Im Wörgler Gemeinderat am 1. Juli 2026 stand eine Reihe personeller Entscheidungen auf der Tagesordnung – darunter nach dem Zurücklegen sämtlicher politischer Funktionen von Roland Ponholzer die Neuwahl des 2. Vizebürgermeisters. Die geheime schriftliche Wahl gewann Verkehrsreferent Hubert Aufschnaiter von der ÖVP-Liste Wörgl Bewegen mit 14 Stimmen, Stadträtin Astrid Rieser von der Liste Wir für Wörgl – Liste Roland Ponholzer erhielt sieben Stimmen. Mit der Wahl Aufschnaiters muss nun Elisabeth Werlberger ihren Stadtrat-Sitz abgeben.
Nach der Tiroler Gemeindeordnung sind alle im Stadtrat vertretenen Parteien berechtigt, eines ihrer Mitglieder für die Wahl zum Vizebürgermeister vorzuschlagen. Vorschlagsberechtigt waren damit „Wörgl Bewegen – Team Michael Riedhart – Wörgler Volkspartei“, die „Liste Hedi Wechner“ und die Liste „Wir für Wörgl – Liste Roland Ponholzer“. Die jeweiligen Wahlvorschläge müssen von mehr als der Hälfte der Mitglieder der Mandatare der betreffenden Gemeinderatspartei unterschrieben sein. Daran scheiterte offenbar die Liste Hedi Wechner, die keinen Vorschlag eingebracht hat.
„Welche Auswirkungen hat die Vizebürgermeisterwahl auf den Stadtrat?“ wollte nach abgeschlossenem Wahlvorgang WfW-GR Patricia Kofler wissen. Die rechtliche Lage ließ Bgm. Riedhart die neue Stadtamtsdirektorin MMag. Christina Geisler erklären. Laut § 23 TGO bestehe der Vorstand aus dem Bürgermeister, seinen Stellvertretern und stimmberechtigten Mitgliedern. Laut § 24 verliere bei der Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes ein Mitglied aus der Liste die Vorstandstelle, entsprechend der Listenreihung. Da Hubert Aufschnaiter bislang keinen Stadtratsitz inne hatte, könnte das Gremium um einen Sitz erweitert werden – oder ein Stadtrat verliere seinen Sitz. Worauf Bürgermeister Riedhart erklärte, dass Elisabeth Werlberger ihren Stadtrat-Sitz verliere und damit wieder Gemeinderätin werde. Diese verließ umgehend den Sitzungssaal.
Ponholzers Ausscheiden führt bei der Liste Wir für Wörgl zu zahlreichen personellen Änderungen in Ausschüssen und Gremien. Im Ausschuss für Wirtschaft wird Gottfried Schneider statt Ponholzer und Patricia Kofler anstelle der ebenfalls ausscheidenden Emine Navruz mitarbeiten. Im Ausschuss für Bau und Raumordnung wird Kofler entsandt, in den Ausschuss für Wohnen Schneider. Im Ausschuss für Innovation, Nachhaltigkeit und Öffis rückt Kofler stimmberechtigt nach, als Ersatz STR Astrid Rieser. Im Ausschuss für Jugend, Familie, Frauen und Integration übernimmt Tanja Kaltenmarkt Ponholzers Sitz, statt Navruz wird Ivana Preradovic Ersatzmitglied. Im Ausschuss für Verkehr und Sicherheit übernimmt Kofler Ponholzers Ersatzmitglieds-Sitz und im Beirat der Vermögensverwaltungs-KG sitzt künftig Rieser statt Ponholzer.
Weitere personelle Änderungen gibt´s bei der Liste Hedi Wechner: Im Ausschuss für Verkehr und Sicherheit übernimmt Manfred Höck das Ersatzmandat von Dr. Christian Büsel und im Ausschuss für Jugend, Familie, Frauen und Integration wird statt Büsel Eva Steibl-Egenbauer mitwirken. Im Seniorenbeirat übernimmt Anna Fuchs den Sitz von Rolf Kainzner.
WERGEL AG: Aufsichtsrat-Neubestellung sorgt für Unmut
Abberufung und Neubestellung von Aufsichtsratsmitgliedern der WERGEL AG sorgte für heftige Kritik aus Reihen der Gemeinderätinnen, die sich an der Vorgangsweise erhitzt. Zunächst erklärte sich GR Dr. Herbert Pertl als Aufsichtsratvorsitzender und Gemeinderat aufgrund eines „Pflichtkonfliktes“ für befangen und verließ den Sitzungssaal.
Aus dem Aufsichtsrat abberufen werden sollte die Grün-Gemeinderätin Mag. Özlem Harmanci – mit der allerdings vorab kein Gespräch geführt wurde. „Dieses Vorgehen ist ohne Begründung und Transparenz“, meldete sich in Abwesenheit der Betroffenen Listenkollegin DI Catarina Becherstorfer zu Wort, und weiter: „Das war nicht geplant, wurde nicht kommuniziert, es ist eine Einzelentscheidung.“ Man hätte sich ein persönliches Gespräch erwartet. „Aber wahrscheinlich verdient eine junge Frau inmitten von Männern keine Erklärung“, so Becherstorfer.
Gründe für die Abberufung wollte WfW-GR Patricia Kofler wissen, die meinte: „Welches Signal wird da an junge Mütter und Frauen gesendet? Eine Abberufung ohne Vorgespräch!“
„Laut Aktiengesetz ist keine Begründung nötig“, erklärte Bgm. Michael Riedhart, der als Bürgermeister Vertreter der Alleinaktionärin Stadtgemeinde Wörgl ist. Er begründete seine Entscheidung mit „mangelnder Teilnahme an Sitzungen und mangelndem Einbringen schon vor der Mutterschaft.“ Der Aufsichtsrat habe eine wichtige Kontrollfunktion. Die Abberufung der Juristin Harmanci erfolgte mit 13 Ja-Stimmen bei 5 Gegenstimmen und zwei Stimmenthaltungen.
Ihren Rücktritt aus dem Aufsichtsrat der WERGEL AG erklärten im Vorfeld der Gemeinderatsitzung Bgm. Michael Riedhart und Amir Music. Gemäß Aktiengesetz werden Aufsichtsräte von der Hauptversammlung gewählt – da die Stadtgemeinde Wörgl Alleinaktionärin der WERGEL AG ist, übt sie (und damit der Gemeinderat als oberstes politisches Gremium) die Rechte der Hauptversammlung aus. Der Bürgermeister habe als Vertreter der Alleinaktionärin die getroffene Entscheidung des Gemeinderates in Hauptversammlung umzusetzen.
Zur Neubestellung der drei frei werdenden Sitze wurden FWL-GR Christopher Lentsch, Dr. Daniel Bramböck und Marco Kreidl vorgeschlagen.
Riedhart begründete seinen Rückzug damit, dass er „Platz machen will für andere“, er sei als Eigentümervertreter ohnehin bei allen Sitzungen dabei und könne seine Stimme einbringen: „Ich mache einen Schritt zur Seite.“ Music lege die Funktion aufgrund beruflicher Veränderung zurück, er sei künftig Novartis CEO in Basel und habe keine Zeit mehr.
„Ich bin ein Kritiker der WERGEL AG, die FWL hat auch schon einmal den Antrag auf Auflösung der WERGEL AG gestellt – und bin immer noch dieser Meinung und bleibe sehr kritisch“, erklärte Christopher Lentsch und dankte für die Berufung.
LHW-GR Mag. Gabi Madersbacher bedauerte, dass es nun keine Frauen mehr im Aufsichtsrat gäbe. Bei künftigen Nachbesetzungen sollte darauf geschaut werden – sie selbst stehe aber nicht zur Verfügung. Als Eigentümervertreter habe Riedhart auf „ausgewogene Kompetenzen durch Juristen und Steuerberater“ geachtet, nicht auf Abbildung der Gesellschaft.
„Welche objektiven Kriterien und Voraussetzungen hat ein Aufsichtsrat zu erfüllen?“ fragte WfW-GR Kofler nach. Und wie könne der Überprüfungsausschuss ohne Interessenskonflikt weiterarbeiten, da auch Lentsch diesem Gremium angehöre. Pertl habe sich aufgrund des Aufsichtsratsvorsitzes als befangen erklärt, er sei der einzig aktive Aufsichtsrat derzeit im Gemeinderat. Riedhart erklärte, dass nach Qualifikation ausgewählt werde – das sei auch bei Abler und Pertl so gewesen. Becherstorfer räumte ein, dass man sich „intensiv mit der Materie befassen muss, sonst kann man nichts beitragen.“
Riedhart wies darauf hin, dass alle Aufsichtsräte eine Schulung absolvieren, was bei Harmanci allerdings nicht der Fall war. „Harmanci ist studierte Juristin – ihre Kompetenz ist nicht in Frage zu stellen“, erklärte dazu Becherstorfer.
WfW-GR Kofler beleuchtete den beruflichen Hintergrund von Dr. Bramböck, der als neuer Aufsichtsrat bestellt werden sollte: „Laut Firmenbuch ist er u.a. Geschäftsführer bei acht Immobilienfirmen.“ Die wirtschaftliche Erfahrung bringe er mit, aber ob es da auch zeitliche Ressourcen gäbe? Worauf Riedhart meinte, „Bramböck ist ein Organisationstalent.“
Bei der Abstimmung wurden die drei Vorgeschlagenen mit 13 Stimmen bei 4 Gegenstimmen und drei Stimmenthaltungen zu neuen Aufsichtsräten der WERGEL AG bestellt.
Neue Stadtamtsleitung
Nachdem das Dienstverhältnis mit Stadtamtsdirektor Mag. Peter Erhart einvernehmlich aufgelöst wurde und seit 1. Juni dessen Agenden interimistisch von seiner Stellvertreterin MMag. Christina Geisler übernommen wurden, stand am 1. Juli 2026 ihre Bestellung zur Stadtamtsdirektorin auf der Gemeinderats-Tagesordnung. Dabei erklärte sich ihr Vater GR Dr. Andreas Widschwenter als befangen und verließ den Sitzungssaal.
Die TGO sieht eine geheime schriftliche Abstimmung vor. Ersatz-GR Andreas Schmidt stellte den Antrag auf offene Abstimmung, dem 13 Mandatare zustimmten. Die dafür nötige Zweidrittel-Mehrheit wurde nicht erreicht. Die Bestellung Geislers zur neuen Stadtamtsleiterin erfolgte mit 14 Ja-Stimmen bei 5 Nein-Stimmen und einer Stimmenthaltung.
Bei der Besetzung ihres Stellvertreters ging die Abstimmung im Gemeinderat mit 17 Ja-Stimmen zugunsten einer offenen Abstimmung aus. MMag. Martin Doppelbauer wurde daraufhin mit 19 Ja-Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen zum neuen stellvertretenden Stadtamtsdirektor bestellt. Doppelbauer ist Jurist und Betriebswirt und seit 1. Juni 2026 Leiter der Personalabteilung. Der verheiratete Vater von zwei Kindern stammt aus Linz und sieht sich als „Quereinsteiger in der Verwaltung“.


