Grundstückspreis Wörgl-Mitte: Wertdifferenz aufklären

„3,12 Millionen Euro wurden für das Zentrumsgrundstück bezahlt. 1,45 Millionen Euro Verkehrswert wurden laut jetzigem Gutachten festgestellt. Auf diese Differenz brauchen wir eine klare Antwort“, meldete sich am Tag nach der Wörgler Gemeinderatsitzung Wir für Wörgl-Fraktionsführerin Patricia Kofler in einer Presseaussendung zu Wort.

„Rund 3,12 Millionen Euro bezahlte die Stadt Wörgl Ende 2024 allein für ein Grundstück im Stadtzentrum. Ein Verkehrswertgutachten vom Jänner 2026 bewertet dieselbe unbebaute Liegenschaft mit 1,45 Millionen Euro. Die rechnerische Differenz beträgt rund 1,67 Millionen Euro. Wir für Wörgl brachte diese Wertdifferenz in der gestrigen Gemeinderatssitzung ausdrücklich zur Sprache. Eine für die Fraktion nachvollziehbare Erklärung, wie diese massive Abweichung zustande kommt und auf welcher objektiven Bewertungsgrundlage der damalige Kaufpreis festgelegt wurde, blieb aus“, teilt Kofler mit, die auf „vollständige Aufklärung und eine unabhängige Prüfung“ fordert.

„Der reine Grundstückskaufpreis betrug 3.115.661,50 Euro. Einschließlich Steuern, Vertragserrichtung, Baukostenablöse und übernommener Planungsleistungen belief sich der damalige Gesamtaufwand laut den vorliegenden Unterlagen auf rund 4,29 Millionen Euro. Wir für Wörgl stimmte gegen den Ankauf und die Kreditfinanzierung“, heißt es in der Aussendung.

„Das Grundstück wurde damals für ein Bürgerhaus beziehungsweise neues Stadtamt erworben. Dieses Vorhaben wurde nie umgesetzt. Aus den uns bislang vorliegenden Unterlagen ist zudem nicht nachvollziehbar, welche unabhängige Verkehrswertermittlung oder vergleichbare objektive Bewertungsgrundlage vor dem Ankauf zur Festlegung des Kaufpreises herangezogen wurde. Was war dieses Grundstück beim Ankauf tatsächlich wert? Welche Bewertung lag vor? Und auf welcher Grundlage wurde diese Millionenentscheidung getroffen? Bei einer Wertdifferenz dieser Größenordnung wäre es verantwortungslos, diese Frage nicht prüfen zu lassen“, so Kofler.

 „Nach dem nicht umgesetzten Bürgerhaus soll auf dem Grundstück nun mit NEXUS ein knapp 15 Millionen Euro schweres Wohn-, Büro- und Geschäftsprojekt entstehen.  Der Bürgermeister kann heute nicht von Alternativlosigkeit sprechen, ohne Verantwortung dafür zu übernehmen, wie Wörgl überhaupt in diese Situation gekommen ist“, so Kofler.

Auch die Finanzierung über die WERGEL AG werfe Fragen auf. Die WERGEL AG stehe zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt. Deshalb müsse vollständig offengelegt werden, welche Absicherungen für die Finanzierung erforderlich sind und welche wirtschaftlichen Verpflichtungen daraus für die Stadtgemeinde entstehen. Schulden verschwinden nicht, nur weil man sie in eine Gesellschaft verschiebt. Wenn für die Finanzierung entsprechende Absicherungen notwendig sind, kann man den Menschen nicht gleichzeitig erklären, für die Stadt bestehe kein Risiko. Wie schnell finanzielle Altlasten wieder bei den Wörglerinnen und Wörglern landen können, zeigt das WAVE bis heute“, stellt Kofler fest.

Rieser: „Leistbares Wohnen sieht anders aus“

Auch der tatsächliche Mehrwert des Projekts für die Bevölkerung müsse hinterfragt werden. „NEXUS ist kein klassischer Gemeinde- oder gemeinnütziger Wohnbau. Bei einem vorgesehenen Mietpreis von rund 20 Euro pro Quadratmeter würde eine 40-m²-Wohnung bereits rund 800 Euro monatlich kosten – noch ohne Betriebskosten und Parkplatz, so kommt schnell eine monatliche Mietbelastung von über 1000 Euro. Wenn auf städtischem Grund Wohnraum entsteht, müssen wir auch darüber reden, wer sich diesen Wohnraum tatsächlich leisten kann. Eine monatliche Gesamtbelastung ist in dieser Größenordnung für viele Menschen schlicht sehr viel Geld. Leistbares Wohnen sieht für mich anders aus. Gerade bei einem Projekt im Einflussbereich der Stadt muss der konkrete Mehrwert für die Wörglerinnen und Wörgler im Mittelpunkt stehen“, betont StR Astrid Rieser.

Wir für Wörgl fordert unabhängige Prüfung

Wir für Wörgl fordere daher eine unabhängige Prüfung, zusätzlich werde auch dem Überprüfungsausschuss ein Antrag mit einer umfassenden Prüfung des Grundstücksgeschäfts und seiner weiteren Entwicklung vorgelegt. Geprüft werden sollen insbesondere die damalige Kaufpreisfindung, vorhandene Gutachten und Vergleichswerte, die Verhandlungen vor dem Ankauf, der objektive Verkehrswert zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und die Finanzierung.

„Politische Verantwortung beginnt bei der Entscheidung, die diese Situation verursacht hat. Wir haben 2024 vor diesem Ankauf gewarnt und dagegen gestimmt. Heute stehen rund vier Millionen Euro Schulden, ein nie gebautes Bürgerhaus und eine ungeklärte Wertdifferenz von rund 1,67 Millionen Euro im Raum. Wir haben nachgefragt und keine nachvollziehbare Antwort erhalten. Jetzt müssen die Fakten auf den Tisch. Wörgl darf nicht für politische Fehlentscheidungen teuer bezahlen“, so Kofler abschließend.

Die beiden Wir für Wörgl-Mandatarinnen STR Astrid Rieser (links) und GR Patricia Kofler (rechts) fordern nach der Gemeinderatsitzung Aufklärung über die Wertdifferenz bei der Bewertung des Wörgl-Mitte-Grundstückes, das die Stadt 2024 um rund 3,1 Millionen Euro angekauft hat – der Verkehrswert wird aktuell mit 1,45 Millionen Euro angegeben. Foto: Veronika Spielbichler