Großbaustelle Hochwasserschutz Brixentaler Ache

Die Stadtgemeinde Wörgl ist Teil des Wasserverbandes Hochwasserschutz Brixentaler Ache, die  Umsetzung der Baumaßnahmen läuft, wie ein Lokalaugenschein in Söcking sowie im Bereich Einöden unterhalb der Nasensiedlung zeigt.

Im Jänner 2026 informierte das Baubezirksamt Kufstein über die Projektumsetzung, die von Flusskilometer 0 bis 12,8  Flussaufweitungen, Dämme und Mauern zum Schutz von 67 Gebäuden sowie auf Itterer Gemeindegebiet ein Rückhaltebecken mit rund 66.000 Kubikmeter Fassungsvermögen vorsieht. Die Kosten für diesen Bauabschnitt wurden mit 12,2 Millionen Euro angegeben. Grundlage für die Planung waren die 2016 erstellten Gefahrenzonenpläne samt Einarbeitung der Erfahrungen aus dem Hochwasser der Kelchsauer und Brixentaler Ache 2021, die eine weitere Erhöhung der Abflusswerte um 20 % bewirkten.

Der Maßnahmen-Mix umfasst linearen Uferschutz mit 3.100 Metern Dämmen und 4.300 Metern Mauern, zudem werden Ufersicherungen erneuert bzw. in Stand gesetzt und Flussaufweitungen geschaffen. Mit dem Hochwasserrückehaltebecken soll die Verschärfung durch die Linearmaßnahmen kompensiert und damit die Hochwasserwelle gekappt werden.  Das  Retentionsbecken in Itter dient als zusätzlicher Rückhalteraum, welcher ab einem 50-jährigem Hochwasser Wasser dosiert ableitet, das nach dem Abklingen der Hochwasserwelle kontrolliert zurück in den Fluss geleitet werden soll. Mit der Fertigstellung der Arbeiten im ersten Teilbereich rechnet man bis 2027.

Die geplanten Schutzbauten reichen von der Mündung der Ache in den Inn bis auf Höhe Grattenbrücke, dann beginnend auf der Höhe Innotec im Ortsgebiet von Bruckhäusl ostwärts bis zum Haslachbach sowie das neue Retentionsbecken unterhalb der Nasensiedlung, für das beidseitig Bauzufahrten samt einer provisorischen Überbrückung der Brixentaler Ache errichtet wurden. Für Irritationen sorgt der Umstand, dass die ausführende Baufirma das verwendete Material aus dem Bundesland Salzburg anliefert und nicht aus Steinbrüchen in der Umgebung.

Die weiten Lieferwege sind Folge der Ausschreibung – die bauausführende Firma war der Billigstbieter, wie Dr. Gerhard Kapeller, Fachbereichsleiter Wasserwirtschaft im Baubezirksamt Kufstein mitteilt. Mit der Errichtung des Retentionsbeckens ist großflächiger Geländeabtrag notwendig. Das dabei anfallende Material werde teilweise vor Ort recycelt und wieder eingebaut. Was die im Zuge der Bauarbeiten ans Licht gekommenen Müllablagerungen im Uferbereich betrifft, laufe dazu ein eigenes Verfahren – die Entsorgung zahle jedenfalls nicht der Steuerzahler.

Was den Bauzeitplan angeht, trat eine Verzögerung beim Baustart des Retentionsbeckens auf: „Das Gebiet war im Zweiten Weltkrieg ein Hotspot“, so Kapeller, weshalb erst Bodensondierungen durchgeführt werden mussten. So erfolgte der Baustart nicht im Oktober 2025, sondern heuer im Februar. Die Arbeiten am Becken sollten heuer beendet werden. Voraussichtlich im Herbst 2026 beginnt die Errichtung der Winkelstützmauer im Ortsgebiet von Bruckhäusl.

Die geplanten Uferschutzmaßnahmen beginnend beim Mündungsbereich der Brixentaler Ache in den Inn.
Rot markiert zu sehen – die Uferverbauung im Ortsgebiet von Bruckhäusl.
Die gepanten Schutzbauten im Bereich der Nasensiedlung.
Laufende Baumaßnahmen in Wörgl-Söcking.

Der in Bau befindliche Damm in Söcking – die Spundwände werden nach Fertigstellung des Dammes nicht mehr sichtbar sein. Foto: Spielbichler

Der neue Damm endet rund 120 Meter vor Einmündung der Ache – er grenzt an den von der Tiwag früher errichteten Damm. Foto: Spielbichler
Neue Uferschutzmauer auf Kirchbichler Seite – das Niveau der Eisenbahnbrücken bleibt. Foto: Spielbichler
Für die Errichtung des Retentionsgebietes im Bereich der Nasensiedlung wurde eine Bauzufahrt über die Ache angelegt. Früher bestand in diesem Bereich einmal eine Brücke, die aufgelassen wurde. Als Radwegverbindung wäre sie ein Hit! Foto: Spielbichler
Für die Bauarbeiten am Retentionsbecken wurden Bauzufahrten auf beiden Seiten der Ache angelegt. Foto: Spielbichler
Die Brixentaler Ache führt im Abschnitt zwischen dem Schlauchwehr in Einöden und dem Tiwag-Kraftwerk in Wörgl-Boden weniger Wasser. Foto: Spielbichler
Zu dem im Zuge der Bauarbeiten aufgefundenen Müll im Uferbereich läuft ein eigenes Verfahren. Foto: Spielbichler
Entlang des Ufers wird der Retentionsdamm errichtet. Foto: Spielbichler
Die Bauarbeiten zur Errichtung des Retentionsbeckens starteten mit Verzögerung im Februar 2026. Foto: Spielbichler
Humusabtrag auf der Fläche des neuen Retentionsbeckens – der Aushub wird teilweise vor Ort wieder eingebaut. Foto: Spielbichler