Nicht mit Betroffenen reden und über deren Köpfe hinweg entscheiden – das jüngste Beispiel in Wörgl betreffend die beiden ÖVP-Gemeinderäte Elisabeth und Hubert Werlberger gibt Einblick in einen hinterfragungswürdigen politischen Führungsstil, der schon mehrfach kritisiert wurde. Als gestern die Liste Wörgl Bewegen – Team Michael Riedhart mittels Presseaussendung über den Fraktionsrauswurf der beiden Mandatare informierte, begründet mit nicht näher erläuterten Vorwürfen, stand bei den beiden Betroffenen schon fest, selbst aus der Fraktion auszutreten und weiter als freie Mandatare im Gemeinderat mitzuarbeiten.
Bei der Fraktionssitzung am 6. Juli 2026, bei der der Ausschluss laut Pressemitteilung einstimmig erfolgte, waren die beiden betroffenen Gemeinderäte nicht dabei: „Es gab keine Aussprache, niemand ist auf uns zugekommen. Wir haben von unserem Ausschluss aus der Presse erfahren“, erklärt GR Elisabeth Werlberger. Zu den Vorwürfen ohne konkreten Inhalt: „Wir können uns zu diesen Behauptungen nicht äußern, wir waren nicht dabei.“
Konkret stimmten die beiden ÖVP-Mandatare aufgrund der Faktenlage gegen den Abriss des Wave-Erlebnisbades und die Schwimmbad-Finanzierung: „Wir wollen das Schwimmbad nicht verhindern und sind prinzipiell für eine Schwimmlösung in Wörgl für die Region. Wir haben dagegen gestimmt, weil das Wave-Areal nicht verwertet ist und die Höhe der Landesförderung nicht klar ist“, rechtfertigen die beiden Mandatare ihr Abstimmungsverhalten.
Als Landwirtschaftsreferent sprach sich Hubert Werlberger gegen die Versiegelung von 2 Hektar landwirtschaftlicher Fläche (Scheiberfeld) auch deshalb aus, weil für einen Schwimmbad-Neubau am WAVE-Areal ein gewidmetes Areal ohne weitere Grünland-Vernichtung zur Verfügung stehe – voll erschlossen und verkehrsmäßig wesentlich besser angebunden als der neue Standort. Das Grundstück sei im Eigentum der Stadt und verursache nicht monatliche Baurechtskosten von über 20.000 Euro. Den Vorwurf, er habe „Gespräche mit der Opposition geführt“, lässt er nicht gelten: „Ich lasse mir nicht verbieten, mit anderen Mandataren zu reden. Schließlich geht es darum, für Wörgl die besten Ideen umzusetzen.“
In einer schriftlichen Erklärung, zeitgleich verfasst wie die Wörgl-Bewegen-Presseaussendung, halten Elisabeth und Hubert Werlberger fest, weiterhin „Verantwortung für Wörgl, unserem Wertefundament treu und den Menschen verpflichtet“ zu übernehmen und ihren „weiteren politischen Weg im Wörgler Gemeinderat künftig als freie Mandatare fortzusetzen“.
„Diese Entscheidung ist uns keinesfalls leicht gefallen. Sie ist das Ergebnis zahlreicher Ereignisse und Erfahrungen, die uns gezeigt haben, dass politische Verantwortung auch bedeutet, Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen – selbst dann, wenn sie persönlich herausfordernd sind“, heißt es in der gemeinsam verfassten Stellungnahme von Elisabeth und Hubert Werlberger. Und weiter: „Eines möchten wir dabei unmissverständlich festhalten: Unsere Verbundenheit zur Österreichischen Volkspartei bleibt bestehen. Die ÖVP war, ist und wird immer unsere politische Heimat sein. Die Werte, für die die Volkspartei jeher steht – Verantwortung, Verlässlichkeit, Leistungsbereitschaft, Zusammenhalt und das christlich-soziale Menschenbild – prägen unser politisches Handeln weiterhin.“
Die Vorkommnisse der vergangenen Wochen hätten ihnen „deutlich vor Augen geführt, dass das notwendige gegenseitige Vertrauen und der offene Dialog, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit unverzichtbar sind, zuletzt nicht mehr in jener Form gegeben waren, die wir uns für eine konstruktive politische Arbeit wünschen.“ Aus Respekt vor dem Wählerauftrag und dem eigenen politischen Selbstverständnis habe man nun den Weg als freie Mandatare gewählt: „Unser Auftrag gilt den Menschen in Wörgl. Sie haben uns ihr Vertrauen geschenkt, und dieses Vertrauen sehen wir als Verpflichtung. Dieses Mandat werden wir weiterhin mit voller Überzeugung erfüllen. Wir werden uns auch künftig mit ganzer Kraft für unsere Ressorts einsetzen – für ein starkes Sozialwesen, für Familien, Seniorinnen und Senioren, für Menschen, die Unterstützung benötigen, ebenso wie für die Anliegen unserer Landwirtschaft, unserer bäuerlichen Betriebe sowie für den Erhalt unserer regionalen Strukturen und Bruckhäusl. Unser Blick richtet sich nach vorne. Gemeinsam werden wir weiterhin mit voller Kraft für Wörgl arbeiten – unabhängig in unseren Entscheidungen, verlässlich in unserem Handeln und stets im Dienst der Menschen unserer Stadt“, heißt es in der Erklärung.
Die Referenten-Funktionen wurden den Beiden vom Bürgermeister entzogen, weiterhin sind sie durch Wahl im Gemeinderat Ausschussobleute. Elisabeth Werlberger ist Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Bildung, Hubert Werlberger leitet den Ausschuss für Landwirtschaft und ist Ortsvorsteher des Bruckhäusler Ortsausschusses.
