Nach Vorlage des Prüfungsberichtes betreffend die Seniorenheimwäsche fordern die beiden Wörgler Gemeinderätinnen Patricia Kofler von Wir für Wörgl und Iris Kahn von den Wörgler Grünen eine behördliche Prüfung und bringen Aufsichtsbeschwerde bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein ein, wie sie in einer gemeinsamen Presseaussendung am 14. Oktober 2026 mitteilen.
„Keine Ausschreibung und keine Vergleichsangebote, ein Vertrag ohne die erforderlichen Unterschriften, verschwundene Unterlagen, unzureichende Rechnungskontrolle und stark gestiegene Kosten: Die mehr als zweijährige Prüfung der Seniorenheim-Wäscherei durch den Überprüfungsausschuss hat schwere Missstände aufgezeigt. Wichtige Fragen zur Auftragsvergabe und zur Verantwortung bleiben offen“, stellen Patricia Kofler (Wir für Wörgl) und Iris Kahn (Wörgler Grüne) fest – beide sind Mitglied im städtischen Überprüfungsausschuss – und „fordern eine unabhängige Prüfung des Umgangs mit öffentlichen Geldern bei den Wäschereileistungen.“
Kofler und Kahn: „Finanzabteilung warnte – Riedhart gab Zahlungen trotzdem frei“
„Aufgrund des massiven Kostenanstiegs durch das neue Wäschereiunternehmen reichte das vorgesehene Budget der Stadt nicht aus. Nach den Erkenntnissen des Ausschusses gab Bürgermeister Michael Riedhart Zahlungen trotz Warnung der Finanzabteilung frei. Über 170.000 Euro waren im Budget nicht gedeckt. Trotzdem wurden Zahlungen ausgeführt und erst Monate später genehmigt. Wer öffentliches Geld freigibt, trägt Verantwortung und kann sie nicht auf Mitarbeitende oder frühere Heimleitungen abschieben. Eine Stadt verantwortungsvoll zu führen heißt, Warnungen ernst zu nehmen und rechtzeitig zu handeln“, erklärt Kofler.
Weniger Bewohner – fast viermal so hohe Kosten
Kahn verwies in der Gemeinderatssitzung am 7. Oktober 2026 darauf, „dass die Bewohnerzahl innerhalb von drei Jahren von 134 auf 98 sank. Gleichzeitig stiegen die Wäschereikosten von rund 105.000 auf 375.000 Euro. Bereits 2023 wurden die monatlichen Vorauszahlungen auf bis zu 24.000 Euro brutto erhöht. Zuvor waren solche Vorauszahlungen nicht üblich. Die pauschalen Rechnungen ließen keine genaue Kontrolle der Leistungen zu. Gleichzeitig gab es Berichte über verschwundene Wäschestücke und schlecht gereinigte Kleidung. Weniger Bewohner, fast viermal so hohe Kosten – wie erklärt die Stadtführung das? Wenn Leistungsnachweise fehlen, stellt sich auch die Frage: Wo war die Kontrolle? Die Bevölkerung hat ein Recht zu erfahren, wofür ihr Geld ausgegeben wurde. Vom Bürgermeister bekommen wir keine Antworten. Deshalb fordern wir unabhängige Aufklärung“, so Kahn.
„Auftragsvergabe und Verantwortung bleiben ungeklärt“
Wer den Anbieterwechsel 2022 veranlasste und warum, konnte ebenso nicht geklärt werden. „Als Begründung wurde seitens des Amtes angeführt, es habe sich um Einzelaufträge gehandelt. Ob dieses Vorgehen zulässig war, soll angesichts der regelmäßigen Leistungen dieser Wäscherei und der hohen Gesamtkosten geprüft werden“, heißt es in der Aussendung.
„Die Bezirkshauptmannschaft soll die Auftragsvergabe, die Zahlungsfreigaben und die Rechnungskontrolle untersuchen. Auch mögliche finanzielle Nachteile für die Stadt und die Verantwortung sollen geklärt werden. Die Missstände sind nun offiziell bekannt. Ein Abschlussbericht des Überprüfungsausschusses darf aber kein Schlussstrich sein. Aufklärung darf nicht dort enden, wo sie politisch unangenehm wird. Es muss auch sichergestellt werden, dass sich solche undurchsichtigen Vorgänge nicht wiederholen“, erklären Kofler und Kahn gemeinsam.

