„Stabil an deiner Seite – auf allen Wegen“ – unter diesem Motto startete am 12. Juni 2026 in Wörgl die SPÖ Tirol ihre aktuelle Mobilitätskampagne. Situationsgerecht mit einer Pressekonferenz im Regiobus, bei der LH-Stv. Philip Wohlgemuth, Verkehrslandesrat René Zumtobel, LA STR und SPÖ-Verkehrssprecher Christian Kovacevik ihre Vorschläge für den Personen- und Güterverkehr darlegten.
„Wer kein Auto hat, ist benachteiligt“, begründete Wohlgemuth die Forderung nach weiterem Ausbau des öffentlichen Verkehrs zum flächendeckenden Netz samt günstiger Tickets für alle Altersgruppen. „Mobilität beginnt in der Kindheit – hier gilt es Familien zu entlasten“, so Wohlgemuth. Vor allem im ländlichen Raum seien zusätzliche Busverbindungen nötig. „In Tirol leben 180.000 Menschen in Regionen, die mit Bus und Bahn kaum erreichbar sind“, so Wohlgemuth, der sich einen „neuen Tiroler Mobiltätsstandard für ganz Tirol“ wünscht und darin eine Frage der sozialen Gerechtigkeit sieht.
„Auf der Inntalachse funktioniert der öffentliche Verkehr bereits gut, in anderen Tälern ist es unterschiedlich“, so Zumtobel, der auch hier eine Ungerechtigkeit sieht: „Wenn der Bund zahlt, ist es für die Gemeinden günstiger.“ Der künftige Mobilitätsstandard solle möglichst bis nahe an die Haustür reichen, wobei dazu „Regio-Taxis auf Abruf beitragen können“. Ein weiteres Ziel des Verkehrslandesrates ist ein „billiges Ganzjahresticket für Volksschulkinder und die Gratis-Öffi-Nutzung bei Schulveranstaltungen.“
Schwerverkehr von der Straße auf die Schiene
„Der Schwerverkehr ist ein heißes Eisen in Tirol. Wir sind für eine weitere konsequente Verlagerung von der Straße auf die Schiene“, hielt Wohlgemuth zum zweiten großen Mobiliätssektor fest. Das Land Tirol habe hier seine Hausaufgaben gemacht: „Wir haben wie die Löwen für den Weiterbau der Unterinntaltrasse gekämpft! Wir brauchen solche Infrastruktur-Projekte zur Entlastung des Landes.“
Zumtobel wies auf die Maut-Ungerechtigkeit hin, die den Brenner trotz kürzerer alpenquerender Routen zur Hauptachse machen: „Drei von 10 Lkw fahren trotz kürzerer Strecke über die Schweiz trotzdem über den Brenner. Vergangenes Jahr zählten wir am Brenner rund 2,5 Millionen Lkw!“ Um Kostengerechtigkeit zu erreichen, brauche man aber Partner in Deutschland und Italien.
Die Straße ist zu billig – das zeige auch die Auslastung der „Rollenden Landstraße“, deren Terminal in Wörgl von der SPÖ-Delegation vorab besucht wurde. „Auffällig ist, dass die Auslastung steigt, sobald auf der Autobahn die Lkw-Kontrollen durchgeführt werden“, stellte Wohlgemuth fest. Deshalb fordere man auch weiterhin strengere Kontrollen dort, wo der Transit weiter auf der Straße läuft und einen Länder-übergreifenden Mautgipfel.
„Mit der RoLa wurden im vergangenen Jahr 110.000 Lkw befördert, wobei 14 Zugpaare nach Brennersee und eines nach Trento gehen. Täglich könnten 1.270 Lkw ab Wörgl befördert werden, derzeit sind es durchschnittlich 890. Beim Autobahnstreik am 30. Mai wurde eine Auslastung von 80 % erzielt“, berichtete Kovacevic, der die RoLa trotz Kritik am Transportsystem weiterhin als notwendig erachtet: „Container-Verkehr wäre sinnvoller, geht aber nicht überall. Auch aufgrund der EUGH-Klage ist die RoLa als Alternative wichtig.“ Der RoLa-Terminal wurde mit einem neuen Betriebsgebäude ausgestattet. Den Lkw-Fahrern werden eine Stunde vor Verladung der Lkw die Parkplätze am Gelände zugewiesen.
Die SPÖ stehe für Investitionen in die Terminals. Einerseits sei das Stammgleis Kundl immer noch im Projekt, das den Verlade-Terminal von den dort ebenfalls abgewickelten Holztransporten entlasten würde, so Kovacevic. Zumtobel könne sich auch „einen Ausbau des Terminal Hall“ vorstellen.
Öffi-Verkehr in der Region verbessert
Christian Kovacevic freute sich über den Mobilitäts-Kampagnenstart in Wörgl und listete auf, wo in laufender Landtagsperiode (2027 wird wieder gewählt) Verbesserungen erreicht wurden. Diese betreffen Infrastruktur wie die Bahnsteigverlängerung in Rattenberg und die neu geplante, ab 2029 umgesetzte Bahnhaltestelle Münster ebenso wie vielfache Erweiterung des Öffi-Angebotes: „Bessere Zugverbindungen zwischen Kufstein und Wörgl hinsichtlich Takt und Platz und wesentliche Verbesserungen abseits der Inntalfurche durch den Öffi-Ausbau im Raum Sölllandl, Kufstein, Wörgl, St. Johann, Kitzbühel und Wildschönau.“
Als Erfolg sieht Kovacevic das grenzüberschreitende Ticket für Pendler nach Bayern: „Früher musste das Tirol-Ticket und ein Zonen-Ticket für Rosenheim gekauft werden – mit monatlichen Mehrkosten von 58 Euro.“ Zumtobel unterstreicht die positive Bilanz des SPÖ-Verkehrssprechers – seit Kovacevic zuständig sei, „wurden 4.000 zusätzliche Jahreskarten verkauft, 650 davon in Wörgl.“
Unzufrieden ist Kovacevic mit „der Haltung der Stadtführung beim Thema Wörgler Citybus. Da fehlt das Interesse.“ Eine Linie zu streichen sei „einfacher, als sich um Alternativen wie andere Wendeplätze zu bemühen.“
Viele Verbesserungen fürs Öffi-Personal
Trieb Fahrermangel noch vor nicht allzu langer Zeit den Öffi-Betreibern den Schweiß auf die Stirn, so habe sich die Lage mittlerweile entspannt und der Personalstand und sehr verbessert: „Mit der Gewerkschaft wurden Maßnahmen auf den Weg gebracht, die den Job attraktiver machen“, erläuterte Kovacevic. Das betrifft Pausen, Entlohnung, Sicherheit und Imageaufbesserung sowie zusätzliche Goodies wie günstige Jahreskarten für die Busfahrer und keine geteilten Schichten mehr. Zudem wurde ein Härtefallfonds fürs Personal von Bus und Bahn eingerichtet. Alles Maßnahmen, „die Wertschätzung für die Busfahrer als Systemerhalter ausdrücken.“
„Sicherheit für die FahrerInnen wird immer wichtiger. Sie sind immer wieder Gewalt ausgesetzt. Fahrerkabinen werden mit Schutzscheiben und Busse mit Videoüberwachung ausgestattet. Das Personal erhält De-Eskalationstraining und kann Security abrufen“, informierte Philip Wohlgemuth.


