzen der Schutzmaßnahmen hinsichtlich der Schaffung von Erholungsraum sowie für die Fischerei hin.
„Wir haben schmerzlich aus Naturereignissen gelernt, dass wir nicht gegen, sondern mit der Natur bauen und damit das Ausufern zulassen müssen“, so Stiefelmeyer, der neue Herausforderungen in zunehmenden Starkregenereignissen sieht: „Hochwasserschutz ist nur ein Teil der Lösung. Es braucht entsprechende Raumordnung, Flächenwidmungen, Katastrophenschutz und Eigenvorsorge, um langfristig Schäden zu mindern.“ Und: „Ein Restrisiko bleibt immer! Absoluten Schutz gibt es nicht.“
„Das Land Tirol will mit 100jährlichem Hochwasserschutz größtmögliche Sicherheit schaffen“, erklärte Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler und betonte, dass neben den technischen auch forstliche Maßnahmen dazu dienen würden. In Tirol seien nur 12 % der Landesfläche bebaubar – und das wolle man für die Zukunft sichern.
Wie geht es mit dem geplanten Kraftwerk Egerndorf weiter?
Seit 2008 arbeiten die Wörgler Stadtwerke am Kraftwerksprojekt Egerndorf an der Brixentaler Ache, mit dem 2.700 Haushalte mit Ökostrom versorgt werden sollten. 2012 erfolgte die Gründung der Kraftwerk Wörgl GmbH als Privatstiftung, an der die Stadtwerke mit 65 % und ein privater Investor mit 35 % beteiligt waren. 2013 wurde das Projekt beim Land zur naturschutz- und wasserrechtlichen Bewilligung eingereicht. Drei Grundeigentümer erhoben Einspruch. Bis 2017 entstanden durch die Umplanungen beim 12 Millionen Euro teuren Kraftwerksprojekt Mehrkosten in Höhe von 220.000 Euro und es wurden rund 350.000 Euro in die Vorarbeiten investiert.
Weitere Adaptierungen wurden durch den geplanten Hochwasserschutz des Wasserverbandes ins Projekt eingearbeitet. Für die Umsetzung notwendig ist die Zustimmung der Gemeinde Kirchbichl, der die Ache zur Hälfte gehört. Am 16. Dezember 2024 wurde ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss in Kirchbichl gefasst, die Zustimmung zum Kraftwerk Egerndorf zu verweigern. Wie es mit dem Projekt weitergehen soll und inwieweit das noch das Hochwasserschutz-Projekt an der Brixentaler Ache auf Wörgler Seite betrifft, war bei der Spatenstichfeier kein Thema und ist bei den Stadtwerken Wörgl angefragt.
- Am 9. Jänner 2026 fand am Ufer der Brixentaler Ache die Spatenstichfeier für den 1. Bauabschnitt des Teilprojektes B des Hochwasserschutzes statt.
- Christian Sandbichler, Obmann des Wasserschutzverbandes Brixentaler Ache, bei der Begrüßung.
- DI Markus Federspiel vom Land Tirol erläuterte die technischen Details des Hochwasserschutzprojektes.
- DI Dr. Heinz Stiefelmeyer vertrat Bundesminister Totschnig.
- Beim symbolträchtigen Spatenstich v.l. Markus Federspiel, Bgm. Roman Thaler, Bgm. Paul Sieberer, Bgm. Michael Riedhart, Heinz Stiefelmeyer, LHStv Josef Geisler, Bgm. Andreas Brugger, Obmann Christian Sandbichler, Bgm. Rene Schwaiger, Bgmin Sandra Madreiter-Kreuzer und Vize-Bgm. Wilfried Ellinger.
- Bereits errichtete Ufermauern im Bereich der 2025 fertiggestellten Rendlbrücke.
- Der Uferschutz im Bereich der Rendbrücke ist bereits fertiggestellt, flussabwärts laufen die Arbeiten seit Herbst 2025.
- Die Brixentaler Ache mit der bereits höher gelegten Rendlbrücke und dahinter die Eisenbahnbrücken, deren Niveau nicht verändert wurde.







