Hochwasserschutz Bruckhäusl: Baustart vorverlegt

Früher als geplant wird der Hochwasserschutz entlang der Brixentaler Ache in Bruckhäusl gebaut – mit dieser Botschaft eröffnete Kirchbichls Bürgermeister Herbert Rieder am 10. Juni 2026 den Informationsabend im Kellerhaus Oberluech, bei dem sich auf Einladung des Vereines Bruckhäusl aktiv über 60 Interessierte einen Überblick über die anstehenden Baumaßnahmen verschafften.

Als Ansprechpartner gaben weiters Kirchbichls Bauamtsleiter DI Andreas Egger, Planer DI Mathias Hochschwarzer vom Planungsbüro Patscheider & Partner sowie der Obmann des Hochwasserschutzverbandes Brixentaler Ache Christian Sandbichler ausführlich Auskunft, beantworteten Fragen und gaben Einblick in die Planunterlagen, wofür sich Bruckhäusl aktiv-Obmann Thomas Gasteiger bedankte.

„Wir sind in der glücklichen Lage, dass der Bund die Förderung bereits fix zugesagt hat und wir heuer im Spätherbst schon mit den Bauarbeiten im Bereich Bruckhäusl starten können“, teilte Bgm. Rieder mit. Der Bund steuert mit 5 Millionen Euro den größten Finanzbrocken zum Baulos M08 bei, für dessen Umsetzung das Baubezirksamt Kufstein/Abteilung Wasserbau verantwortlich zeichnet.

Einen Überblick über das Gesamtprojekt Hochwasserschutz Brixentaler Ache gab einleitend Planer DI Mathias Hochschwarzer, derseit 2020 mit dem Projekt betraut ist. Das Teilprojekt A im Oberlauf der Ache von Hopfgarten bis Brixen ist noch in Ausarbeitung. Begonnen wurde bereits im Unterlauf mit dem Teilprojekt B, beginnend bei der Mündung in den Inn, wo vorgezogen die Rendlbrücke erhöht und seit Herbst 2025 die Schutzbauten von Flusskilometer 0,18 bis 1,47 bei der Grattenbrücke errichtet werden und die Arbeiten bald abgeschlossen sind.

Das Teilprojekt B untergliedert sich in vier Bereiche, wobei Hopfgarten mit Ertüchtigung des Gerinne Haslau-Bruggberg  erst ab 2028 realisiert werde. In Bau befindet sich das Baulos M07 mit Errichtung des Retentionsbeckens Einöden auf Itterer Gemeindegebiet. Dieses soll die Hochwasserwelle kappen und damit die neuen Linearmaßnahmen ausgleichen. „Erst ab einem 50jährlichen Hochwasser wird das Becken mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Kubikmetern geflutet“, erklärte Christian Sandbichler die geplante Funktionsweise des Rückhalteraumes, der weiterhin als Wiese genützt wird.

Damit soll die erste Hochwasserwelle samt mitgeführtem Treibgut abgefangen werden, wobei man mit einer Befüllungszeit von vier bis fünf Stunden rechnet. Im Schadensfall ist der Hochwasserschutzverband fürs Ausräumen von Schwemmgut zuständig. Betroffen sind zwei Grundeigentümer. Die beiden nicht ständig bewohnten Gebäude am Rand werden nicht geflutet – eines wird mittels Mauer geschützt, das andere flussaufwärts liegt unterhalb des Einstau-Niveaus. Der  Rückfluss des Wassers in die Ache erfolgt durch eine Rechenanlage. Der Damm kann bei einem Extrem-Ereignis überspült werden. Der Wasserrückhalt ist aufgrund des Wasserrechtsgesetzes erforderlich, um Unterliegern keine Verschlechterung durch Dammbauten zu bescheren.

Ufererhöhung im Bruckhäusler Ortsgebiet

„Der umgesetzte Hochwasserschutz ist auf ein 100jährliches Ereignis ausgelegt“, erklärte Hochschwarzer, wobei während der Planungsphase das Kelchsauer Hochwasser von 2021 eingerechnet und damit die Dammhöhe um 20 cm erhöht wurde. Zum höchsten Wasserstand wird noch ein Freibord von 50 cm hinzugefügt, womit selbst bei einem 300jährlichen Ereignis noch Schutz gewährleistet sein sollte.

Teile von Bruckhäusl liegen derzeit in gefährdeten Zonen – was alles überschwemmt würde, machte eine Plandarstellung klar. Mit der neuen Ufererhöhung entlang der Ache auf Kirchbichler Gemeindegebiet werden diese Gebiete geschützt, damit fallen dann auch zonenbedingte Einschränkungen beim Bau, der Gefahrenzonenplan wird dann angepasst, so Hochschwarzer.

Der Abschnitt M08 reicht von Flusskilometer 3,72 (Höhe Elektro Eder) bis 5,26 (Einmündung Haslachbach) und umfasst eine Länge von rund 1,5 Kilometern. „Geschützt wird nur Siedlungs- und Gewerbegebiet. Landwirtschaftliche Flächen sind weiterhin Überflutungsraum“, erklärt Hochschwarzer den Umstand, dass zwischen Grattenbrücke und Beginn der Ufermauer Bruckhäusl keine weiteren Verbauungen vorgenommen werden.

Auf Wörgler Gemeindegebiet wird lediglich im Einfahrtsbereich des Umfahrungstunnel Bruckhäusl westseitig eine Schutzmauer errichtet. Ansonsten sind keine Baumaßnahmen in diesem Abschnitt auf Wörgler Seite vorgesehen. Überflutungsraum wird der Ache im Bereich des Kraftwerks Bruckhäusl zugestanden. Aufgrund der erstellten Überflutungsprofile sei dadurch das Siedlungsgebiet in Wörgl-Boden entlang der Bahn nicht gefährdet.

In Flussrichtung beginnt die Ufererhöhung östlich des Ortszentrums mit einem erhöhten Damm, auf dem dann auch der Radweg geführt wird. Dieser bleibt sonst allerdings auf dem bestehenden Niveau. „Die neue Ufermauer wird ja nach Gelände eine Höhe von 0,5 bis ca. 1,50-1,70 Meter erreichen“, erklärte Hochschwarzer. Der Grundwasserabfluss werde durch die Dammerhöhung nicht beeinflusst. Die neue Ufermauer sei dann eine Barriere zur Ache – bisherige „Hauszugänge“ zum Bach müssten dann über die Mauer erfolgen.

„Werden alle Bäume entlang der Ache gerodet?“ wollten Anrainer wissen. „Es gibt ökologische Begleitmaßnahmen. Hohe Bäume müssen wegen des Fundamentbaues weg. Es werden heimische Bäume und Sträucher nachgepflanzt und die Wurzelstöcke werden wieder eingegraben“, erklärte Bauamtsleiter Egger. Mit der Neubepflanzung wolle man auch Neophyten wie Knöterich und Springkraut zurückdrängen.

Radwegschließung: Ausweichen auf Mehrzweckstreifen

Baustellenbedingt muss der Radweg entlang der Ache phasenweise gesperrt werden. Ausweichen können Radfahrer auf den Mehrzweckstreifen entlang der Gemeindestraße. Nach Abschluss der Ufererhöhung werden die Wege wiederhergestellt – das heißt, der Schotter bleibt, wo nicht jetzt schon asphaltiert ist. „Wir werden aber feineren Schotter als den jetzigen verwenden“, so Egger. Als Bauzeit für die Ufererhöhung Bruckhäusl wird rund ein Jahr veranschlagt.

Kein Kraftwerk Egerndorf

Beim Info-Abend tauchte auch die Frage nach dem von Wörgl geplanten Kraftwerk Egerndorf auf, das den Achen-Abschnitt von der Pegelmessstelle bis zur Grattenbrücke betreffen würde. „Für uns ist diese Kraftwerk Geschichte. Wir haben einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss dagegen“, erklärte Bgm. Herbert Rieder und begründete die Entscheidung der Gemeinde Kirchbichl mit der Grundwassersituation: „Für das Kraftwerk wären Spundwände in den Boden geschlagen und ein Begleitkanal zur Ableitung des Grundwassers geplant gewesen. Es konnte aber nicht garantiert werden, dass es nicht trotzdem zu einem Rückstau und damit zu nassen Kellern kommt. Und das kommt für uns nicht in Frage“, so Rieder, der beim eindeutigen Nein auch bleiben will.

Gefragt wurde auch nach Schutzbauten im Bereich der Schrebergärten entlang der Bahn auf Wörgler Seite auf Höhe des Egger-Werkes. Ursprünglich wurde dort der Damm direkt bei der Bahn vorgesehen, womit die Schrebergärten überflutet würden. Das wurde nun abgeändert, jetzt wird die Ufermauer entlang der Ache erhöht.

„Die beste Botschaft heute ist, dass wir früher bauen können. Das Hochwasser reichte in Bruckhäusl früher immer wieder bis zur Kirche und zur Schule, viele Wohnhäuser waren betroffen“, zog Bgm. Rieder Bilanz nach dem informativen Abend und lud Betroffene ein, weitere Fragen im Bauamt Kirchbichl abzuklären.

Informationsabend zum Hochwasserschutz in Bruckhäusl – v.l. Planer DI Mathias Hochschwarzer, Hochwasserschutzverbands-Obmann Christian Sandbichler, Bauamtsleiter Ing. Andreas Egger, Bruckhäusl aktiv-Obmann Thomas Gasteiger und Bürgermeister Herbert Rieder. Foto: Veronika Spielbichler
Über 60 Interessierte kamen zum Hochwasserschutz-Infoabend im Kellerhaus Oberluech. Foto: Veronika Spielbichler
Bürgermeister Herbert Rieder freut sich über den früheren Baubeginn im Spätherbst 2026. Foto: Veronika Spielbichler
Erläuterte das Hochwasserschutzprojekt Brixentaler Ache: DI Mathias Hochschwarzer. Foto: Veronika Spielbichler
Planung Hochwasserschutz Brixentaler Ache – Einreichung und Umsetzung erfolgt in Bau-Etappen.
Die Maßnahmen im Teilprojekt B.
Bereich M08: Ufererhöhung im Ortsgebiet von Bruckhäusl. Die türkis eingefärbten Flächen zeigen die Überflutungsgebiete ohne neuen Hochwasserschutz.
Maßnahmen im Bereich Bruckhäusl: Damm und Mauern.
Auch Wörgler interessierten sich für die geplanten Schutzmaßnahmen – hier im Bereich der Schrebergärten entlang der Bahn im Bereich Egger-Werk.
Derzeit läuft der Bau des Retensionsbeckens Itter. Foto: Veronika Spielbichler
Nach dem Bau wird das Becken wieder als Wiese genützt. Foto: Veronika Spielbichler
Dieses Gebäude wird durch eine Mauer geschützt. Foto: Veronika Spielbichler
Für den Baustellenverkehr besteht derzeit eine aufgeschüttete Überfuhr über die Ache in Einöden. Früher befand sich in diesem Bereich auch eine Brücke – fürs Radwegenetz wäre sie eine tolle Ergänzung. Foto: Veronika Spielbichler