Witterungsbedingt verschoben wird das Straßenfest zur Eröffnung des neuen Jugendtreff „s´hangout“ in der Steinbacher Straße 6 in Wörgl am 12. Mai 2026. Gefeiert wurde trotzdem – in kleinem Rahmen indoor und mit dem obligaten Durchtrennen des roten Eröffnungsbandes durch Vertreter der Stadtgemeinde Wörgl und des Vereins komm!unity, der den Jugendtreff sowie den angrenzenden neuen Quartierstreff betreut.
„s´hangout ist als zweites Wohnzimmer für Jugendliche eine tolle Bereicherung“, erklärte Bürgermeister Michael Riedhart, der sich beim Verein komm!unity für die geleistete Arbeit bedankte. Erfreut über die neue Einrichtung ist auch Vizebürgermeister und Familienreferent Kayahan Kaya, der nach den thematischen Schwerpunkten Kinderspielplatz-Verbesserungen, Kinderbetreuung mit Eröffnung des neuen Kindergartens Zwergenwald heuer und 2027 die Jugend im Fokus sieht: „In Wörgl leben 1.189 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren.“ Die Übersiedelung des Jugendtreffs aus den Räumlichkeiten des Vereins komm!unity im NHT-Wohnhaus in der Steinbacher Straße 23 an den neuen Standort sei „ein wichtiger Schritt für die Jugendlichen.“
Vor allem aufgrund der Geräuschkulisse biete der neue Standort Vorteile, wie Komm!unity-Geschäftsführer Klaus Ritzer betonte. In einer Wohngegend gäbe es „immer Nachbarn, denen die Jugendlichen zu laut sind und die sich dann im Ton vergreifen. Wir versuchen, solche Konflikte respektvoll zu lösen.“ Generell sei aber festzuhalten, dass die Jugend in der Stadt Platz habe.
Der 2012 gegründete Verein komm!unity für Jugend-, Integrations- und Gemeinwesenarbeit hat mittlerweile 10 Standorte im Tiroler Unterland und 32 hauptamtliche MitarbeiterInnen. Die offene Jugendarbeit umfasst u.a. die Betreuung von Jugendtreffs ebenso wie Streetwork-Sozialarbeit. „Kinder und Jugendliche sind hier unabhängig von Herkunft und Religion, ohne Anmeldung, auch anonym willkommen“, beschreibt Ritzer die grundsätzliche Herangehensweise. Niederschwelliger Zugang, Freiwilligkeit und ein wertschätzender Umgang sind Eckpfeiler. „Jugendliche werden medial oft durch Probleme wahrgenommen. Wir sehen sehr viel Kreativität und Aktivität und wollen das fördern. Bei Problemen unterstützen wir“, so Ritzer.
Die Jugendarbeit in Wörgl startete 2005 mit dem Jugendprojekt I-motion, 2006 folgte die mobile Jugendarbeit und 2008 wurde das erste Jugendzentrum (heute die Zone Kultur.Leben.Wörgl) eröffnet, das mit dem Neubau der Südtiroler Siedlung durch die Neue Heimat in die Steinbacher Straße übersiedelte.
Im „s´hangout“ sind mit Sarah Schermer, Johannes Wiechenthaler und Denis Sahin drei BetreuerInnen beschäftigt. Geöffnet hat der neue Jugendtreff jeweils dienstags, mittwochs und freitags von 15-20 Uhr. „Seit der Schlüsselübergabe im März 2026 waren über 800 Jugendliche hier, täglich kommen zwischen 25 und 30“, berichtete Denis.
„Wir legen viel Wert auf Beziehungsarbeit und haben ein offenes Ohr für die Jugendlichen“, so Denis. Die JugendarbeiterInnen stehen nicht nur indoor als Ansprechpartner zur Verfügung, auch die Streetwork-Arbeit wurde verstärkt. Sie kontaktieren Jugendliche am Skaterplatz, beim Funcourt oder in der Stadt, laden ein und organisieren gemeinsame Aktivitäten wie Kochen. Beratungsgespräche werden nach wie vor in Steinbacher Straße 23 mittwochs von 11-15:30 Uhr angeboten. Jugendliche werden bei Bedarf auch bei Behördengängen begleitet. Die Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten ist ein Angebot – Jugendliche können hier aber auch einfach nur chillen, sich zurückziehen oder spielen. Tischtennis, Tischfußball, Darts und Billard stehen ebenso zur Verfügung wie eine Gaming-Station.
Der Jugendtreff ist Teil des neuen Quartierstreff in der Steinbacher Straße 6, der vom Verein komm!unity mitbetreut wird. Während die Stadt mit der Wohnbaugesellschaft einen sehr günstigen Mietpreis für den Jugendtreff aushandeln konnte, stellt die NHT die Räumlichkeiten für den Quartierstreff kostenfrei zur Verfügung. Erfahrungsgemäß brauchen solche Einrichtungen Menschen, die sich aktiv drum kümmern – sonst stehen sie leer.
Der Verein komm!unity veranstaltet im neuen Quartierstreff das beliebte Frauencafé, zu dem jeweils an die 20 Frauen verschiedenster Nationen kommen, die Computeria für Senioren zum Kennenlernen von Computer und Handy, das Treffen von Selbsthilfe- und Yoga-Gruppen oder das I-motion-Projekt „Lernfreude“, bei dem Jugendliche Jüngere bei den Hausaufgaben unterstützen und spielerisch beim Lernen helfen. „Bei I-motion sind aktuell 60 Jugendliche registriert, 20 helfen bei der Lernfreude. Sie erhalten Zeitwertkarten, die sie in regionale Gutscheine eintauschen können“, erläuterte Ritzer. Das Jugendprojekt wurde im Sinn des Freigeld-Bürgermeisters Michael Unterguggenberger 2005 gestartet und mehrfach kopiert – „läuft aber am besten in Wörgl“, so Ritzer: „Jährlich werden 1.500 bis 2.000 Stunden von Jugendlichen im Rahmen von sinnvollen Aktivitäten geleistet.“
Der neue Quartierstreff steht dem Stadtteil für weitere Aktivitäten zur Verfügung, Ideen sind willkommen – so wäre auch ein Nachbarschaftstreff mit Café und Kuchen denkbar, wenn sich Interessierte finden. Der helle, freundliche Raum ist mit Küchenzeile und Rollos als Sichtschutz ausgestattet und wird vom Verein komm!unity verwaltet und mit Leben erfüllt.
Die Jugendarbeit umfasst noch weitere Angebote wie eine Nachhilfebörse. Der Jugendtreff gilt als gesundheitskompetente Einrichtung inklusive psychischer und mentaler Gesundheit. „Es wurden Schutzkonzepte entwickelt, bei denen der Schutz von Kindern und Jugendlichen aber auch der MitarbeiterInnen im Vordergrund steht“, so Ritzer.
Zum Quartiers- und Jugendtreff zählt ein großzügiger Freibereich, der im Sommer durch eine Umgestaltung der Steinbacher Straße im Bereich vom Quartierstreff bis zum komm!unity-Standort in der Steinbacher Straße 23 als Begegnungszone aufgewertet und „entschleunigt“ werden soll. Durch Pflasterungen und Vergrößerung der Fußgängerflächen zulasten der asphaltierten Fahrbahn sowie Bepflanzung soll mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden, wie Bgm. Michael Riedhart ankündigte.
Einen Termin fürs verschobene Straßenfest hat Klaus Ritzer auch schon ins Auge gefasst: „Am 25. September ist Tag der offenen Jugendarbeit. Diese Zeit würde sich als Fest-Termin anbieten.“












