Von stillen Gebärden und praller Lebenslust

Mit großem Publikumsinteresse wurde am 3. September 2026 in der Galerie am Stadtplatz in Wörgl die Ausstellung „La geste muet“ des Tiroler Zeichners und Malers Franz Mölk eröffnet. Kurator Dr. Günther Moschig erstellte mit dem Künstler eine sehenswerte Werkschau, die die Entwicklung seiner Formensprache, seiner ganz eigenen „Grammatik der Gesten“ über die vergangenen 60 Jahre zeigt.

„Franz Mölk hat seine Wurzeln gewissermaßen in Wörgl – seine Großmutter war Mpreis-Gründerin Therese Gollner, verheiratete Mölk“, ergänzte Wörgls Kulturreferent Sebastian Feiersinger die einführenden Worte von Dr. Moschig, die Laufbahn und Werk schilderten.

Franz Mölk, Jahrgang 1947, studierte bei Weiler und Hausner, ging dann aber eigene Wege, die ihn nach Amsterdam, Wien und zurück nach Innsbruck führten. Die Ausstellung umfasst Arbeiten von 1967 bis 2026. „Franz Mölk arbeitet an drei Orten und hat ein konsequentes Werk aus Bildern und Zeichnungen geschaffen“, so Moschig, der Mölk vor allem als Zeichner sieht und dessen Bild „Der Zeichner als Alchimist“ als Schlüsselbild bezeichnete: „Franz Mölk kennt die Kunstgeschichte und die unterschiedlichen künstlerischen Techniken. Das Thema der Renaissance ist die Perspektive. Franz Mölk jongliert grandios zwischen Zentral- und Vogelperspektive. Es ist eine irre Meisterschaft, mit Verkürzungen zu arbeiten.“

Spannend sei auch Mölks thematische Breite, beginnend bei der Kunst alter Meister, in der Gebärden eine große Rolle spielen. Die Ausstellung trägt den Titel `Die stille Gebärde´ – wenn die Sprache versagt, könne sich der Mensch mit Gebärden mitteilen. „Gesten sind das große Thema von Franz Mölk. Er bezieht sich auf alte Meister bis hin zur Gebärdensprache des Alltags und ist ein wacher Zeitgenosse“, so Moschig. Gestik ziehe sich durch die ganze Menschheit – Mölk habe in seinen Zeichnungen eine eigene Grammatik von Hand- und Körper-Gesten entwickelt.

„Franz Mölk ist ein Geschichtenerzähler aus der Hippie-Zeit“, erklärte Moschig. Die Ausstellung sei dem Kunsthistoriker Peter Weiermair gewidmet, der Mölk über Jahrzehnte als Kurator begleitete und der in der Ausstellung auch zitiert wird: „Franz Mölk´s Werk dreht sich seit Anbeginn um die tieferliegende ikonografische Bedeutung des Körpers, also um Körpersprache in der klassischen Kunst der europäischen Renaissance, dem Manierismus und dem Barock.“

Zur Unterstreichung der Sinnesfreuden aus diesem Zeitalter trug bei der Vernissage auch der kulinarische Beitrag vom VoiGuat-Catering von Lisi und Hermann Hörhager bei, die für diesen Abend nach Rezepten aus dem Barock aufkochten und Nudeln mit der „Urtomatensauce“ Genovese und als Nachtisch Creme Catalana auftischten. „In der Renaissance war die Tomate noch reine Zierpflanze. Das erste Tomatensauce-Rezept ist erst 92 Jahre später aus der Barockzeit in Neapel überliefert“, recherchierte Hermann Hörhager – wobei er das Originalrezept leicht abwandelte und an unsere Essgewohnheiten anpasste. Gemundet hat es den Vernissage-BesucherInnen jedenfalls hervorragend!

Die Ausstellung „La geste muet“ von Franz Mölk in der Galerie am Stadtplatz in Wörgl ist noch bis 10. Oktober bei freiem Eintritt zu sehen. Die Öffnungszeiten: Donnerstag, 16:30-18:30 Uhr, Freitag, 16:30-18:30 Uhr, Samstag, 10 -13 + 14-16 Uhr. Gruppenführungen für Schulen und Interessierte nach Vereinbarung. Kontakt und weitere Infos: www.verein-polylog.at

Fotonachweis: Veronika Spielbichler

Bei der Ausstellungseröffnung v.l. Kulturreferent Sebastian Feiersinger, der Künstler Franz Mölk und Kurator Dr. Günther Moschig.
Dr. Moschig erläuterte das Werk von Franz Mölk.
Franz Mölk hat familiäre Wurzeln auch in Wörgl.
Eine Tafel in Verlängerung der opulenten „Tafel-Bilder“ von Franz Mölk – das Vernissagen-Publikum konnte sie nach der Werkseinführung als Tisch nützen.
Vielschichtig und tiefgründig – Franz Mölks Arbeiten fesseln den Blick…
In Stil alter Meister – aber mit moderner Irritation: Franz Mölk stellt in der Galerie am Stadtplatz Zeichnungen und Bilder aus.
Arbeiten von Franz Mölk aus den Jahren 1979 und 1981.
Work in progress – die Ausstellung gibt auch Einblicke in Franz Mölk´s Arbeitsweise.
Ausschnitt aus einem Gemälde ohne Titel von Franz Mölk, datiert ca. 1983, Ölkreide und Acryl auf Papier.
Kochten nach alten Rezepten für die Vernissagen-Gäste: Lisi und Hermann Hörhager.
„Barocke Gaumenfreude“: Nudeln mit vegetarischer Tomatensauce Genovese.
Die Ausstellung ist noch bis 10. Oktober in der Galerie am Stadtplatz zu sehen.