Ein Fest der Blasmusik voller Lebensfreude mit der Botschaft, dass Musik alle Grenzen überwindet und verbindet – das war das Jubiläumsfest zum 150jährigen Bestehen der Stadtmusikkapelle Wörgl, das am 19. Juni 2026 den dreitägigen Festreigen eröffnete. Am Samstag feierte die Freiwillige Feuerwehr Wörgl 150 Jahre und im Anhang am Sonntag die Stadtgemeinde bei der gemeinsamen Feldmesse im Sportzentrum Wörgl mit Landeshauptmann Toni Mattle die Stadterhebung vor 75 Jahren.
Ein buchstäblich heißes Festwochenende mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius! Schwitzen war angesagt – schon beim Festumzug der Blasmusikkapellen, die am Freitag mit der Stadtmusikkapelle Wörgl das Jubiläum feierten. Der Festzug formierte sich bei strahlendem Sonnenschein in der Begegnungszone in der Bahnhofstraße. Angeführt von der Stadtmusikkapelle marschierten die Musikkapellen von Angath, Angerberg-Mariastein, Hopfgarten, Itter, Kelchsau, Kirchbichl und Wörschach aus der Steiermark durch die Fritz Atzl-Straße mit Defilierung beim Seniorenheim zum großen Festzelt hinter dem Feuerwehrhaus auf dem Schopperfeld.
Mit den Polkas „Grenzenlos“ und „So schön ist Blasmusik“ eröffnete die BMK Angath den Platzkonzert-Reigen im Zelt, bei dem sich die teilnehmenden Musikkapellen mit mindestens 20 Minuten Programm präsentierten. Als Hommage an die Feuerwehr heizte die BMK Angerberg-Mariastein mit „On fire“ und einem Queen-Medley die Stimmung weiter an – und so standen schon von Beginn an die ersten MusikantInnen auf den Bierbänken und klatschten begeistert mit.
Besonders wohl fühlten sich die SteirerInnen auf den Bierbänken, die sich auch beim Mitsingen lautstark und textsicher erwiesen – wie sich schon beim Rainer-Marsch und beim Bozner-Bergsteiger Marsch zeigte, den die BMK Hopfgarten in ihrem Repertoire hatte. Die Stimmung erreichte ihren ersten Höhepunkt beim Auftritt der Stadtmusikkapelle Wörgl unter Kapellmeister Johannes Puchleitner, die mit der Feschtbänkler-Polka „Ein Leben lang“ und dem Marsch „Dem Land Tirol die Treue“ auch die Wörgler Stadtpolitik auf die Bänke brachte.
Obwohl die Musik im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier stand – ein Festakt durfte auch nicht fehlen. Obfrau Maria Scharnagl-Prosch begrüßte unter den Gästen u.a. Raimund Winkler vom Blasmusikverband Tirol und Sebastian Neureiter vom Unterinntaler Musikbund sowie VertreterInnen der Politik, u.a. die Landtagsabgeordneten Sebastian Kolland und Christian Kovacevic sowie Wörgls Bürgermeister Michael Riedhart und zahlreiche MandatarInnen.
„150 Jahre im Takt – das sind immens viele musikalische Geschichten“, leitete Scharnagl-Prosch ihren kurzen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Kapelle ein, die aufgrund der ersten schriftlichen Erwähnung 1876 heuer ihr Jubiläum feiert. Anfang des 20. Jahrhunderts kam zur Bürgermusik die Arbeitermusikkapelle. Erst mit dem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 vereinten sich die beiden Musikkapellen zur Eisenbahnermusik, die 1951 zur Stadterhebung als Stadt- und Eisenbahnermusik auftrat und sich 1969 auf Stadtmusikkapelle Wörgl umbenannte. „Die Kapelle hat sich stets weiterentwickelt. Heute besteht sie aus 50 Mitgliedern – 20 Frauen und 30 Männern, das Durchschnittsalter liegt bei 38,7 Jahren“, gab die Obfrau Einblick ins Vereinsleben und dankte allen Mitwirkenden für ihren ehrenamtlichen Einsatz, der Teil des Wörgler Gesellschaftslebens sei. Ihr Dank galt auch der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung ihres Mannes, Kommandant Sebastian Prosch, deren Arbeits-Einsatz das Festwochenende ermöglichte.
Mit Glückwünschen des Blasmusikverbandes Tirol und einer Urkunde gratulierte Raimund Winkler: „150 Jahre Stadtmusik bedeutet 150 Jahre Leben in einer musikalischen Gemeinschaft, die Jung und Alt vereint“, erklärte Winkler. Grußworte zum Jubiläum kamen weiters von Bgm. Riedhart und LA Sebastian Kolland, bevor nach Überreichung von Erinnerungsgeschenken an die Obleute der teilnehmenden Kapellen die Bühne wieder den MusikantInnen gehörte.
Und die sorgten weiter für beste Stimmung! Dass das auch mit einer Frau als Kapellmeisterin prächtig funktioniert, zeigte der Auftritt der Musikkapelle Kelchsau mit Kapellmeisterin Theresa Ager, bei dem sich bereits die ersten Tanzpaare einfanden. Tanzbares lieferte danach auch die BMK Kirchbichl ab, bevor der Musikverein Wörschach bei Liezen im Ennstal zum Generalangriff auf die gute Laune blies und Kapellmeister Michael Schachner energiegeladen mit der klaren Ansage „Alles auf!“ durch die Reihen zog und das Publikum zum Mitmachen animierte und feststellte: „Wörschach und Wörgl verbindet eine innige Freundschaft!“
Vom kühlenden Gewitterschauer draußen blieb die Stimmung im Festzelt unbeeindruckt, als nach den Wörschacher Stimmungskanonen die Schladlmusik aus Altötting in Bayern zu Tanz und Unterhaltung bis spät in die Nacht aufspielte.
Zur Jubiläumsfeier zählte auch die Mitwirkung an der Feldmesse samt Festakt am Sonntag, nach dem die Stadtmusikkapelle im Festzelt zum Frühschoppen konzertierte. Sie übernahm die musikalische Gestaltung des landesüblichen Empfanges und des Gottesdienstes im Sportzentrum, marschierte dann an der Spitze des Festumzuges mit 30 Fahnenabordnungen zum Festgelände.
Das große Festwochenende leitete für die Stadtmusikkapelle die sommerliche Konzert-Saison ein. Von 10. Juli bis 28. August finden wieder bei Schönwetter freitags die Platzkonzerte im Seniorenheimpark statt, bei denen die Wörgler sechs der acht Konzerte gestalten. Die Teilnahme am Stadtfest am 11. Juli sowie am Guggi-Kultur-Sommer am 12. August 2026 stehen ebenso im Terminplan wie dann das traditionelle Jahreskonzert am 7. Dezember im Komma Wörgl – übrigens zum letzten Mal unter der Leitung von Kapellmeister Johannes Puchleitner. Dieser gibt aufgrund der zeitaufwändigen Aufgaben seines neuen Jobs als Leiter des Tiroler Landeskonservatoriums mit Jahresende den Taktstock als Kapellmeister ab, bleibt aber weiterhin aktiver Musikant.
Text und Bilder: Veronika Spielbichler





































