„Wörgl braucht Führung mit Verantwortung – keine politischen Alleingänge“, erklärt Fraktionsführerin Gemeinderätin Patricia Kofler in einer Presseaussendung der Liste „Wir für Wörgl. Liste Roland Ponholzer“, mit der sie am 7. August 2026 den „erneuten Alleingang“ des Bürgermeisters und „die Kündigung ohne Stadtratsbeschluss“ der Wörgler Ehrenamtskoordinatorin scharf kritisiert.
Die Kündigung sorge bei „Wir für Wörgl“ für massives Unverständnis: „Fest steht: Eine Diskussion oder Beschlussfassung im Stadtrat gab es dazu nicht. Die Fraktion hat Bürgermeister Michael Riedhart daher umgehend schriftlich aufgefordert, die Entscheidungsgründe, Zuständigkeiten und die Zukunft der Ehrenamtskoordination offenzulegen. Unsere Ehrenamtlichen verdienen Rückhalt, Wertschätzung und Verlässlichkeit“, betont Kofler.
„Eine engagierte und von zahlreichen Ehrenamtlichen geschätzte Mitarbeiterin in einem derart sensiblen Bereich ohne vorherige Befassung des Stadtrates zu kündigen, ist für uns nicht nachvollziehbar. Dieser neuerliche Alleingang zeigt ein Führungsverständnis, das weder der Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch gegenüber dem Ehrenamt gerecht wird“, erklärt WfW-Fraktionsführerin GR Patricia Kofler.
Die Ehrenamtskoordination sei seit 2012 „eine wichtige Säule des Ehrenamtes im sozialen Bereich. Wörgl nahm damit früh eine Vorreiterrolle ein. Seither bildet die Stelle eine zentrale Schnittstelle zwischen Ehrenamtlichen, Seniorenheim, Gesundheits- und Sozialsprengel sowie weiteren sozialen Angeboten“, so Kofler.
„Ehrenamt kann nicht verordnet werden. Menschen schenken unserer Stadt ihre Freizeit, übernehmen Verantwortung und kümmern sich um andere. Damit dieses Engagement funktionieren kann, braucht es verlässliche Organisation, Information und Vertrauen. Genau dafür wurde diese Koordinationsstelle geschaffen“, betont GR Gottfried Schneider.
Noch im Juli wurde die positive Entwicklung hervorgehoben
Besonders viele Fragen werfe der Bericht im Gemeinderat vom Juli 2026 auf. Dort wurde ausdrücklich auf die „aktuell sehr positive Entwicklung des Ehrenamtes“ hingewiesen. Die Ehrenamtskoordinatorin betreue demnach aktuell 132 Ehrenamtliche, die wertvolle Arbeit für Wörgl leisten.
Stadträtin Astrid Rieser sieht darin einen deutlichen Widerspruch: „Im Juli wird im Gemeinderat die sehr positive Entwicklung des Ehrenamtes hervorgehoben – wenige Wochen später wird die zuständige Koordinatorin gekündigt. Das passt nicht zusammen. Die Wörglerinnen und Wörgler haben ein Recht darauf zu erfahren, wer diese Entscheidung getroffen hat, warum sie getroffen wurde und auf welcher Grundlage.“
Zahlreiche Ehrenamtliche sprechen sich für Koordinatorin aus
Die deutlichste Rückmeldung komme von jenen Menschen, die unmittelbar mit der Ehrenamtskoordinatorin zusammenarbeiten: „Zahlreiche Ehrenamtliche haben sich nach Bekanntwerden der Kündigung auch bei uns ausdrücklich für die derzeitige Koordinatorin ausgesprochen. Diese Stimmen müssen ernst genommen werden. Die Fraktion fordert daher vollständige Transparenz darüber, wer die Kündigung veranlasst hat, welche Gründe ausschlaggebend waren und wie die Betreuung der Ehrenamtlichen künftig sichergestellt wird. Ebenso ist zu klären, wer künftig die Ehrenamtskoordination sowie die politische Verantwortung für das Seniorenheim übernimmt“, so Kofler. „Hier geht es nicht um irgendeinen Verwaltungsposten. Es geht um 132 Ehrenamtliche und um Menschen, die auf deren Unterstützung angewiesen sind. Wer Ehrenamt ernst nimmt, muss auch die Strukturen schützen, die dieses Engagement ermöglichen. Unsere Ehrenamtlichen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienen Wertschätzung, Verlässlichkeit und klare Antworten – und genau diese werden wir einfordern.“
Die derzeitige Ehrenamtskoordinatorin wurde vor elf Monaten eingestellt und bewirkte seither eine deutliche Zunahme der Freiwilligen. Wörgls Ehrenamtskoordinatorin betreute Freiwilligen-Einsätze im Seniorenheim, beim Gesundheits- und Sozialsprengel sowie bei weiteren sozialen Einrichtungen wie der Lesepatenschaft an den Volksschulen in Wörgl und Bruckhäusl, die Mitarbeit in der Bücherei Wörgl oder bei der Hospizbegleitung sowie Besuchs- und Begleitdienste bei Arzt- oder Behördenterminen sowie beim Einkaufen. Auf die „aktuell sehr positive Entwicklung des Ehrenamtes“ wies GR Elisabeth Werlberger in der Wörgler Gemeinderatsitzung am 1. Juli 2026 noch ausdrücklich hin und berichtete, dass die neue Aktion „Eine Tasse Freude schenken“ gut angelaufen sei. Für die Betroffene kam die Kündigung zum Monatsletzten ohne Vorgespräch völlig überraschend.

