Grandiose Österreich-Premiere für „Das Wunder von Wörgl“

Innsbruck/Wörgl. Vier Jahre nach der Uraufführung in der Schweiz erlebt bis 3. Juli 2016 „Das Wunder von Wörgl“ im Tiroler Landestheater in Innsbruck eine Neuauflage: Die umjubelte Premiere des Schauspieles von Felix Benesch in den Kammerspielen in der Messe am 28. Mai 2016 kam bei Publikum und Theaterkritik gleichermaßen gut an. Regisseurin Elke Hartmann fand mit der Mischung aus humorvollem Singspiel  und historischen Ereignissen das richtige Rezept für einen gleichermaßen unterhaltsamen wie lehrreichen Theaterabend.

„Das Wunder von Wörgl“ ist eine wahre Geschichte, neu und spannend erzählt von Felix Benesch, der aus der faszinierenden  Wörgler Freigeld-Wirtschaftsgeschichte ein turbulentes Theaterstück geschaffen hat, für das er 2014 den Kulturpreis der Stadt Wörgl erhielt. Die Stadt Wörgl organisierte auch den Theaterbesuch einer Wörgler Delegation am ausverkauften Premierenabend, darunter Bürgermeisterin Hedi Wechner, Kulturreferentin Mag. Gabi Madersbacher und ihr Vorgänger Mag. Johannes Puchleitner sowie mit Lia Rigler-Unterguggenberger samt Familie Nachfahren des Freigeld-Bürgermeisters Michael Unterguggenberger.

„Wir müssen neu denken und neu handeln“ – das forderte Wörgls Bürgermeister Michael Unterguggenberger und ging 1932 einen neuen Weg, um die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Form von Arbeitslosigkeit, Not und Elend zu bekämpfen. Im Rahmen eines Nothilfeprogrammes organisierte die Gemeinde ein Infrastruktur-Bauprogramm und gab zu dessen Finanzierung Arbeitswertscheine aus. Dieses Freigeld nach der Idee Silvio Gesells verlor monatlich an Wert. Die monatliche Abwertung um 1 % stellte sich als Schwungrad der wirtschaftlichen Selbsthilfe-Aktion heraus – niemand wollte das Schwundgeld behalten und gab es schnell wieder aus: Die Arbeiter erhielten ihre Löhne in Freigeld, kauften ein, die Unternehmen bezahlten Lieferanten und Steuern – sogar im Voraus – und so kamen die Arbeitswertscheine schnell in die Gemeindekasse zurück, wo sie für weitere Baumaßnahmen verwendet wurden. Auf Betreiben der Nationalbank, die damals ihr Geldmonopol gefährdet sah, wurde die äußerst erfolgreiche, durch großes Medieninteresse  weltweit bekannte Selbsthilfeaktion der Gemeinde nach 13,5 Monaten beendet.  Unterguggenberger wollte „der Welt ein Zeichen geben“, das bis heute gesehen wird – das Wörgler Freigeld gilt noch heute als erfolgreiches Modell für den Einsatz einer regionalen Zweitwährung.

„Ich wünsche dem Stück, dass es den Weg auf weitere Bühnen findet“, erklärte Landestheater-Intendant Johannes Reitmeier nach der bejubelten österreichischen Erstaufführung und gratulierte Regisseurin Elke Hartmann. Sie habe „eine wunderbare Form für das Stück gefunden – hoch unterhaltsam, dann auch wieder durchaus nachdenklich stimmend, aber in jeder Sekunde fesselnd“. Reitmeier zitierte sie weiters mit einem geflügelten Wort: „Theater soll nicht wehtun, es darf guttun! Und ich kann nur sagen – das heute hat saugut getan!“  Im Lachen lernen – das gelinge der Inszenierung, bei der Stefan Riedl als Michael Unterguggenberger, Ulrike Lasta als seine Frau Rosa, Kristoffer Nowak als Raiffeisenkassen-Filialleiter Winkler, Lisa Hörtnagl als umwerfende, rigorose Wirtin Josephine, Petra Alexandra Pippan als mannstolle Kellnerin Zenz, Jan Schreiber in der Doppelrolle des Nationalbankpräsidenten Kienböck sowie als Holzpfeifer, Michael Arnold als Altbürgermeister Gollner, Benjamin Schardt wandelfähig in mehreren Rollen und Joe Laube als Akkordeon-Spieler mitwirken. Die ausgezeichneten Darstellerleistungen rundet das Kreativteam des Tiroler Landestheaters mit Bühnenbild und Kostümen von Ragna Heiny ab, die musikalische Einstudierung nahm Hansjörg Sofka vor.

Weitere Spieltermine sind am 1.,2.,3.,10., 15.,24.,29. und 30. Juni sowie 1. Juli jeweils um 20 Uhr sowie am 11. Juni und 3. Juli um 19:30 Uhr. Weitere Infos www.landestheater.at