Bei der Wörgler Gemeinderatsitzung am 25. März 2026 informierte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Klaus Kandler über das abgelaufene Geschäftsjahr 2025, in dem die Stadtwerke die Wasserkraftwerksanlagen des Mariasteiner Sägewerks Strillinger in Mariastein und Langkampfen angekauft haben, und gab einen Überblick über die Geschäftsfelder des städtischen Wirtschaftsbetriebes.
Das Sägewerks- und Zimmereiunternehmen Strillinger in Mariastein errichtete vier Wasserkraftwerke samt zugehörigem Verteilernetz zur Stromversorgung des eigenen Betriebes sowie privater Kunden. Mittlerweile ist der Sägewerksbetrieb eingestellt worden und die Anlagen wechselten in den Besitz des Rechtsnachfolgers, der Weiskopf-Strillinger KG. Derzeit befinden sich alle Anlagen im wasserrechtlichen Wiederverleihungsverfahren.
Das Kraftwerk im Sägewerk ist nicht in Betrieb und wird als Zubringer zum sanierungsbedürftigen Elektrizitätswerk 3 genutzt. „Das größte Kraftwerk ist das EW4 im Gemeindegebiet von Langkampfen, mit doppelt so viel Leistung wie das KW Müllnertal. Es befindet sich in einem guten Zustand“, teilte Kandler mit. Es verfügt über einen Tagesspeicher von 39.000 Kubikmeter Wasser im Stausee in Niederbreitenbach und eine Ausbauwassermenge von 1000 Litern pro Sekunde bei einem Gefälle von 28 Metern. Eine Erneuerung der Steuerung sowie der Einbau eines Rechenreinigers sind anstehende Investitionen.
Zur Wasserkraftwerks-Kette gehört ein Verteilernetz auf einer Fläche von 2,8 Quadratkilometern, das bis 2055 an die TINETZ verpachtet ist, danach aber von der Wörgler Stadtwerke GmbH übernommen werden könne. Daraus werden 400 Abnehmer in Angath, Angerberg und Mariastein gespeist. „Der produzierte Strom wird an eine Energiegemeinschaft verkauft“, erklärte Kandler. Die Anlagen seien mit einem Aufwand von 400 Arbeitsstunden pro Jahr ohne zusätzliches Personal zu betreiben, die Sanierung koste rund 400.000 Euro. „Mit dem Erwerb erhalten wir 18 Hektar Liegenschaften im Wert von 700.000 Euro“, berichtete Kandler.
Nachdem der Stadtwerke-Aufsichtsrat dem Ankauf einstimmig zugestimmt habe, sei der Kauf bereits abgeschlossen. „Derzeit bestehen gute Aussichten, die wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Bewilligung zu erhalten. Wenn wir diese nicht bekommen, ist alles hinfällig“, so Kandler.
Fernwärme-Ausbau geht weiter
Die Wörgler Wärme GmbH baute 2025 auf 5,5 GWh aus, das Ziel seien 5 GWh gewesen. Aktuell finden Grabungsarbeiten in der Speckbacher Straße statt, nach deren Abschluss in zwei Wochen eine weitere Fernwärmebaustelle in der Bahnhofstraße für die Dauer von zwei Monaten folgen werde. Um die benötigte Einspeis-Wärme zu erzeugen, ist der Bau eines neuen Biomasseheizkraftwerkes beabsichtigt. Bei der Standortsuche werde ein Areal beim städtischen Wertstoffhof favorisiert, so Kandler. Die Standortprüfung, die vier Verfahren umfasst, laufe bis Mai. „Wenn der Standort geeignet ist, kann spätestens Anfang 2027 der Baustart erfolgen. Den nächsten Winter können wir mit einer mobilen Lösung überbrücken“, so Kandler. Sollte der Bau beim Wertstoffhof nicht möglich sein, sei das WAVE-Areal die 2. Variante.
Die Wörgler Wärme GmbH werde in naher Zukunft über 5 Millionen Euro investieren – 2 Millionen davon in den weiteren Ausbau der Stadtwärme und 2,5 Millionen Euro ins Biomasseheizwerk. 2025 habe die Gesellschaft 5,3 Millionen Euro erwirtschaftet, der Schuldenstand beträgt 21,5 Millionen Euro. „Bis 2027/28 rechnen wir mit einem negativen Betriebsergebnis“, so Kandler.
GR Gabi Madersbacher fragte angesichts der Turbulenzen bei den Energiepreisen nach der Preisentwicklung für die Endkunden. „Derzeit werden neue Verträge ausgeschickt. Künftig soll wie bei den Stadtwerken indexiert werden“, erläuterte Kandler. Da mehrere Energieträger zur Wärmegewinnung und nicht nur teures Gas genützt werde, sei die Risikostreuung besser. Aber: „Eine Preisgarantie gibt es nicht, wir erwarten eine moderate Steigerung“, so Kandler.
Strompreise vorerst stabil
Im Geschäftsbereich Elektrizität bei den Wörgler Stadtwerken werden 2026/27 rund 1,6 Millionen Euro ins Verteilernetz, den Bau einer Trafostation und die unterirdische Verkabelung am Hennersberg investiert, womit in Wörgl dann keine Freileitungen mehr bestehen. In Söcking werde um eine Million Euro ein Batteriespeicher errichtet.
Auf Nachfrage zur Strompreisentwicklung von GR Madersbacher gab Dr. Kandler „Entwarnung – für 2027 haben wir Glück gehabt und bereits 80 % des Stromes zu einem günstigen Beschaffungspreis von 8 Cent eingekauft. Dazu kommt unsere stabile Eigenstromerzeugung. Auf die Endkunden-Energiepreise haben die derzeitigen Verwerfungen 2027 noch keine Auswirkung, vermutlich auch noch nicht 2028 – was danach ist, wissen wir noch nicht.“
Abwasser: Kanalnetz ist ausreichend und gewartet
Im Sektor Abwasserentsorgung investierten die Stadtwerke im Vorjahr 600.000 Euro. FWL-GR Christopher Lentsch wollte wissen, was die Stadtwerke angesichts der Hochwasserproblematik bei der Oberflächenentwässerung unternehmen. 2025 waren weniger Hochwasserereignisse wie 2024. „Bei Starkregen gibt es 4 bis 5 Hotspots in Wörgl, die wir geprüft haben“, so Kandler. Bei den beiden Vorfällen 2025 sei Eigenverschulden der Grundeigentümer festgestellt worden. „Fakt ist, dass die notwenigen Maßnahmen nicht in unserer Einfluss-Späre liegen. Wir warten unser Kanalsystem, da besteht kein Handlungsbedarf“, so Kandler. Mit der Stadt als Straßenerhalter sei man im Gespräch, um Verbesserungen zu erzielen.
Lentsch wie auf „erwartete massive Mehrbelastung der Anrainer durch den Neubau am Osl-Areal“ durch das abschüssige Gelände hin. „Dort müssen die Oberflächenwässer auf eigenem Grund versickert werden“, so Kandler. Was die regelmäßige Überflutung von Straßen angeht: „Die Straßen sind als Retensionsraum gedacht.“
Bürgermeister Michael Riedhart stellte in Aussicht, dass die Stadtgemeinde künftig mehr Hochwasserschutz-Kapazitäten zur Verfügung habe, da „die ASFINAG für einen 1,7 km langen Hochwasserschutz L-Profile angekauft hat und die Autobahn jetzt selbst schützt. Damit haben wir im Ernstfall unsere L-Profile und mehr Feuerwehrleute im Stadtgebiet im Einsatz“.
IT-Sektor: Betriebsstandort zurückholen
Um den IT-Sektor vom Mayr-Areal aufs Stadtwerke-Gelände am Zauberwinklweg zurück zu holen, investieren die Stadtwerke 2,5 Millionen Euro in den Standortwechsel, sowie weitere 600.000 Euro in die Infrastruktur. „Insgesamt werden rund 6,5 Millionen Euro bei den Stadtwerken investiert“, so Kandler, der den Betriebsumsatz 2025 mit rund 24 Millionen Euro angab. Bei einem positiven Betriebsergebnis von rund 530.000 Euro liege das Finanzergebnis bei plus 100.000 Euro.
Was wird aus der Solaranlage beim WAVE?
Den weiteren Ausbau erneuerbarer Energie begrüßte Grün-GR Iris Kahn, die wissen wollte, was mit der beim WAVE-Gelände abgebauten Photovoltaik-Anlage geschieht. „Wir prüfen, wieweit die Module weiter verwendbar sind und planen, sie beim Biomasseheizkraftwerk wieder zu installieren“, so Kandler.
Gebührenanpassungen
Seit 2017 muss der Wörgler Gemeinderat jährlich über die Gebührenanpassungen nach dem Verbraucherpreisindex bei Abfall, Wasser und Kanal abstimmen. Die Abfallgebühren werden um 4,19 % erhöht. „In der Sparte Abfall wurde 2025 ein Umsatz von 2,1 Millionen Euro und ein positives Betriebsergebnis von 135.000 Euro erwirtschaftet“, teilte Kandler mit. Mit 6,5 % sei das ein „solider Wert“, das Geld werde für Investitionen im Bereich Abfall verwendet.
WfW-GR Patricia Kofler beantragte aufgrund des allgemeinen Preisanstieges und der damit verbundenen Belastungen für die Haushalte die Gebührenerhöhung auszusetzen, was vom Gemeinderat mehrheitlich (16:4 Stimmen) abgelehnt wurde. Die Gebührenerhöhung wurde vom Gemeinderat mehrheitlich angenommen (1 Gegenstimme, 3 Enthaltungen). Bei einem Vier-Personen-Haushalt steigt damit die Müllgebühr um rund 15 Euro pro Jahr.
Einer Erhöhung um 4,12 % bei den Wasser- und Kanalgebühren stimmte der Gemeinderat ebenso mehrheitlich zu und lehnte den Vorschlag von GR Kofler ab, die Gebühren nur um 3,6 % anzuheben – ein Wert, den das Land als Bedingung für die Gewährung von Förderungen vorschreibt.

