Bissige Satire-Bilanz 2023: Koschuh in Hochform

Das Jahr 2023 hat den Tisch für Kabarettisten überreichlich gedeckt – so stand Markus Koschuh für seinen satirischen Jahresrückblick „Jahrmarkt der Heiterkeiten“ vor der Entscheidung, was er weglassen sollte, um die abendfüllende Auflistung  politischer „Realsatire“ nicht zeitlich zu sprengen. Koschuh wirbelte durch den Blätterwald, stülpte sich die Narrenkappe ebenso auf wie die Kapitänsmütze und führte als Puppenspieler die Tiroler ebenso wie die Österreichische Polit-Elite vor.

Nach sieben ausverkauften Vorstellungen erlebten die Gäste im Komma Wörgl am 13. Jänner 2024 den Tiroler Spitzenkabarettisten beim letztmalig aufgeführten „Jahrmarkt der Heiterkeiten 2023“  in Hochform. Neben all den Schnapsideen, „High- und Low-Lights“ aus Tirol und Bund schaffte es Wörgl mit Wave und Regionalbad in die Bühnenshow, zu der Harald Windisch die Regie beisteuerte.

Ob Strompreis-Rallye der Tiwag, MCI-Theater, den Absturz von Gemnova oder Tirols „Immobilienmogul aus Bodenhaltung“ – intelligentsresistente Personen spürte Koschuh „im Jahr der künstlich aufgeblähten und geplatzten Bilanzen“ ebenso auf wie die dümmsten Sager des Jahres, mit denen er die Ex-Außenministerin Kneissl und Tirols Seilbahner Hörl adelte. Gar nicht lustig findet Koschuh Tirols Energiepolitik, gehöre die Tiwag als Aktiengesellschaft doch zu 100 % dem Land und damit uns allen. Statt den Strompreis nieder zu halten, habe die Landesregierung die Bevölkerung zu Almosenempfängern degradiert, „mit Zuschüssen zugeschissen“. Nicht einsehbar bei einem Bilanzgewinn von 180 Millionen Euro 2022 und Rücklagen von 1,4 Milliarden!

Sein pantomimisches Talent packte Koschuh in der Rubrik „Scharade“ aus und ließ das Publikum raten, was er da so gestenreich und wortlos vorführt und belohnte das Erraten von Schwimmbadschließungen, Blockabfertigung, Kurz-Film und Walser-Rücktritt mit Traubenzucker. Koschuh entging nicht Kufsteins zweifelhafter Aufstieg zur Kokain-Hauptstadt laut Abwasseranalyse, was ihn zur kreativen Namensänderung zu „Schnupfstein“ inspirierte.

Bei den Schnapsideen des Jahres hagelte es Kritik am Umgang mit den Handelsangestellten bei den Tarifverhandlungen und am Vorschlag, Soldaten als Lehrer an Schulen einzusetzen. Um die absurden Vorgänge rund um die Wahl des SPÖ-Parteichefs kommt 2023 wohl kein Kabarettist herum. Dass die Stadt Hall die Vereinsförderungen um die Hälfte kürzt zählt für Koschuh ebenso zu den Schnapsideen wie die Tiwag-Kraftwerkspläne im Kaunertal. Dass die Genanalyse Ötzi in Anatolien verortet streifte Koschuh in seiner rasanten Gag-Show ebenso wie Dornauers Wolfs-Sager.

Doch wird 2024 alles besser? Wiederholt die „ewige Sanduhr des Daseins“, die immer wieder umgedreht werde, alles nochmal? Beim abschließenden Blick in die Glaskugel sieht Koschuh auch „Wörgls Bürgermeister mit einem Plastik-Krokodil auf der grünen Wiese“, wie er immer noch über die Kosten des Regionalbades orakle. Fix ist jedenfalls, dass der gewitzte Tiroler Kabarettist auch nächstes Jahr wieder beim „Jahrmarkt der Heiterkeiten“ Bilanz ziehen wird. Wer über seine weiteren Programme informiert sein und eine spaßige Wohnzimmerlesung gewinnen will, kann sich über office@markuskoschuh.at für den monatlichen Koschuh-Newsletter anmelden.