„Action“ ist bei der FF Wörgl 365 Tage im Jahr rund um die Uhr angesagt – das vermittelte deren Öffentlichkeitsarbeits-Team mit einem kinotauglichen Filmtrailer zur Eröffnung der 150. Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wörgl am 27. März 2026 im Komma Wörgl und liefert mit dem reich bebilderten, 100-seitigen Jahresbericht das „Drehbuch“ eines einsatz- und arbeitsintensives Jahres, bei dem die FF Wörgl 316 Mal zu Einsätzen gerufen wurde.
„Kameradschaft ist der Fels, auf dem die FF Wörgl aufgebaut ist“, betonte Kommandant Sebastian Prosch, der seinem Bericht den Dank an die Freiwilligen voranstellte, die 2025 rund 12.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in die Sicherheit der Bevölkerung investiert haben. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Hannes Steinbacher präsentierte er den beeindruckenden Jahresrückblick, der das breite Einsatzspektrum der Universal-Feuerwehr Wörgl vom Großbrand bis zur Tierrettung vor Augen führte.
Wörgl blieb 2025 zwar von Unwetterkatastrophen verschont – die Statistik zeigt trotzdem ein arbeits- und einsatzintensives Jahr. Von den 316 Alarmierungen mit 2229 Einsatzstunden waren 31 Brände, 127 technische Einsätze, 34 Arbeitseinsätze und drei Brandwachen. Zur Dauerbelastung für alle wird die hohe Zahl der Fehlalarme durch Brandmelder, die vorwiegend bei Unternehmen installiert sind: „121 mal mussten wir deshalb ausrücken, oftmals nachts und das bis zu vier Mal“, schilderte Prosch die unbefriedigende Situation.
Die FF Wörgl unterstützte 2025 vermehrt Nachbargemeinden und rückte mit drei Fahrzeugen zum katastrophalen Wertstofflager-Großbrand in Osttirol aus, der durch mehrere Explosionen und deren verheerende Auswirkungen tiefe Eindrücke hinterließ. Glücklicherweise ohne Explosion endete der Fund und die Bergung einer 250 kg-Fliegerbombe in Wörgl, die einen Großeinsatz mit Rettung, Polizei und Rotem Kreuz auslöste. Brandeinsätze bewältigte die FF Wörgl bei mehrfachen Wohnungsbränden im Stadtgebiet ebenso wie bei Bränden von Bauernhöfen im Umland sowie bei einem Brand im Sägewerk Pfeiffer. Dabei bewährt sich immer wieder der Hubsteiger, der auch bei Personenbergungen aus mehrstöckigen Gebäuden unterstützend für die Rettung im Einsatz ist.
Die Feuerwehr wird nicht nur gerufen, wenn´s brennt – sondern auch bei Verkehrs- und Gefahrengutunfällen, die die HelferInnen mit herausfordernden Einsatzbedingungen konfrontieren – samt körperlicher und psychischer Belastung, wenn Schwerverletzte oder Tote zu bergen sind. Die Unfallhäufigkeit auf der A12 veranlasste einen erfahrenen Feuerwehrmann, eine bessere Kennzeichnung der Gefahrenstellen zu fordern.
Retten, löschen, bergen, schützen – ihre Hilfsbereitschaft zeigte die FF Wörgl 2025 auch wieder bei Tierrettungen. Leider immer öfter sind Einsätze auf der Autobahn bei Tiertransportern nötig: „Um Gewicht zu sparen, wird über weite Strecken kein Wasser mitgenommen“, schildert Kdt.Stv. Steinbacher die Problematik. Eine besondere Belastung in den heißen Sommermonaten – die Feuerwehr tränkt und kühlt die Tiere, bevor die Transporter weiterfahren. Hunde und Katzen wurden 2025 aus dem Inn, aus einem versperrten Fahrzeug und einer brennenden Wohnung gerettet.
Gefahrengut, Schadstoffe, Tunnel, Hochwasser, hohe Gebäude – die vielfachen Herausforderungen bei Einsätzen erfordern eine gute Ausbildung und Spezialisierung der Feuerwehrleute, die mit großem Schulungs- und Übungsaufwand verbunden sind. „2025 wurden 73 Übungen mit einem Aufwand von 2.800 Stunden durchgeführt und 60 Kurse an der Landesfeuerwehrschule mit einem Zeitaufwand von 593 Stunden absolviert“, berichtete Prosch. Zu den Highlights zählte eine Tunnelausbildung am Erzberg, Tunnelübungen in Bahnstollen sowie die praxisnahe Atemschutz-Ausbildung am Brandcontainer, der zwei Tage lang am ehemaligen Kompostierplatz am Inn ein reales Flammeninferno entfachte. Dabei konnten 32 Atemschutzträgerinnen umfangreich mit echtem Feuer, Rauch und extremer Hitze ausgebildet werden. Besonders stolz kann die FF Wörgl auf die Teamstärke des Atemschutztrupps sein: „Für 54 GeräteträgerInnen stehen 23 Atemschutzgeräte, 95 Atemschutzflaschen und 6 SSG (Sauerstoffschutzgeräte) zur Verfügung. Im Vorjahr wurde 144 Mal ein Atemschutzgerät verwendet“, erklärte Atemschutzwart Michael Bernhard. Überregional im Einsatz ist das Höhenrettungsteam der FF Wörgl, die seit 2025 im neuen Waldbrandzug des Bezirkes Kufstein mitwirkt.
Fleißig geübt wurde 2025 auch bei der Jungfeuerwehr, die 2025 mit einem Fest und einer Leistungsschau ihr 40-Jahr-Jubiläum beging und beim Jugendleistungsbewerb fünf Mal Silber und vier Mal Gold erzielte. Insgesamt wurden von den 10 Burschen und 4 Mädchen 46 Schulungen und Übungen absolviert. Die Jungfeuerwehr engagierte sich auch 2025 bei der Aktion Friedenslicht am 24. Dezember im Gerätehaus – der Spendenerlös von 4.844 Euro wird von der Feuerwehr für soziale Härtefälle in Wörgl verwendet.
Viel Zeit und Arbeit investiert die FF Wörgl in die Wartung des Fuhrparks und der Gerätschaften. Wenn es aber keine Ersatzteile mehr gibt, bleiben nur Neuanschaffungen – so wie beim neuen RFL, das 2025 in Betrieb genommen wurde und für die nächsten 30 Jahre ein breites Einsatzspektrum abdecken soll. Die Hälfte der Kosten steuerte das Land bei. Im Eigenbau erstellte die FF Wörgl zwei Rollcontainer für Wasserschadeneinsätze: „Bei Unwettern haben wir 30 bis 40 Überflutungseinsätze – dafür sind vier Fahrzeuge zu wenig“, begründete Kdt. Prosch die Anfertigung der Spezialanhänger, die im Katastrophenlager untergebracht sind.
„Zum 150-Jahr-Jubiläum stehen wir solide da“, merkte Kdt. Prosch nach dem erfreulichen Bericht von Kassier Florian Ehrenstrasser an, dem einstimmig die Entlastung erteilt wurde. Die FF Wörgl zählt 100 Aktive, 14 Jungfeuerwehrleute und 15 in der Reserve, wobei derzeit fünf Frauen im aktiven Stand mitwirken. Das Jubiläumsfest findet am 20. und 21. Juni 2026 gemeinsam mit dem 150-Jahr-Fest der Stadtmusikkapelle am 19. Juni 2026 statt.
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurden Tine Gregorc, Manuel Sprung und Lukas Steinbacher als Feuerwehrmänner angelobt und Mario Ellmerer, Fabio Gwiggner und Florian Steindl zu Hauptfeuerwehrmännern befördert.
Ehrungen
Für 25jährige Mitgliedschaft wurden Christoph Ascher, Stefan Hagleitner, Harald Rieser und Patrik Springer geehrt, für 40jährige Mitgliedschaft Markus Schipflinger und Roman Ehrenstrasser, für 50jährige Rupert Hagleitner und Josef Koidl. Zudem erhielt Josef Koidl, der von 2005-2013 Kommandant war, das Verdienstzeichen des Bezirksfeuerwehrverbandes in Gold.
„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr – die Feuerwehr Wörgl legt seit 150 Jahren ein lebendiges Glaubenszeugnis ab“, betonte Pfarrprovisor Christian Hauser, der für die gute Zusammenarbeit dankte und sich auf die Jubiläums-Feldmesse freut. Rot-Kreuz-Ortsstellenleiter und Gemeindeeinsatzleiter Gerhard Thurner betonte die „gewaltige Leistung“ der Feuerwehr, die im Gegensatz zur Rettung keine Dienstpläne erstellen kann: „Ihr seid 365 Tage 24 Stunden täglich gefordert!“
„Die Feuerwehr Wörgl ist motiviert und gut organisiert, die Sicherheit in Wörgl ist gewährleistet und die Ausbildung läuft gut“, lobte der stellvertretende Bezirkskommandant Hubert Ziepl, der auf das 150-Jahr-Jubiläum des Bezirksfeuerwehrverbandes mit Festakt und Festumzug in Kufstein am 18./19. September 2026 hinwies. Bezirkshauptmann Dr. Kurt Berek betonte die herausragende Stellung der FF Wörgl und dankte ebenso wie Bürgermeister Michael Riedhart für den selbstlosen Einsatz der Freiwilligen. „Respekt – wenn andere Freizeit haben, seid ihr im Einsatz, Tag und Nacht. Ehrenamtlich, das ist garnicht hoch genug einzuschätzen“, so Riedhart, der im Namen der Delegation der Gemeindepolitik mit Vizebgm. Kayahan Kaya, LA STR Christian Kovacevic, STR Elisabeth Werlberger, STR Thomas Embacher und den Gemeinderäten Walter Altmann, Andreas Deutsch, Sebastian Feiersinger, Hubert Werlberger, Iris Kahn, Patricia Kofler und Astrid Rieser mit dem Feuerwehrgruß „Gut Heil!“ weiterhin unfallfreie Einsätze wünschte.







