Mit Mehrheitsbeschluss bewilligte der Wörgler Gemeinderat am 25. März 2026 die Jahresrechnung 2025 sowie Gebührenerhöhungen bei Müll, Wasser und Kanal um über 4%. Die Stadtfinanzen wurden im Gemeinderat kontrovers beurteilt.
Der Ergebnishaushalt weist Erträge von 57,4 Millionen Euro bei Aufwendungen von 57,7 Millionen Euro und damit ein Minus beim Nettoergebnis von 350.000 Euro aus, der Finanzierungshaushalt ein Minus von rund 5,5 Mio. Euro. Bürgermeister Michael Riedhart sieht mit dem Jahresabschluss 2025 „die Stadt auf finanziell stabilen Beinen“ und betonte in seiner Präsentation, dass „liquide Mittel von 7 Mio. Euro vorhanden und die Vermögenswerte von 119,3 Mio. auf 125,9 Mio. Euro gestiegen sind.“ Zudem sei der Verschuldungsgrad um 2 % auf 37,45 % gesunken und Wörgl habe 2025 um 3,11 Mio. Euro weniger ausgegeben als geplant, bei den Personalkosten 651.000 Euro weniger. 7,41 Mio. Euro wurden in Infrastruktur investiert und die Kommunalsteuer stieg von 8,95 Mio. im Vorjahr auf 9,16 Mio. Euro 2025.
Der vorgelegte Rechnungsabschluss wurde kontrovers diskutiert. Grün-GR Iris Kahn sieht „viele Budgetpositionen nicht ausgeschöpft, etwa die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED“ und bei den Personalkosten Mehrausgaben durch Leihpersonal im Seniorenheim in Höhe von 1 Million Euro, die nicht unter Personal, sondern unter Sachaufwand verbucht sind. Auf Nachfrage erhielt sie die Antwort, dass dort drei Leasingmitarbeiter beschäftigt sind. In den Personalkosten enthalten sind die Kosten für die acht kolumbianischen Pflegekräfte, wie Sozialstadträtin Elisabeth Werlberger mitteilte und betonte, „dass diese Mitarbeiterinnen sehr wichtig sind, wir bekommen keine Pflegekräfte aus Österreich. Dieses Geld ist gut investiert, das sind hoch qualifizierte Leute.“ Dass die geplante LED-Umstellung bei der Straßenbeleuchtung, die Energiekosten einspart, nicht umgesetzt wurde, begründete Bgm. Riedhart mit Personalmangel bei den Stadtwerken.
Dass die budgetierten Personalkosten, die über 20 Millionen Euro betragen, nicht ausgeschöpft wurden, lag daran, dass „benötigtes Pflegepersonal nicht zu finden war“, wie Finanzreferent GR Emil Dander erklärte. Hätte man dieses gefunden, „hätten wir sie auch angestellt, da wäre mir das Budget egal“. Dander stellte zum Jahresabschluss 2025 fest, dass „die Stadt liquid und handlungsfähig ist“.
WfW-GR Patricia Kofler wies auf über eine Million Euro zusätzlicher Einnahmen von Land und Bund hin und relativierte beim Verschuldungsgrad, der nun um 2 % falle, nachdem er seit Beginn von Riedharts Funktionsperiode um 21 % gesteigert wurde. Die Stadtführung habe zudem in den letzten Jahren 7 Millionen liquide Mittel verbraucht.
Das sieht auch LA STR Christian Kovacevic so, der aufgrund einer Terminüberschneidung mit der Landtagsitzung eine schriftliche Stellungnahme zum Jahresabschluss abgab. Die unerwartet hohen Abgabenertragsanteile hätten vielen Gemeinden geholfen, positive Jahresüberschüsse zu erzielen: „In Wörgl ist dies leider nicht der Fall.“ Auch 2025 habe Wörgl operativ ein Minus produziert und „im Finanzierungshaushalt erkennt man die wahre finanzielle Schieflage.“ Es werde ein Überschuss von 6,4 Mio. Euro dargestellt, der sich allerdings nur durch die Aufnahme von Finanzierungen in Höhe von 7,7 Mio. Euro ergäbe. „Dass nun ein positiver Rechnungsabschluss vorgegaukelt wird, der nur durch Kreditaufnahme erreicht wurde, ist für mich eine Schönfärberei der Finanzen. Tatsächlich steigt der Schuldenstand der Stadt von rund 23 Mio. auf knapp 30 Mio. Euro und somit auf einen noch nie dagewesenen Höchststand. Damit verbunden steigen auch die jährlichen Kredit- und Zinszahlungen, der finanzielle Spielraum wird immer enger. Einen Kredit aufzunehmen, um dann mit einem guten Kontostand prahlen zu können, halte ich nicht für sinnvoll – im privaten oder gewerblichen Bereich würde das wohl niemand tun“, so Kovacevic.
Die Mehrheit im Gemeinderat ortete im Jahresabschluss 2025 „sehr viele positive Signale“. Überprüfungsausschuss-Obmann GR Herbert Pertl lobte die „eingehaltene Budgetdisziplin“, es gab keine bewilligungspflichtigen Kostenüberschreitungen. Mit den Schulden sei auch Vermögen geschaffen worden. Zum Anstieg der Schulden erklärte Wirtschaftsreferent GR Andreas Deutsch, dass die Stadt seit 2022 einen „Investitionsstau von 12 Jahren aufgearbeitet hat“.
FWL-GR Christopher Lentsch meinte mit einem Seitenhieb „auf die links-linke Opposition“, dass „der prognostizierte Finanzkollaps ausgeblieben ist, es wurde gut gewirtschaftet“. GR Gabi Madersbacher und GR Patricia Kofler sahen sich als kritische Stimmen angegriffen und dementierten beide, zur „links-linken Gesellschaft“ zu gehören – Kofler ordnete sich „in der bürgerlichen Mitte“ ein. STR Thomas Embacher bezichtigte die Opposition der „Schwarzmalerei“, man habe „massiv in die Infrastruktur investiert“.
Wave-Abriss startet im April
Der Abriss der Wörgler Wasserwelt wurde um 700.000 Euro an die Bestbieterfirma Hollaus vergeben und startet im April 2026, wie Bgm. Riedhart mitteilte. Die Kosten tragen zu 90 % die Stadtwerke und zu 10 % die Stadt, die auch noch die aushaftenden Schulden der Wörgler Wasserwelt von rund 5,7 Millionen Euro zu begleichen hat. Nicht mehr einbringbar sind weiters 300.000 Euro Darlehen der Stadt für das neu errichtete Wellenbecken, die mittels mehrheitlichem Gemeinderatsbeschluss nun ausgebucht wurden.
Warum verursacht stillgelegtes Bad Beratungskosten?
Bürgermeister Michael Riedhart berichtete anhand letztverfügbarer Jahresabschlüsse von 2024 über die Finanzen der Wörgler Wasserwelt GmbH und der Wörgler Wasserwelt GmbH & CoKG. Die operativ nicht mehr tätige Wasserwelt GmbH weise eine Bilanzsumme von rund 56,6 Mio. Euro aus, wobei es sich um rein rechnerische Werte handle. Weder Verbindlichkeiten noch Anlagevermögen sind ausgewiesen, das Umlaufvermögen bestehe aus Forderungen gegenüber der Wörgler Wasserwelt GmbH & CoKG mit rund 55.000 Euro.
Die Wörgler Wasserwelt GmbH & CoKG war Betreiber des geschlossenen Erlebnisbades Wave. „Aufgrund der Abschreibung eines Großteils des Anlagevermögens und hoher kumulierter Jahresverluste beträgt die Bilanzsumme nur noch rund 177.000 Euro“, so Riedhart. Die Mittel würden zur Abdeckung letzter noch laufender Verpflichtungen wie Versicherung, Bewachung, Rechts- und Steuerberatung sowie Buchhaltung verwendet. Mit dem Abriss fallen diese Kosten weg.
Passivseitig ist „neben einem nachhaltig negativen Eigenkapital ein Schuldenstand gegenüber der Hypo Tirol Bank AG in Höhe von 5,691.034,21 Euro ausschlaggebend“, heißt es im Bericht. Die Tilgung erfolgt mit halbjährlichen Raten, das nächste Mal zum 31.3.2026 mit einer Rate von 890.558 Euro aus Mitteln der Stadtgemeinde, die auch für den Saldo haftet. „Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass sämtliche laufende Kosten von der Stadtgemeinde Wörgl getragen werden.“
WfW-GR Patricia Kofler fragte nach, „weshalb in einer nicht operativ tätigen Gesellschaft Abfallgebühren von über 2.000 Euro, Buchhaltungskosten von über 9.000 Euro und Beratungskosten von über 25.000 Euro anfallen“. Die Beantwortung übernahm Steuerberater Arno Josef Abler: „Die Gesellschaft ist stillgelegt, aber die Gebäude sind noch vorhanden, auch Abrissvorbereitungen waren nötig. Die Gesellschaft hat für alle Aufwendungen selbst aufzukommen.“ Darunter seien auch Stellungnahmen von Steuerberatern und Rechtsgutachten, es seien auch verschiedene Verwertungsformen geprüft worden. Das Gebäude selbst verursache etwa Kosten durch die Haftpflichtversicherung.
„Wofür wurden weitere 29.000 Euro sonstige Beratungskosten ausgegeben?“ wollte Grün-GR Iris Kahn wissen und wies auf Ablers mehrfache Funktionen als Steuerberater und Aufsichtsrat der Wergel AG hin. „Die Wasserwelt ist nicht in der Wergel AG eingegliedert“, stellte Bgm. Riedhart dazu fest – es erfolge deshalb auch keine Prüfung durch den Wergel AG-Aufsichtsrat, dem Abler angehöre. Dieser stellte fest, dass „ich bei Doppelfunktionen mich der Stimme enthalte“. Der Aufsichtsrat der Wergel AG habe keinen Einfluss auf die Wasserwelt GmbH & CoKG. Was die zusätzlichen 29.000 Euro sonstige Beratungskosten angeht, seien diese u.a. für Immobiliensachverständige. Die Rechts- und Steuerberatungskosten seien mit den 25.000 Euro ausgewiesen. Kahn wollte daraufhin wissen, wer die Jahresabschlüsse überprüft – diese werden nicht im Überprüfungsausschuss des Gemeinderates behandelt. Zuständig dafür sei die Generalversammlung der Gesellschaft, der Vertreter der Stadtgemeinde, der Stadtwerke und des TVB Ferienregion Hohe Salve angehören. Bgm. Riedhart bot daraufhin an, Auskünfte bei ihm persönlich als Geschäftsführer der Wörgler Wasserwelt einzuholen.
GR Patricia Kofler wollte wissen, welche Mieteinnahmen durch die drei im WAVE durchgeführten Veranstaltungen erzielt wurden. „Das kann ich nicht im Stegreif sagen, das wird im Jahresabschluss 2025 stehen“, erklärte Riedhart.
Kahn wollte wissen, warum nicht beide nicht mehr tätigen Wasserwelt Gesellschaften liquidiert und alles über die Stadt abgewickelt werde, um Kosten zu reduzieren. „Sie können erst liquidiert werden, wenn sie schuldenfrei sind“, erklärte Abler. Umschulden würde neue Verträge erfordern, die beim gestiegenen Zinsniveau einen fraglichen Nutzen und damit ein Risiko hätten. Zudem müsse das von allen drei Gesellschaftern beschlossen werden. Er erachte das als „nicht sinnvoll“. Bgm. Riedhart räumte ein, einen möglichen Kostenvorteil durch Liquidierung nochmals zu prüfen.

