Schwimmen damals in Wörgl – unter diesem Motto stand am 6. Mai 2026 der Museumshoagascht im Theatron im Komma. Das beliebte nostalgische Format, ausgerichtet vom Wörgler Museumsverein in Zusammenarbeit mit Stadtchronist Toni Scharnagl, war einmal mehr Publikumsmagnet – über 100 Interessierte fanden sich ein, um beim mit Fotos und Filmen illustrierten Zeitzeugen-Abend dabei zu sein. Moderatorin Lilly Staudigl führte in bewährter Weise durch den Abend, mit Wörgls ehemaliger Sportreferentin Helga Petzer als versierter Interviewpartnerin.
„Jede Generation in Wörgl hatte ihr eigenes Schwimmbad!“ stellte Museumsvereinsobmann Andreas Winderl einleitend fest. Den historischen Rückblick in kompakten 5 Minuten lieferte dann das von Ramon Kohlmann erstellte Video, das die Geschichte der Schwimmbäder und des Schwimmsports in Wörgl lebendig werden ließ.
Wörgls erster Badebetrieb wurde 1885 mit dem Wasser des Aubaches in Bad Eisenstein eröffnet, das als heilkräftig galt. Das „Badl“ war später vor allem Ausflugsziel – der 1886 gegründete Wörgler Verschönerungsverein als Vorläufer des Fremdenverkehrsvereines (heute Tourismusverband) errichtete 1908 dann das erste Wörgler Schwimmbad. Allerdings unter wenig einladenden Bedingungen am schattigen, zugigen Eingang der Müllnertalklamm direkt am Wörgler Bach. Der Badebetrieb war streng nach Männern und Frauen getrennt und „die Badeanzüge wurden noch selbst genäht“, erfuhr Helga Petzer von der über 100jährigen Leni Mehr, die selbst dort schwimmen war.
Ein größeres Bad mit mehr Sonne – das wurde vom Verschönerungsverein unter tatkräftiger Mitwirkung des Wörgler Turnvereines ebenfalls am Wörgler Bach in der Augasse auf Höhe des heutigen Seniorenheims errichtet und im Sommer 1927 eröffnet. Mit wettkampftauglichem 25-Meter-Becken und Sprungbrett, aber noch ohne Liegewiese. Zum Sonnen dienten Holzpritschen. Befüllt wurde das Becken mit Wasser aus dem Wörgler Bach, das zwei Mal pro Saison neu eingelassen wurde und trotz seiner „grünen Farbe“ als willkommene Badegelegenheit von der Bevölkerung gut angenommen wurde. Zur Akzeptanz beitragen sollte damals wohl auch ein von der Gemeinde erlassenes Badeverbot in den Gumpen der Bäche.
„Das Schwimmbad war unser Treffpunkt“, erinnert sich Helga Petzer, die hier selbst das Schwimmen lernte, kunstvoll vom Sprungbrett sprang, Schwimmunterricht bekam und Tiroler Jugendmeisterin wurde. Die Sport-Begeisterung ließ Helga zeitlebens nicht mehr los. Die heute 86jährige verfasste die Wörgler Sportgeschichte im Heimatbuch, engagierte sich 12 Jahre lang als Sportreferentin im Wörgler Gemeinderat und stellte viele Fotos für den historischen Bilderbogen zur Verfügung. Dieser beinhaltete auch Filmausschnitte aus dem Wöfa-Film „Opa hat uns von Wörgl erzählt“ von Egon Frühwirth.
Ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Wörgler Schwimmclubs war die Eröffnung des Wörgler Hallenbades beim Bundesschulzentrum im Oktober 1973, das 1969 vom Wörgler Gemeinderat beschlossen wurde. Vormittags stand das Bad den Schulen zur Verfügung, nachmittags war es inklusive einer Sauna im Keller auch für die Öffentlichkeit und damit das Wettkampf-Schwimmtraining des Schwimmclubs geöffnet, der als Sektion der Turnerschaft Wörgl 1976 unter der Leitung von Helga Petzer ins Leben gerufen wurde. Bademeister Friedl Senfter galt als „Institution“, bis das Bad im Jahr 2000 geschlossen, abgetragen und durch Turnhallen ersetzt wurde.
„Das war mein Bad, da haben wir dreimal pro Woche trainiert“, erinnerte sich Helga Petzers Tochter, die Unternehmensberaterin Dr. Katrin Ungar-Petzer an ihre Jugend, in der sie aufgrund des Schwimmclub-Engagements ihrer Eltern ebenso wie ihre drei Geschwister viel Zeit in Wörgls Schwimmbädern verbrachte. Katrin wurde österreichische Jugendmeisterin, versäumte um Hundertstel Sekunden die Teilnahme an der Europameisterschaft und schwimmt noch immer bei den „Masters“.
Als am 7. Mai 1976 das beheizte Wörgler Freischwimmbad am Madersbacherweg mit großem Festakt samt Besuch des Bundespräsidenten Kirchschläger eröffnet wurde, begann eine neue Ära. Allerdings mit einem Wermutstropfen für den Schwimmclub, dem dort fürs Training ein wettkampftaugliches Becken fehlte. Das neue Schwimmbad war mit einem 33-Meter-Becken und einem Nichtschwimmerbecken ausgestattet, an das später eine Wasserrutsche angebaut wurde. Auf der westlich angrenzenden großen Liegewiese war zwar Platz für den Bau eines 50-Meter-Beckens vorgesehen, realisiert wurde es nicht mehr.
An dieses Bad haben viele WörglerInnen noch lebhafte Erinnerungen, wie die Wortmeldungen beim Museumshoagascht zeigten. Stauen auf der Rutsche, die als Sensation empfundene „Nackerte“ auf der „Sonnen-Pyramide“, die Verpflegung aus dem Schwimmbad-Kiosk – die Sommerferien im Schwimmbad, bei denen sich alle trafen – damit war es im Jahr 2002 vorbei, als das Schwimmbad geschlossen wurde und das Areal an die SPAR-Zentrale ging, die es heute als Betriebsgelände und Parkplatz nützt.
Ein neues Kapitel Wörgler Schwimmbadgeschichte wurde 2003 mit der Eröffnung des Wörgler Erlebnisbades WAVE eröffnet, das 2005 nach der Inn-Hochwasserkatastrophe geschlossen und von Grund auf saniert werden musste. 2006 ging es wieder in Betrieb. Das neue Bad fand wohl auch aufgrund der höheren Eintrittspreise, des anfangs fehlenden Freibeckens und der Entfernung zum Stadtzentrum bei der Wörgler Bevölkerung bei weitem nicht mehr die Akzeptanz wie das alte Schwimmbad.
Das Erlebnisbad wurde auch mit anderem Anspruch konzipiert. So spielten die Wörgler Wasserwelten eine wichtige Rolle als „Schlechtwetterprogramm“ für den Tourismus und lockten mit Attraktionen wie der L2-Doppellooping-Rutsche und einer Saunalandschaft, die letztmalig 2016 ums „Bathai“ erweitert wurde.
„Für den Schwimmclub war das Sportbecken ideal. In dieser Zeit entwickelte sich aus dem Schwimmclub der Thriatlon-Verein“, erinnerte sich Helga Petzer an die Hochzeiten der beiden auch national und international erfolgreichen Wörgler Sportvereine. Rund 330.000 Besucher und damit insgesamt rund 5 Millionen Badegäste zählte das WAVE bis zur Schließung im August 2021 zur Zeit der Corona-Pandemie. Trotz Neubau des Wellenbeckens sperrte das Bad danach nicht mehr auf, mit dem Abriss wurde im April 2026 begonnen.
Wie es mit der Geschichte des Schwimmens in Wörgl weitergeht? Dazu meldete sich Andreas Schmidt, Obmann des Wörgler Bäderbeirates zu Wort und informierte über den geplanten Bau des neuen Regionalbades „Wörgler Badl“ am Scheiberfeld. Was gebaut wird, hängt von Förderungen ab – auf jeden Fall soll ein Freischwimmbad für die Wörgler Bevölkerung entstehen, mit voraussichtlichem Baubeginn 2027.
Die Publikumsreaktionen beim Museumshoagascht zeigten, wie sehr das Thema Schwimmen emotional bewegt. Und dass dabei auf eine ganzjährige Schwimmlösung gehofft wird, wie es Helga Petzer abschließend formulierte: „Die Region braucht ein Hallenbad!“
Mehr zur Sportgeschichte in Wörgl gibt´s übrigens beim nächsten Museumshoagascht im September 2026 zum Thema 80 Jahre Turnerschaft Wörgl. Obmann Andy Winderl dankte abschließend dem Komma und den beiden Sponsoren Sparkasse Wörgl und TVB Ferienregion Kitzbüheler Alpen und lud zum Besuch im umgestalteten Museum ein. Im neuen Medienraum können zu den Öffnungszeiten samstags von 10-12 Uhr sowie nach Vereinbarung (Info www.museum.woergl.at) historische Wörgler Filmschätze angesehen werden. Der Eintritt ist frei, Spenden erbeten.






