Petition im Nationalrat: Wolf Schutzstatus senken

Im Mai 2020 sorgte ein herumstreunender Wolf im Zillertal für Aufregung. Ohne Scheu spazierte das Raubtier auf dem Hof der Familie Kircher umher. Nach vielen Wolfsrissen im Tiroler Oberland sorgt ein nun auch ein Wolf im Kaiserwinkl für Verunsicherung. Seit Jahren engagiert sich der Nationalratsabgeordnete Hermann Gahr aus Schwaz für ein wolfsfreies Tirol. Er brachte heuer eine weitere Petition im Nationalrat ein mit dem Ziel, den Schutzstatus des mittlerweile in Europa keinesfalls mehr seltenen Raubtieres zu senken und damit der Jägerschaft mehr Handlungsspielraum zu geben. Die Petition kann online unterstützt werden – der Link: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/PET/PET_00017/index.shtml

Weitere tote Schafe in Navis und Schmirn

Die ersten Ergebnisse der genetischen Untersuchungen der Tupferproben von den Schafrissen am 29. Juli in Pfunds und am 2. August in Spiss liegen vor. „In beiden Fällen ist neuerlich die DNA eines Wolfs aus der italienischen Population nachgewiesen worden. Für die Risse in Spiss liegen auch die Ergebnisse der Genotypisierung vor. Es handelt sich dabei um jene Wölfin, deren DNA bereits bei den Rissen in Serfaus und See nachgewiesen wurde“, berichtet Janovsky.

Das Land Tirol will jenen Wolf, der sich seit einiger Zeit im Kaiserwinkl im Grenzgebiet zu Bayern aufhält und in Kössen und Walchsee zwischen Anfang Juni und Ende Juli dieses Jahres nachweislich für rund 30 Schafrisse sowie für elf Ziegenrisse in Kirchdorf verantwortlich war, bestmöglich lokalisieren. Der Tiroler Jägerverband und die örtliche Jägerschaft unterstützen das Land beim intensiven Monitoring und der Sammlung von Datenmaterial. Aufgrund von Rissen, Sichtungen und Aufnahmen von Wildkameras gibt es einige Hinweisen, denen man nachgehen kann.

Dieser Wolf stammt aus der dinarischen Population aus Südosteuropa. Das Gerücht, dass es sich bei diesem Tier um einen so genannten Hybriden, eine Kreuzung aus Wolf und Hund, handelt, hat sich nicht bestätigt. „Vertiefende genetische Analysen sowohl der österreichischen und als auch der deutschen Behörden haben keinerlei Hinweise auf eine Hybridisierung erbracht“, berichtet Martin Janovsky. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass der besagte Wolf ein ‚reinrassiger‘ Wolf und kein Hundemischling ist.

Mit Hilfe der Sammlung von Datenmaterial will man Streifrouten und Aufenthaltsorte des Wolfs nachvollziehen und eine Vorstellung über das Raumnutzungsverhalten des Tieres bekommen. Dazu steht man auch im Austausch mit den Behörden und der Jägerschaft im angrenzenden Bayern. In einem ersten Schritt wurden unter tatkräftiger Mitarbeit der Jägerschaft die Koordinaten von Rissen, Sichtungen und Aufnahmen in einer Übersichtskarte zusammengeführt. In weiterer Folge werden an ausgewählten Plätzen weitere Fotofallen aufgestellt. Die Positionierung der Kameras erfolgt in Abstimmung mit der örtlichen Jägerschaft.

Land will Handlungsspielraum

Rechtlich sind dem Land Tirol aufgrund der EU-Vorgaben und des Schutzstatus des Wolfs enge Grenzen gesetzt. Die Entnahme eines Wolfs ist etwa nur dann zulässig, wenn Wölfe ohne ersichtlichen Grund aggressiv auf Menschen reagieren oder wiederholt sachgerecht geschützte Nutz- und Haustiere töten. Das Land Tirol hat ein Beratungs- und Förderprogramm für Herdenschutzmaßnahmen aufgelegt, das für 2020 und 2021 mit je 500.000 Euro dotiert ist. „Die Möglichkeiten, die wir haben, werden wir voll ausreizen. Gleichzeitig fordern wird den Bund auf, das Thema in Brüssel auf’s Tapet zu bringen. Wir brauchen dringend mehr Handlungsspielraum“, verlangt LHStv Geisler.

Der Lk-Tirol Präsident und Abg. z. NR Ing Josef Hechenberger und der Bauernbund-Abgeordnete Hermann Gahr formulierten nach den Wolfssichtungen im Zillertal erneut die Forderung, den Schutzstatus der Wölfe zu senken. Gahr brachte die Petition des Tiroler Almwirtschaftsverein „Tiroler Almen erhalten und schützen“ in den Nationalrat ein.

Neben der Wolfssichtung im Zillertal, gab es auch einige Wolfsrisse in Nord-, Ost- und Südtirol. Hermann Gahr ist bereits seit Jahren politisch in Sachen Wolf aktiv und brauchte mittlerweile die dritte Petition zu diesem Thema in den Nationalrat ein. „Von Jahr zu Jahr steigen die Wolfsrisse und die Raubtiere kommen den besiedelten Gebieten immer näher. Im Zillertal wurde der Wolf nur zwei Minuten vom Dorf entfernt gesichtet“, so Gahr.

Tiroler Almwirtschaft ist einzigartig

Die Hauptaufgabe des Tiroler Almwirtschaftsvereins ist der Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Almwirtschaft, die seit Jahrhunderten Tradition hat. Durch die Rückkehr der Wölfe in den Alpenraum und der jährlich steigenden Wolfsrisse, ist die Almwirtschaft in Gefahr. „Die Erhaltung der einzigartigen Tiroler Almlandschaft muss gegenüber dem Wolf Vorrang haben. Durch die untrennbare Verbindung der Berglandwirtschaft mit der Almwirtschaft, geben zahlreiche Bauern ihre Landwirtschaft auf, da es sich für sie nicht mehr auszahlt, Tiere zu halten. Der Rückgang der Almwirtschaft und Berglandwirtschaft ist nicht nur für die Landwirtschaft dramatisch. Die Landwirte und ihre Weidetiere leisten durch die Beweidung einen wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit. Die Kulturlandschaft wird gepflegt und erhalten, ohne die Almwirtschaft würden Almen und Wanderwege verwuchern“, erklärt Lanzinger die Situation.

Für Gahr ist die Sache klar, es braucht endlich eine Wolfsstrategie inklusive wildökologischer Raumplanung. „Die Situation mit den Wölfen wird jedes Jahr dramatischer, wir müssen uns dem Problem jetzt annehmen, bevor es uns über den Kopf wächst“, mahnt der Tiroler Abgeordnete.  Derzeit gibt es in Österreich drei nachgewiesene Wolfsrudel und zahlreiche Einzelwölfe, die durch das Land streifen. Die Reproduktionsrate der Raubtiere liegt derzeit bei rund 30 Prozent, das bedeutet: Alle drei Jahre verdoppelt sich ein Wolfsrudel. „Wenn man das auf die kommenden Jahre hochrechnet, haben wir ins sechs Jahre mindestens 12 Rudel in Österreich. Deswegen müssen wir jetzt handeln“, betont Gahr.

„Der Rückkehr der Wölfe gefährdet die Tiroler Almwirtschaft. 76.000 Schafe und Ziegen grasen auf den Tiroler Hochalmen, sie sind das erste Opfer der Wölfe. Fehlen die Almschafe verwildern die Weiden wodurch Muren und Lawinen im hochalpinen Gebiet vermehrt abgehen“, so Lanzinger.

„Die Senkung des Schutzstatus auf europäischer Ebene sowie die unbürokratische Entnahme von Problemwölfen ist unumgänglich, sonst haben wir in Tirol bald keine Alm- und Berglandwirtschaft mehr, sondern Wolfsreviere“, so Gahr und Lanzinger.

Nationalrat Hermann Gahr übergibt die Petition des Tiroler Almwirtschaftsvereins dem Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka. © Silvia Leitner

Nationalrat Hermann Gahr übergibt die Petition des Tiroler Almwirtschaftsvereins dem Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka. © Silvia Leitner

Forderungen aus der Petition:

Der Wolf ist in Europa nicht vom Aussterben bedroht und gilt nach der IUCN – red list als nicht gefährdet. Deshalb fordern wir die Herabsetzung des Schutzstatus in der
FFH-Richtlinie der EU von Anhang 2 und 4 (strengster Schutz) in Anhang 5 (Möglichkeit der einzelstaatlichen Regulierung im Rahmen von Managementplänen).

Leichtere und unbürokratischere Entnahme von Problemwölfen. Lange und komplizierte Antragsverfahren sollen deutlich verkürzt werden. Dazu werden die Umweltlandesräte aufgefordert, ein Konzept für den Umgang mit den Wölfen zu erstellen.

Die traditionelle, über Jahrhunderte gewachsene Weide- und Almwirtschaft muss auch künftig mit den herkömmlichen Methoden, ohne die Notwendigkeit umfangreicher und unverhältnismäßig aufwändiger Herdenschutzmaßnahmen (Herdenschutzhunde, Zäunungen, ständige Behirtung), möglich sein. Eine Studie des Landes Tirol bestätigte erst kürzlich, dass Herdenschutz im alpinen Gelände vielfach überhaupt nicht und in vielen Fällen nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich ist.

Letztlich fordern wir zur Erhaltung der traditionellen Weide- und Almwirtschaft, die nachweislich das Tierwohl fördert, die Schaffung von wolfsfreien Zonen.

Hier kann die Petition unterstützt werden:

https://iwww.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/PET/PET_00017/index.shtml

Quellen: Land Tirol/Mag. Christa Entstrasser, Mag. Silvia Leitner Parl. Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit von Abg. z. NR Hermann Gahr und Abg. z. NR Ing. Josef Hechenberger