Im Herbst 2025 sperrt die neue Kinderkrippe Zwergenhäusl Bruckhäusl auf. Im Gegensatz zu Volksschule und Kindergarten beteiligte sich Wörgl bei dieser im Auftrag der Gemeinde Kirchbichl privat geführten Kinderbetreuungseinrichtung nicht mit der Hälfte der Kosten. Das wirkt sich jetzt auf die Familien in Wörgl Boden aus: Wenn ihre Kinder Platz finden, ist zu den monatlichen Gebühren ein Mietzuschlag in der Höhe von 120 Euro zu bezahlen.
„Das ist ein Problem der Wörgler Gemeindeführung“, stellt Kirchbichls Bürgermeister Herbert Rieder dazu klar. „Wörgl hätte mittun sollen, aber dort wollte man das nicht. Es hieß, Wörgler Kinder sollen in Wörgler Kinderkrippen betreut werden.“ In Kirchbichl werden die Kinderkrippen vom Verein EKIZ Familientreff geführt. „Wir haben mehrmals versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden. Aber zur Zeit wird das nicht gewünscht“, so Rieder, dem die Problematik im Magen liegt. Derzeit haben Wörgler Kinder kein Anrecht auf einen Krippenplatz und kommen nur unter, „wenn Restplätze frei sind“. Auch der Umstand, dass das Familieneinkommen zum Entscheidungsfaktor wird, stört Rieder.
Damit wird die Leitung der Betreuungseinrichtung jetzt unfreiwillig zum Prellbock und ist mit der Lage der Eltern konfrontiert, die nicht nur durch wesentlich höhere Kosten sondern auch durch längere Transportwege und dem Problem belastet sind, dass bei mehreren kleinen Kindern diese an unterschiedlichen Standorten unterzubringen sind. Und da fallen auch zusätzliche Transportwege an – Kindergartenkinder nach Bruckhäusl, jüngere Geschwister nach Wörgl.
Mit den wesentlich höheren Kosten für die Kinderbetreuung alles andere als gute Bedingungen für einen beruflichen Wiedereinstieg der Mütter. Die Monatstarife für die Betreuung sind individuell gestaffelt – je nach Dauer der Unterbringung und liegen vormittags von 7-14 Uhr zwischen 98 Euro für einen Tag bis zu 255 Euro für fünf Tage, nachmittags von 12-17 Uhr zwischen 84 und 207 Euro und ganztags von 7-17 Uhr zwischen 119 und 307 Euro.
Kirchbichls Bürgermeister Rieder beziffert die jährlichen Mietkosten mit 60.000 Euro und den monatlichen Mietkostenanteil für Wörgler Kinder mit 200 Euro. „Die neue Kinderkrippe in Bruckhäusl wird von einer privaten Einrichtung im Auftrag der Gemeinde Kirchbichl betrieben. In Wörgl gilt für private Einrichtungen das Prinzip der Selbstständigkeit, wobei die Stadtgemeinde finanzielle Unterstützung leistet – beispielsweise durch eine Objektförderung von € 80.- pro Monat und Kind im Kinderkrippen- und Kindergartenbereich“, teilt Wörgls Familienreferent Vizebgm. Kayahan Kaya dazu auf Anfrage mit. Die Stadtgemeinde werde für Kinder, die in Bruckhäusl eine Betreuung in Anspruch nehmen, eine Förderung in derselben Höhe bereitstellen. „Ein genereller Ersatz der Mietkosten durch die Stadt Wörgl würde jedoch zu einer Ungleichbehandlung der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen in Wörgl führen“, argumentiert Kaya und räumt ein, dass „das noch nicht die optimale Lösung ist.“ Den Familien aus aus Bruckhäusl würden wie allen anderen Wörgler Familien Betreuungsplätze in den städtischen Kinderkrippen Wörgls zur Verfügung stehen. Die Stadt fördere „unsere drei privaten Einrichtungen aktuell jährlich im Schnitt mit 26.800 Euro.“
Für die Wörgl Boden stammende Sozialstadträtin Elisabeth Werlberger keine zufriedenstellende Lösung. Die neue Kinderkrippe, in der 24 Plätze für zwei Gruppen geschaffen wurden, nimmt Wörgler Kinder nur auf, wenn Restplätze frei sind. Das ist für Herbst 2025 zwar der Fall, wie Geschäftsführerin Sandra Estermann mitteilt, aber auf lange Sicht wünscht sie sich „eine nachhaltige Lösung, bei der die Bruckhäusler Kinder alle im Ort betreut werden.“ Mit ihrem Mann, dem Ortsvorsteher von Bruckhäusl Gemeinderat Hubert Werlberger, sei sie sich der Thematik bewusst, sie würden weiter aktiv an Lösungen arbeiten. Werlberger lädt betroffene Familien ein, sich bei ihr zu melden – um „Lösungen für Familien mit wenig Einkommen zu finden und festzustellen, wieviele betroffen sind“. Werlberger wolle auch nochmals Gespräche mit der Gemeinde Kirchbichl führen.
- Ab September 2025 eröffnet im neuen Gebäude der Alpenländischen Heimstätte in Bruckhäusl eine neue Kinderkrippe. Foto: Veronika Spielbichler