Wörgls bisherige Sozialstadträtin Elisabeth Werlberger übermittelte folgende Stellungnahme zur Gemeinderatsitzung am 1. Juli 2026: „Die Gemeinderatssitzung vom 1. Juli 2026 hat eine politische Entwicklung ausgelöst, die weit über meine Person hinausreicht und aus meiner Sicht grundsätzliche Fragen über den Umgang mit demokratischen Werten und politischer Verantwortung aufwirft.
Im Anschluss an die Wahl des zweiten Bürgermeister-Stellvertreters wurde dem Gemeinderat durch die Amtsleitung mitgeteilt, dass sich dadurch auch die Zusammensetzung des Stadtrates ändere und ich meinen Sitz als Stadträtin für Soziales verlieren würde.
Unabhängig von der rechtlichen Beurteilung möchte ich jedoch einen Aspekt besonders hervorheben: Bis zum Zeitpunkt der öffentlichen Mitteilung im Gemeinderat wurde weder seitens des Bürgermeisters noch seitens der Fraktion das persönliche Gespräch mit mir gesucht. Über eine Entscheidung mit weitreichenden politischen und persönlichen Konsequenzen wurde ich weder vorab informiert noch in irgendeiner Weise eingebunden.
Ich halte einen respektvollen, transparenten und wertschätzenden Umgang gerade in der Politik für unverzichtbar. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer Demokratie. Ebenso selbstverständlich sollte es aber sein, Entscheidungen offen zu kommunizieren und den Dialog mit den unmittelbar Betroffenen zu suchen. Diese Form der politischen Kultur wünsche ich mir für unsere Stadt.
Die vergangenen Monate waren von politischen Veränderungen und einer Neuordnung innerhalb der Gemeindepolitik geprägt. Gerade in Zeiten des Wandels braucht es Persönlichkeiten, die Brücken bauen, unterschiedliche Standpunkte respektieren und das gemeinsame Interesse der Stadt über parteipolitische Überlegungen stellen. Das sollte der Maßstab politischen Handelns sein.
Ich habe meine Aufgabe als Stadträtin für Soziales stets mit großem Verantwortungsbewusstsein, voller Überzeugung und mit einem klaren Blick auf die Bedürfnisse der Menschen in Wörgl wahrgenommen. Mein Handeln war nie von persönlichen Interessen oder taktischen Überlegungen geleitet, sondern von dem Anspruch, Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen zu treffen.
Ich bin davon überzeugt, dass politische Verantwortung nicht darin besteht, immer derselben Meinung zu sein. Sie besteht vielmehr darin, unterschiedliche Sichtweisen zuzulassen, sachlich zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen, die dem Gemeinwohl dienen. Demokratie lebt von Menschen, die Haltung zeigen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn dies nicht immer der einfachste Weg ist.
Besonders nachdenklich stimmt mich auch das Signal, das diese Entwicklung für Frauen in der Politik aussendet.
Seit Jahren wird auf allen politischen Ebenen zu Recht gefordert, mehr Frauen für Führungsaufgaben zu gewinnen und ihre Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen zu stärken. Dieses Ziel kann jedoch nur glaubwürdig sein, wenn Frauen, die Verantwortung übernehmen, auch jene Anerkennung und Wertschätzung erfahren, die ihrem Engagement entspricht.
Frauen sollen ermutigt werden, ihre Meinung einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und Führungsaufgaben wahrzunehmen – nicht nur dann, wenn ihre Positionen bequem sind. Eine moderne politische Kultur zeichnet sich dadurch aus, dass Kompetenz, Integrität und Engagement höher bewertet werden als bloße Zustimmung. Das ist die Grundlage echter Gleichberechtigung.
Für mich persönlich ändert diese Entwicklung nichts an meiner Verantwortung gegenüber den Menschen in Wörgl. Politische Funktionen sind wichtig, sie definieren jedoch nicht den Wert eines politischen Engagements. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, die vielen Begegnungen und die gemeinsame Arbeit für soziale Gerechtigkeit, Familien, Seniorinnen und Senioren sowie für jene Menschen, die Unterstützung benötigen, bleiben mein Auftrag. Ich werde meinen politischen Weg mit derselben Überzeugung fortsetzen, mit der ich ihn bisher gegangen bin.
Am Ende entscheidet nicht ein politisches Amt über Glaubwürdigkeit und Haltung, sondern die Art und Weise, wie Verantwortung wahrgenommen wird. Ich werde mich auch künftig mit voller Kraft, mit Respekt vor demokratischen Grundsätzen und mit einem klaren Werteverständnis für die Menschen in Wörgl einsetzen. Denn eine starke Demokratie braucht unabhängige Persönlichkeiten, gegenseitigen Respekt und den Mut, unterschiedliche Meinungen auszuhalten.“
