Der illegale Ausbau von Wohnraum in der Bahnhofstraße 51 wurde auch im Wörgler Gemeinderat am 29. April 2026 thematisiert. Christian Kovacevic (Liste Hedi Wechner), Astrid Rieser und Patricia Kofler (Wir für Wörgl.Liste Roland Ponholzer) und die beiden Grünen Gemeinderätinnen Iris Kahn und Özlem Harmanci stellten einen Dringlichkeitsantrag mit der Forderung, „eine sofortige behördliche Koordination und Krisenintervention einzurichten“. „Da läuft schon einiges, Hilfe passiert“, erklärte Bgm. Michael Riedhart dazu. Dem Antrag wurde die Dringlichkeit nicht zuerkannt (6 Ja- bei 15 Gegenstimmen).
Der Antrag fordert, dass „unverzüglich eine Kontaktaufnahme und strukturierte Koordination“ mit „umliegenden Gemeinden, relevanten Immobilienunternehmen bzw. Bauträgern, dem Land, dem TSD, gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften sowie sozialen Einrichtungen wie DOWAS, Mietervereinigung und vergleichbare Organisationen wie die AK“ herzustellen sei. Ziel solle eine „administrative Begleitung und Betreuung, sowie finanzielle bzw. organisatorische Unterstützung für die betroffenen MieterInnen sein, um raschestmöglich Ersatzunterkünfte sicherzustellen.“
Begründet wird der Antrag mit drohender Wohnungslosigkeit. Die Stadt sei „verpflichtet, bei erkennbaren sozialen Härtefällen koordinierend, vermittelnd und schadensmindern tätig zu werden.“ Außerdem sollen „zusätzliche interne Kontroll- und Prüfprozesse festgelegt werden, damit solche Situationen zukünftig vermieden werden können.“
An der Wortwahl des Antrages störte sich Rechtsanwalt GR Dr. Herbert Pertl und erklärte: „Juristisch ist der Vermieter zuständig. Der muss sich darum kümmern. Die Gemeinde ist aus moralischen Gründen verpflichtet, okay, aber lassen wir die Kirche im Dorf. Die Stadt ist nicht verpflichtet. Der Eigentümer ist zur Verantwortung zu ziehen.“ Das bedeute, dass Betroffene ins Hotel ziehen und dann die Kosten einklagen können – aber: „Wer traut sich das schon?“
WfW-GR Patricia Kofler fragte nach, wie lang die Räumungsfrist durch den Einspruch der Betroffenen gegen den Bescheid der Stadt nun aufgeschoben ist. „Der Bescheid ging mit der Frist bis 5. Juni 2026 raus. Zur Beschwerde können wir aktuell nichts sagen bis zur Entscheidung am Landesverwaltungsgerichtshof“, erklärte Bgm. Riedhart. Sachverständige des Landes würden derzeit die Hochbautechnik überprüfen. Die Hausverwaltung legte die Beschwerde für alle Betroffenen ein, auch eine Rechtsvertretung wurde bestellt. „Es wird noch eine lange juristische Auseinandersetzung und es wird Aufklärung brauchen, warum das so lange unbemerkt blieb“, erklärte STR LA Kovacevic.
Auf einen offenen Brief von DOWAS nahm Vizebgm. Roland Ponholzer am 6. Mai 2026 Stellung. Er schlage einen runden Tisch mit Behördenvertretern, Betroffenen und Sozialorganisationen vor mit dem Ziel, „kurzfristig akute Härten abzufedern und mittelfristig tragfähige, rechtlich ordentliche Lösungen zu entwickeln.“ Ponholzer spricht sich auch dafür aus, dass „die Verursacher des Missstandes ausgeforscht und konsequent zur Verantwortung gezogen werden“.
Verbesserungen bei Öffi-Verkehr
Auf Verbesserungen bei den Regiobuslinien 4026, 4068 und 4056 auf der Strecke Wörgl-Kufstein wies GR Iris Kahn hin: „Es gibt jetzt zusätzliche Fahrten morgens und abends sowie am Wochenende.“
„Das Tierheim Wörgl muss raus. Gibt es Alternativen für den Standort?“ fragte Kahn an. „Wir begleiten die Standortsuche seit eineinhalb Jahren und haben jetzt einen im Visier“, erklärte Riedhart.
Weitere Anfragen der Grünen betrafen den Wunsch, das Wave-Gutachten von 2022 im nicht öffentlichen Teil der Sitzung zu behandeln. Kahn wollte wissen, warum dieser Antrag nicht auf die Tagesordnung genommen wurde. „Über den nicht öffentlichen Teil entscheidet der Gemeinderat. Was, wenn bei der Abstimmung die nicht öffentliche Behandlung abgelehnt wird?“ erklärte Riedhart zum Gutachten, über das ja bekanntlich mit dem Gutachtenersteller vereinbart wurde, dass es nicht veröffentlicht wird.
